Bezirksgericht

Der Marihuana-Trick, der nicht klappte

Mitten in einem Tösstaler Dorf baute ein Mann Hanf an. Gegen aussen legal, doch als er ein halbes Kilogramm ausliefern wollte und in eine Polizeikontrolle geriet, flog seine Tarnung auf. Gestern musste er sich vor Bezirksgericht dafür verantworten.

CBD-Hanf ist legal. Diesen Umstand versuchte ein junger Mann als Tarnung zu nutzen.

CBD-Hanf ist legal. Diesen Umstand versuchte ein junger Mann als Tarnung zu nutzen.

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Ein kissengrosser Plastikbeutel mit Hanfblüten gefüllt: Damit posierte der Beschuldigte auf Instagram vor rund zwei Jahren. Zusammen mit einem weiteren Mann hatte der Enddreissiger zuvor eine Firma gegründet, die legales CBD-Hanf anbauen und verkaufen wollte. Auch an einer internationalen Hanfmesse hatte das Unternehmen 2018 einen Verkaufsstand.

All das ist aus den sozialen Medien zu erfahren, wo die Firma nach wie vor präsent ist, obwohl der Beschuldigte die Firma im letzten Sommer liquidierte. Auf den Verpackungen des CBD-Hanfs im Internet ist der THC-Wert jeweils mit unter einem Prozent angegeben, was seit 2011 erlaubt ist.

Als der Beschuldigte aber vor ziemlich genau einem Jahr mit einem halben Kilogramm seines Marihuanas in eine Polizeikontrolle geriet, lag der von den Polizisten gemessene THC-Wert bei 14 Prozent, wie aus der Anklageschrift zu entnehmen ist. Der Beschuldigte hatte vor, das Marihuana zu verkaufen.

Keine Meldepflicht

Er musste es kurz zuvor geerntet haben, insgesamt mindestens 13 Kilogramm fand die Polizei bei der anschliessenden Durchsuchung des Kellers mitten in einem Tösstaler Dorf. Dort hatte der Mann seine Indoor-Hanfanlage mit «mindestens 884 Hanfpflanzen» betrieben, wie es in der Anklageschrift heisst. Diese betrieb er seit Sommer 2017.

«Es hat überhaupt nichts funktioniert, wie wir nun sehen.»Der Beschuldigte
vor dem Bezirksgericht

Grundsätzlich gibt es im Kanton Zürich keine Meldepflicht von CBD-Produzenten an die Behörden, heisst es bei der Kantonspolizei auf Anfrage. Die Mehrheit sei aber kooperativ und gebe bereitwillig Auskunft. Seit Ende 2017 setzt die Polizei Schnelltests ein, die Kontrollen «einfacher und schneller» machen würden. Denn von aussen ist der THC-Anteil und somit die Beurteilung, ob es sich um legalen Hanf handelt, weder sicht- noch riechbar.

Gestern stand der Mann vor dem Winterthurer Bezirksgericht. Es war ein sogenannt abgekürztes Verfahren, bei dem sich Staatsanwaltschaft und der geständige Beschuldigte bereits im Vorfeld auf eine Strafe geeinigt hatten. Deshalb dauerte die Befragung lediglich zehn Minuten, der Verteidiger hielt kein Plädoyer.

CBD-Preise eingebrochen

Der Beschuldigte hatte bereits im September 2017 illegales Marihuana abgeerntet, insgesamt mindestens 15,8 Kilogramm gemäss Anklageschrift. Der Richter wollte wissen, ob das ein Testlauf gewesen sei, um zu schauen, ob es funktioniere. «Es hat überhaupt nichts funktioniert, wie wir nun sehen», sagte der Mann flapsig. Verkauft habe er nie etwas, es sei ja alles beschlagnahmt worden.

«Ich finde die Strafe schon etwas massiv für diesen Fusel.»Der Beschuldigte
vor dem Bezirksgericht

Auf die Frage des Richters, weshalb er das alles gemacht habe, wollte der Beschuldigte zuerst nicht eingehen. «Haben Sie versucht, damit Geld zu verdienen?», hakte der Richter nach. «Versucht, ja», sagte der Mann wortkarg. Zuvor hatte der Richter erwähnt, dass es um Mietschulden gegangen sei. Das Gebäude mitten im Tösstaler Dorf mietet der Mann bis heute.

Ob das Geschäft mit dem CBD-Hanf so schlecht lief, dass er mit illegalem Hanf Geld dazuverdienen musste, kam nicht zur Sprache. Allerdings ist der Verkaufpreis von CBD-Hanf in den letzten Jahren regelrecht eingebrochen. Auf Anfrage heisst es bei der Kantonspolizei: «2016 lag er bei etwa 5800 bis 6500 Franken pro Kilogramm, mittlerweile bewegen sich die Preise bei 1000 bis 1700 Franken für dieselbe Menge.» Dass dies zu finanziellen Problemen und dadurch in die Kriminalität führen kann, bezeugt ein Fall aus Horgen. Dort ersetzte ein junger Mann seine legalen Setzlinge ebenfalls durch illegale.

21 Monate Gefängnis

Zurück nach Winterthur: Insgesamt hatten sich Staatsanwaltschaft und der Beschuldigte auf eine bedingte Freiheitsstrafe von 21 Monaten geeinigt. Die maximale Strafe liegt bei drei Jahren Gefängnis. Die Probezeit beträgt dreieinhalb Jahre. Im Schlusswort fand der Mann die Strafe trotz Einigung «schon etwas massiv für diesen Fusel». Damit meinte er wohl, dass das beschlagnahmte Marihuana auch aus Blättern und Stängel und nicht allein aus konsumierbaren Blüten bestand.

Der Richter erinnerte ihn daran, dass er bereits drei Vorstrafen habe. Eine davon, ein Verkehrsdelikt, wurde durch den Anbau des illegalen Hanfs widerrufen. Heisst: Er muss nun die Geldstrafe in der Höhe von 450 Franken bezahlen. Dazu kommen die Gerichtskosten in der Höhe von insgesamt rund 25000 Franken. Diese setzen sich vor allem aus der Datensicherung der Polizei zusammen, die etwa Computer oder Handy nach weiteren Straftaten untersuchte.

Das Gericht folgte den Anträgen und verurteilte den Mann entsprechend. Der Richter begründete: «Wenn Sie ein bisschen erfolgreicher gewesen wären, hätten Sie an der Grenze zum gewerbsmässigen Handel gekratzt.»

Erstellt: 15.01.2020, 18:14 Uhr

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