Winterthur

«Die Abstimmung ist natürlich gültig»

In der Abstimmungszeitung zum Gestaltungsplan Werk 1 wurde massiv mit der ZHAW als Hauptnutzerin ­geworben – nun ist diese nicht mehr dabei. Dies sei ­unproblematisch, urteilt Baustadtrat Josef Lisibach (SVP).

Baustadtrat Josef Lisibach äussert sich zur Planänderung des Regierungsrats sehr zurückhaltend.

Baustadtrat Josef Lisibach äussert sich zur Planänderung des Regierungsrats sehr zurückhaltend. Bild: Madeleine Schoder

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Die ZHAW kommt nicht in die Lokstadt. Seit wann wissen Sie von dem Entscheid?
Josef Lisibach: Dass der Regierungsrat diesen Beschluss gefasst hat, habe ich auch erst jetzt erfahren. Es gab Gerüchte, dass es dazu kommen könnte, und diese hatte ich natürlich auch vernommen.

Wie ist Ihre Reaktion?
Ich bedaure den Entscheid. Der Bildungsstandort Winterthur und auch die Überbauung Lok­stadt stehen und fallen aber nicht mit diesem Beschluss. Der Kanton verzichtet zwar auf den Umzug des Departements Linguistik beim Roten Turm und des Rektorats in die Lokstadt. Er hält aber weiterhin am bereits laufenden Ausbau des Departements Gesundheit und der Architektur­abteilung auf dem Sulzer-Areal und insgesamt des Standorts Winterthur fest. Das freut mich.

Das tönt alles sehr positiv. Aber auf dem Areal Lokstadt gibt es nun mit einem Mal für einDrittel der Geschossfläche keine Verwendung mehr.
Das Projekt Lokstadt ist nicht gefährdet. Es handelt sich um eine moderne Überbauung an bester Lage, wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt. Ich bin sicher, dass der Entscheid die positive Entwicklung dieses Areals nicht beeinträchtigt.

Was ist, wenn man keinen ­neuen Nutzer findet? Es gibt ja schon viele leere Büros inWinterthur, im Sulzer-Hochhaus zum Beispiel und im Roten Turm.
Ich bin überzeugt, dass es überhaupt kein Problem sein wird, neue Nutzer zu finden. Wir sind die sechstgrösste Stadt der Schweiz, und dies ist ein hoch­attraktives Areal.

Wer soll der neue Nutzer sein? Hat die Stadt Bedarf?
Nein. Unsere Kontakte mit Implenia zeigen, dass es bereits ernsthafte Neuinteressenten für die Bau­felder gibt, die für die ZHAW vorgesehen waren.

Sie sagen also: Das Hochhaus kommt.
Das habe ich nicht gesagt. Ich bin überzeugt, dass eine gute Lösung gefunden wird. Ob es mit oder ohne Hochhaus ist, wird sich zeigen.

In der Abstimmungszeitung wurde der ZHAW-Einzug als ­Tatsache dargestellt. Das Wort ZHAW kommt 17-mal in der ­Zeitung vor. Wie beurteilen Sie dies im Nach­hinein?
Ich beurteile es gleich wie die ­frühere Vorlage zum Einkaufscenter Archhöfe beim Busbahnhof. Damals führte man den Abstimmungskampf mit dem Ar­gument Globus, und nach der ­Abstimmung wurde klar, dass Aldi einzieht.

Also muss ich als Stimmbürger immer davon ausgehen, dass nur die Hälfte wahr ist?
Nein, aber man muss zur Kenntnis nehmen, dass sich eine Strategie verändern kann. Das tat sie bei den Archhöfen und nun auch bei der Lokstadt.

Ist die Abstimmung nach diesen Falschaussagen überhaupt ­gültig?
Selbst­verständlich. Der Stadtrat hatte vor der Abstimmung keinerlei Anlass, daran zu zweifeln, dass die ZHAW einziehen wird. Die Abstimmungszeitung wurde nach bestem Wissen und Ge­wissen verfasst, und der Ge­staltungsplan lässt klar Spielraum für eine Entwicklung auch ohne die ZHAW.

Welche konkreten Zusagen ­hatten Sie denn vom Kanton?
Das Sulzer-Areal mit der Lok­stadt wurde in allen ­Planungen der ZHAW als neuer Hauptstandort geführt, unter anderem in der im Januar 2012 vom Kanton veröffentlichten Entwicklungsperspektive Hochschulstandort Winterthur und im kantonalen Richtplan. Im Dezember 2012 teilten die Regierungsräte Regine Aeppli und ­Markus Kägi an einerMedienkonferenz mit, dass der ZHAW-Teilstandort Sulzer-Areal am stärksten wachsen soll, mit Schwerpunkt im Werk 1, der heutigen Lokstadt. Es gab auch verschiedene Gespräche mit dem Kanton im Vorfeld der Abstimmung, an denen diese Standortstrategie bekräftigt wurde.

Offenbar gab es aber nichts Schriftliches, weder eine ­Absichtserklärung noch einen Vorvertrag. Hat der Stadtrat einen Fehler gemacht?
Nein. Der Kanton hat eine Neu­beurteilung vorgenommen und die Strategie angepasst.

Sie äussern sich sehr freundlich gegenüber dem Kanton. Sind Sie gar nicht verärgert?
Nein. Winterthur bleibt eine Bildungsstadt. Der Kanton investiert viel in Winterthur, gerade im Bereich der Bildung. Es werden hier bald noch mehr Studenten unterrichtet werden und es entstehen viele neue Arbeitsplätze.

(Landbote)

Erstellt: 30.11.2017, 20:59 Uhr

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