Sieger und Verlierer

Die Linke jubelt und vergiesst Freudentränen

Drei Sitzgewinne für die SP und einer für die Grünen: Die klassischen linken Parteien sind die Sieger dieser Wahlen. Christoph Baumann, Co-Präsident der SP, verspricht eine vorwärtsgerichtete Politik ohne Luftschlösser.

Winterthur hat wieder eine linke Stadtratsmehrheit: In der Alten Kaserne feierten       die Bisherigen Jürg Altwegg (rechts), Yvonne Beutler (Mitte), Nicolas Galladé (Mitte) sowie die frisch gewählte Christa Meier (Dritte von rechts) unter anderem mit den Ehemaligen Pearl Pedergnana (Zweite von links) und Ernst Wohlwend (Dritter       von links). Bei Christoph Baumann (links) und Mattea Meier (Zweite von rechts) waren die Freudentränen bereits getrocknet.

Winterthur hat wieder eine linke Stadtratsmehrheit: In der Alten Kaserne feierten die Bisherigen Jürg Altwegg (rechts), Yvonne Beutler (Mitte), Nicolas Galladé (Mitte) sowie die frisch gewählte Christa Meier (Dritte von rechts) unter anderem mit den Ehemaligen Pearl Pedergnana (Zweite von links) und Ernst Wohlwend (Dritter von links). Bei Christoph Baumann (links) und Mattea Meier (Zweite von rechts) waren die Freudentränen bereits getrocknet. Bild: Enzo Lopardo

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Und da kullerten sie, die Freudentränen. Sie sei überwältigt, sagte Mattea Meyer, Co-Präsidentin der SP, nach Bekanntgabe der Wahlresultate. Und sie war mit ihrem Gefühl ebenso wenig allein wie mit den feuchten Wangen. Auch bei ihrem Co-Präsidenten Christoph Baumann flossen Tränen – Gleichheit der Geschlechter, Auflösung klassischer Rollenbilder, die SP lebte es vor.

Kein Wunder: Der Wahlausgang hatte alles von einem Comeback, ja von einer grossen Re­vanche. Vor vier Jahren luchste die SVP der SP einen Stadtratssitz ab und rückte ihr auch im Parlament auf die Pelle. Nun das umgedrehte Szenario: Die SP holt sich den Sitz zurück und im Gemeinderat mit drei Sitzgewinnen einen grossen Vorsprung.

Baumann schrieb den Erfolg, der alle überraschte, der Parteiarbeit zu. «Wir haben Tausende Gespräche geführt, unsere Politik erklärt, das hat sich ausgezahlt.» Einen No-Billag-Effekt schloss er zwar nicht aus – «aber wir haben unsere Wähler auch selber gut mobilisiert». Zum noch offenen Rennen ums Stadtratspräsidium gab sich Baumann wortkarg. Wie aber wird die SP ihren wieder­gewonnenen Einfluss ausspielen? «Wir werden eine Politik machen, die Prozessen Ergebnisse folgen lässt», sagte Bauman. Es werde keine Luftschlösser geben wie einen Abriss des Stadttheaters oder einen Landverkauf an eine undurchsichtige Firma. Und natürlich: Die Parkplatzverordnung müsse verbessert werden – «ein schwieriges Thema».

Aquifer wiederbeleben

Die Parkplatzverordnung zu ändern, steht auch bei den Grünen oben auf der Agenda, so Co-Präsidentin Renate Dürr. Zudem wollen diese das auf Eis gelegte Projekt Aquifer für einen Wärme­verbund im Neuwiesenquartier wiederbeleben. Im Parlament herrsche jetzt ein Kräftegleich­gewicht, vor allem aber habe der Stadtrat wieder eine linke Überzahl – das erleichtere es, grüne Anliegen durchzusetzen. Über das eigene Resultat – einen Sitz haben die Grünen zugelegt – ist Dürr sehr glücklich. «Ich kann es noch immer fast nicht glauben.»

Etwas nüchterner fiel die Bilanz bei den Grünliberalen aus. Parteipräsident Beat Meier hielt als positiv fest, die GLP sei die einzige Partei, die seit 2006 nie verloren habe. Und er freute sich über den Einzug der GLP in den Zürcher Stadtrat, in Winterthur hatte es einmal mehr nicht gereicht.

Die Entwicklung der Wähleranteile von 1982 bis 2018. Quelle Stadt Winterthur, Grafik da

Ebenfalls ein stabiles Resultat hatte die EVP zu verzeichnen, sie behielt mit vier Stimmen die Fraktionsstärke. «Wir können ausschnaufen», sagte Parteipräsidentin Barbara Günthard Fitze. Den Wechsel im Stadtrat wertet die EVP, die oft mit SP und Grünen stimmt, als Erfolg. Das Rennen um das Stadtpräsidium werde nun spannend, sagte Günthard; sie machte auch einen Nominationsvorschlag. «Wir finden, eigentlich müsste Yvonne Beutler jetzt für die SP antreten.»

Zu den Siegern auf der bürger­lichen Seite zählt die FDP, die erstmals seit geraumer Zeit wieder einen Sitz dazugewinnen konnte. Er sei «zufrieden und erfreut», sagte Partei­präsident Dieter Kläy, der sich den Zugewinn mit drei Faktoren erklärt. Erstens habe die Fraktion in den vergangenen vier Jahren engagiert politisiert, zweitens hätten sich die zwei neu gewählten Frauen Carola Etter-Gick und Romana Heuberger im Wahlkampf voll ins Zeug gelegt. Und: «Unsere neue Strategie, stärker auf die Quartiere zu setzen, hat sich bewährt.» Die FDP hatte in den Stadtkreisen unterschiedliche Kandidaten plakatieren lassen, nämlich jeweils die Kandi­daten aus diesen Quartieren.

Partei des Stapi geschwächt

Enttäuscht ist man dagegen bei der CVP. Die Partei verlor, gemessen am Resultat von vor vier Jahren, einen von vier Sitzen. «Wir wollten etwas anderes, wir wollten fünf Sitze», sagte Präsident Andreas Geering, «wir haben das Ziel verfehlt.» Da Gemeinderat Franco Albanese während der zu Ende gehenden Legislatur von der CVP zur SVP wechselte, bleibt es für die Partei des Stadtpräsidenten faktisch beim Status quo mit drei Sitzen. Er gehe von einer Fortführung der Fraktion mit EDU-Politiker Zeno Dähler aus, sagte Geering. Damit würde man Fraktionsstärke behalten, also weiterhin Einsitz in den Kommissionen nehmen können.

Auf die Kappe bekommen hat derweil die SVP, wie es ihr Fraktionspräsident Daniel Oswald ausdrückte. Er führte die Sitzverluste auch auf zu wenig Einsatz zurück. (Landbote)

Erstellt: 05.03.2018, 09:09 Uhr

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