Winterthur

Die Gastro-Szene macht sich chic

Auf dem Beizen-Platz in und um die Altstadt tut sich was. Im Restaurant Strauss steht eine Millionen-Renovation an, bei anderen Adressen wurde oder wird bald renoviert und umgebaut.

Das Restaurant im Casino Theater wurde umgebaut und umgetauft. Neu heisst es «Fredi».

Das Restaurant im Casino Theater wurde umgebaut und umgetauft. Neu heisst es «Fredi». Bild: Madeleine Schoder

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Von aussen und auch als Lokal macht das Restaurant Strauss an der Stadthausstrasse nach wie vor bella figura. Umso mehr hat das 13-Gaullt-Millau-Punkte-Restaurant dort eine Auffrischung nötig, wohin ein Gast sich höchstens einmal auf dem Weg zur Toilette verirrt: In Küche und Personalbereich.

«Reinholen werden wir die Kosten 
dafür nicht.»
Erich Dürig, Leiter Immobilien Stadt Winterthur zu den Kosten für die Renovation des Restaurant Strauss.

Als Besitzerin muss die Stadt nun zünftig in die Infrastruktur investieren. Lüftung und Küchenapparatur stammen aus den 1980ern, und im Personalbereich im ersten Stock teilen sich Frauen und Männer das WC noch, was nicht gesetzeskonform ist. Auch Garderoben und Duschen werden neu gemacht.

Asbest-Sanierung nötig

Im Dachstock knarrt es: Einige Balken müssen neu lasiert werden, andere sind morsch und werden ersetzt. Zudem steht eine kleinere Asbest-Sanierung an. 2,2 Millionen Franken kostet die Instandsetzung insgesamt, ein stattlicher Betrag. Zwar erziele der Strauss einen guten Umsatz. «Doch niemals soviel, als dass wir einen so hohen Betrag wieder reinholen würden», sagt Erich Dürig, Bereichsleiter Immobilien der Stadt.

Bei den sechs anderen Restaurants der Stadt – darunter der Mexikaner Tres Amigos, das Gasthaus Schlosshalde bei der Mörsburg oder das Restaurant Goldenberg – verhalte es sich ähnlich. Sie sind kostendeckend, doch fallen grössere Investitionen an, muss man sie abschreiben. Insofern, so Dürig, sei ihr Betrieb auch als «Beitrag der Stadt an die lokale Gastrokultur» zu sehen. Der Strauss bleibt zwischen dem 24. August und dem 3. November geschlossen, was die Belegschaft freuen dürfte. An die gut zweimonatige Pause müssen sie zwar ihre Ferien herangeben, der Rest aber ist bezahlter Urlaub.

Vieles neu, sogar der Teig

Anders in der Pizzeria-Kette Molino an der Marktgasse, wo bereits umgebaut wird. Dessen Angestellte wurde auf die Filialen im Raum Zürich verteilt. «Das Team bleibt gleich, wir mussten niemanden entlassen», sagt Daniel Reimann, der Geschäftsführer der Ospena Group AG, entsprechend stolz. Anders als im Strauss wird im Molino nicht nur die Infrastruktur modernisiert, sondern auch das Interieur nach dem neuen Konzept angepasst: «Frischer und chicer» werde es, «und einen Schritt weg vom tricolore». Die Wandmalereien verschwinden fast ganz, auf einem Terrazo-Boden strahlt die Bar in hellem Marmor und in einem Glaskasten sieht man Teig-Laibe, die dort während zwei Tage aufgehen. «Damit werden sie bekömmlicher», verspricht Reimann. Nach über drei Monaten Bauzeit eröffnet das Molino am 25. Oktober wieder.

Bald neue Pächter im Kreuz

Bald anfangen soll der Umbau im Restaurant Kreuz zur Taverne beim Merkurplatz, schräg gegenüber vom Restaurant Strauss. Dort briet Ueli Hack (heute Bistro Max) lange Jahre seine berühmten Grossstadtschnitzel, und den letzten Winter überbrückte man mit einem Mittelalter-Tafel-Popup für «hartgesottene Ritterhelden mit oder ohne holde Edeldamen». Seither steht es leer. Bis Ende August werde man entscheiden, wer das Kreuz neu pachtet, kündigt der Winterthurer Gastro-Unternehmer und Architekt Giovanni Cerfeda an. Je nach Restaurant-Konzept passe man auch den Umbau etwas an. Der Riegelbau mit Baujahr 1669 steht unter Denkmalschutz. Lediglich der Schopf würde umgebaut und sich neu über eine neue Glasfassade zum Platz hin öffnen. Beim Brand des Tauschhauses nebenan vor einem Jahr war das Feuer auch auf den Anbau übergegangen (siehe Bild). Ende Jahr, so Cerfeda, könnte das Kreuz neu eröffnen.

Willkommen im «Fredi»

Nach einem kleineren Umbau werden die Gäste Im Restaurant des Casino-Theaters nach einem zweiwöchigen Umbau schon wieder bedient. Über Crowdfunding waren 55000 zusammengekommen. Das Restaurant heisst neu «Fredi», wirkt etwas weniger nach Theater-Lounge, sondern kühler, aber klar moderner als zuvor: Die samtene orange-rote Polsterung ist schwarzem Leder gewichen, die opulenten Lampen, schlanken, zylinderförmigen Wandleuchten im Chromgestell, die crèmefarbenen Wände einem hellen-graublau. Vor Ort lässt das Personal durchblicken: In Ordnung, aber noch etwas gewöhnungsbedürftig. Ein etwas wärmerer mediterraner Türkis-Stich wäre ihnen lieber gewesen.

Erstellt: 05.08.2019, 17:32 Uhr

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