Winterthur

Das Schlüsselwort heisst Integration

Willy Mayunda stammt aus dem Kongo und ist seit 2004 katholischer Pfarrer in Wülflingen. Auf das Festival Afro-Pfingsten freut er sich – auch wenn das Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer nicht zur Sprache kommt.

«Ein Solidaritätszeichen wäre wichtig für die Afrikaner»: Willy Mayunda, katholischer Pfarrer der Pfarrei St.?Laurentius in Wülflingen.

«Ein Solidaritätszeichen wäre wichtig für die Afrikaner»: Willy Mayunda, katholischer Pfarrer der Pfarrei St.?Laurentius in Wülflingen. Bild: Moritz Hager

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Willy Mayunda hat ein ansteckendes Lachen. Man glaubt ihm, dass er sich auf die Afro-Pfingsten freut. «Es ist eine gute Gelegenheit, Freunde zu treffen, afrikanisch zu essen, die Musik zu geniessen», sagt er in fast akzentfreiem Hochdeutsch. Mayunda ist 1964 im Kongo geboren, seit 2004 ist er katholischer Pfarrer in der Kirche St. Laurentius im Winterthurer Stadtteil Wülflingen.

Die Afro-Pfingsten, die nun seit 25 Jahren in Winterthur stattfinden, sind für ihn ein kulturelles Festival. «Für die Afrikaner, die hier in der Schweiz und im nahen Ausland leben, ist das Festival ein grosses Zeichen. Dadurch fühlen sie sich willkommen und aufgenommen. Wir sind dankbar, dass es das gibt.»

Derzeit macht Afrika allerdings traurige Schlagzeilen: Die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer dominiert in den Medien. Am 18.  April kam es vermutlich zum grössten Unglück der Geschichte. Über 800 Flüchtlinge ertranken. Seit Jahresbeginn starben mehr als 1500 Menschen.

«Das ist sehr, sehr traurig»

Mayundas Miene verfinstert sich, wenn das Gespräch auf die Menschen aus Afrika kommt, die ein besseres Leben in Europa suchen. «Das ist sehr, sehr traurig.» In seinem Umfeld ist niemand von einem solch schweren Flüchtlingsschicksal betroffen. Dennoch ist sich Mayunda bewusst: «Wenn die Menschen in Afrika ein gutes Leben hätten, würden sie bleiben.»

Er hilft denn auch, wo er kann. Mit seiner Stiftung Kimongo beispielsweise, die insbesondere Schulen in der Demokratischen Republik Kongo fördert. «Das ist das, was mir gefehlt hat», sagt er. «Wir hatten nichts.» Als er noch ein Bub war, starb Mayundas Vater. Er und seine vier Brüder konnten nur deshalb eine gute Schulbildung geniessen, weil Freunde der Eltern halfen. «Schule ist Zukunft, deshalb setze auch ich mich dafür ein.»

«Ein Solidaritätszeichen zu sehen wäre wichtig»

Die Afro-Pfingsten findet er nicht den geeigneten Rahmen, um die Flüchtlingsproblematik ins Zen­trum zu stellen. Im Programm ist denn auch nichts zu aktuellen politischen Themen zu finden, die auch hierzulande die Leute beschäftigen. «Das ist ein Fest. Und ein Fest ist schnell vorbei», sagt Mayunda. Seiner Meinung nach braucht das Thema mehr Raum und «andere Kanäle», auf denen zum Beispiel Hilfsprojekte vorgestellt werden können. Die Afro-Pfingsten seien ein fröhliches Festival – und nicht der richtige Ort für die ernste Thematik.

«Sicher passt der Rahmen nicht, um das zu thematisieren, um etwas Grosses zu erreichen.» Trotzdem bringt Mayunda auch Kritik an: «Man kann dieses Festival für die Afrikaner nicht organisieren, ohne diese Katastrophe in irgendeiner Form zu erwähnen. Ein Solidaritätszeichen zu sehen und zu spüren, das wäre wichtig für die Afrikaner.»

Wenig Chancen

Die Probleme der Afrikaner, die hier leben, kennt Mayunda gut. Er spreche mit seinen Landsleuten oft über ihre Lebensbedingungen. Über Arbeit zum Beispiel, die so schwierig zu finden ist. Oder die Wohnsi­tua­tion. «Meine Landsleute haben extrem Mühe, eine Wohnung zu finden, auch wenn die Finanzierung der Miete gesichert ist.» Potenzielle Mieter mit weisser Haut hätten viel grössere Chancen auf einen Vertrag. Ob systematische Diskriminierung dahintersteht, will Mayunda nicht beurteilen: «Ich kenne die Kriterien für Vermietungen nicht.»

Integration heisst das Schlüsselwort für Mayunda. Wenn Menschen aus Afrika mit Schweizer Familien in Kontakt kommen, würde vieles für sie einfacher werden. Dafür könnten die Afro-Pfingsten eine Gelegenheit sein.

Erstellt: 15.05.2015, 18:55 Uhr

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