Makerday

Die Bibliothek als Raum für Macher

Weniger Bücher zum Ausleihen, mehr Maschinen zum Mitbenutzen. So könnte die Bibliothek der Zukunft aussehen. Am Makerday zeigten die Winterthurer ­Bibliotheken, wie und warum die Nutzer von dieser Entwicklung profitieren können.

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Wenn an einem Samstag die Stadtbibliothek noch besser besucht ist als sonst und wenn die Klanginstallation Makey Makey die Besucher mit experimentellem Sound empfängt: Dann ist Makerday. Bereits zum zweiten Mal fand der Event statt, bei dem das Experimentieren, Programmieren und Basteln im Vordergrund steht.

Optionen gab es viele: So konnten die Besucher etwa in Zusammenarbeit mit einer Farbschleuder Kunstwerke erzeugen oder sich in der Technorama-Erfinderwerkstatt selbst eine vollautomatische Zeichnungsmaschine basteln. Instruktoren halfen ­dabei den Besuchern beim Konstruieren mit Plastik­bechern, Filzstiften, Glace­stängeln und Minimotörchen. Es entstanden exakte Zirkel- und wilde Kribbelmaschinen.

3-D-Drucker und Robotik

Mit dem Makerday wollen die Winterthurer Bibliotheken auf ihr neustes Angebot aufmerksam machen: Makerspace – Raum für Macher. Im zweiten Stock der Stadtbibliothek kann man nämlich nicht mehr bloss Medien ausleihen und Arbeitsplätze belegen, sondern Geräte wie 3-D-Drucker und Schneideplotter benutzen und sich fortbilden in puncto digitale Medien, Programmieren und Robotik.

Viele Besucher pröbelten am Samstag herum und hörten den Erläuterungen des Bibliothekspersonals zu. An einem Tisch experimentierten Kinder mit Cubelets, programmierten Würfeln, die sich zu einer Art Modellroboter zusammenstecken lassen. Je nachdem, wie man sie zusammenfügt, bewegen sich die Würfelgebilde, geben Töne von sich oder leuchten. Eine einfache Art, sich spielerisch den Basics der Robotik anzunähern.

Lernen mit Marshmallows

Bei der Marshmallow-Challenge mussten Teams aus 20 Spaghetti, Malerabdeckband und Schnur ein Gerüst für ein Marshmallow bauen, das so hoch wie möglich positioniert sein sollte. Ein Gaudi mit Lerneffekt: Die Teilnehmer sollten lernen, dass Ausprobieren und sukzessives Überdenken des Ursprungsplanes unter Umständen erfolgreicher sein können als das fixe Festhalten an der Anfangsidee.

«Es gibt Studien, die zeigen: Kindergärtler schneiden bei der Marshmallow-Challenge viel besser ab als beispielsweise Manager», sagt Regula Hirter, die Teamleiterin des Makerspace und der Kopf hinter dem Makerday.

In Skandinavien bereits Alltag

Regula Hirter ist sichtlich zufrieden mit ihrem Projekt, und das rege Publikumsinteresse gibt ihr recht. Oft werde sie gefragt, ob die Stadtbibliothek der richtige Ort für einen Makerspace sei. Hirter ist überzeugt, dass es sogar zur Pflicht der Bibliotheken gehört: «In einer Demokratie sind Bibliotheken dazu da, Wissen für alle zugänglich zu machen. Und ohne digitale Kompetenzen kann man den heutigen Alltag nicht mehr bewältigen.» Dank der Digita­lisierung haben Bibliotheken ­Kapazität dafür: «Maschinen nehmen uns beim Katalogisieren oder in der Ausleihe sehr viele Aufgaben ab. So bleibt uns mehr Zeit für die Beratung.»

Die Bibliothek als Raum für Leseratten und Macher: In skandinavischen Ländern oder in den Niederlanden ist das schon verbreitet, in der Schweiz könnte sich der Makerspace auch durchsetzen. Die Winterthurer Bibliotheken nehmen dabei eine Vorreiterrolle ein.

Erstellt: 13.11.2016, 17:11 Uhr

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