Dokfilm

Ein Abend für den Antihelden Guz

Im Kino Cameo erinnerten sich Fans und Wegbegleiter an den im Januar verstorbenen Sänger der Band Aeronauten, Olifr M. Guz. Es war ein Schwelgen in vergangenen Zeiten.

Die Aeronauten spielten oft auf Winterthurer Bühnen. Wie hier im Albani im November 2010.

Die Aeronauten spielten oft auf Winterthurer Bühnen. Wie hier im Albani im November 2010. Bild: Heinz Diener

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«In diesem Tal, in diesem Idiotental.» Diese Songzeile spendet dem Winterthurer Musiker und Songwriter Andrew Wolfensberger immer noch Trost. Die Zeile stammt von Olifr Maurmann, alias Guz, der am 19. Januar verstarb. Bevor am Mittwoch im Cameo der Film «Die Aeronauten 16:9 – Die ersten 25 Jahre» startet, erinnert sich Wolfensberger in einer Einführung an den Schaffhauser Sänger und Songwriter der Band Aeronauten.

Er sei zwar als dessen Wegbegleiter angekündigt worden, sagt Wolfensberger im fast ausverkauften Saal. Doch das sei eine Übertreibung. «Mein Impact auf ihn war gering. Umgekehrt hat Olifr mich sehr beeinflusst.» Wolfensberger outet sich als «grosser Fan seiner Kunst». Er schwärmt von Guz’ Texten, die immer irgendwie passend sind, und dem «herrlichen Groove und den unknackigen Bläsersätzen» der Aeronauten.

Duschen fand er doof

Als Musiker war Wolfensberger Guz, der oft auch solo auftrat, allerdings nah. Mit der Band «Transmartha» nahm er 2007 in dessen Startrackstudios eine Platte auf, spielte in Guz’ Begleitband «Averells» und an seiner Seite in der Begleitband von Admiral James T.. Gemeinsam waren sie auf Europatournee. Und: Als Radio-Stadtfilter-Moderator machte Wolfensberger keine Sendung ohne mindestens einen Titel von Guz. In seiner Einführung plaudert er auch aus dem Nähkästchen über das Leben auf Tournee. «Guz schnarchte wie ein Weltmeister und duschen fand er doof – er nahm lieber ein Bad.»

Den Menschen Olifr Maurmann lernt das Publikum im Dokfilm von Bassist Hipp Mathis kennen. Der Film ist ein Rückblick auf 25 Jahre Jugend- und Musikkultur. Das Porträt einer Band, die alle verehrten, und die eigentlich den Durchbruch hätte schaffen müssen. Richtig berühmt wurden die Aeronauten aber nicht, trotz besten Kontakten nach Hamburg, wo Bands wie «Tocotronic» oder «Die Goldenen Zitronen» gerade durchstarteten. Sie alle kommen im Film zu Wort und verweisen auf Lieblingslieder wie «Freundin» oder Lieblingsalben wie «Hier».

«Wer übt, kann nix.»

Olifr Maurmann reflektiert seine Musik im Film immer wieder schonungslos: «Vielleicht sind wir zu wenig im Übungsraum.» Doch die Haltung der Band war offenbar: «Wer übt, kann nix.» Der Sound war denn auch das Markenzeichen der Aeronauten. «Wir haben darauf geachtet, dass es nicht fett klingt. Keine Effekte, keinen Hall.» Die Band strich ihre Provinzialität heraus und pflegte den Anti-Status in den grandiosen Texten.

Er sei manchmal neidisch auf Gläubige, sagt Olifr Maurmann in einem Interview, auf solche, die sich voll einer Sache verschreiben. Er selber hätte gerne zu einer Avantgarde gehört, aber das sei nicht gegangen. «Jedesmal frage ich mich: Und dann?» Deshalb faszinierten ihn wohl auch Verschwörungstheoretiker oder Ufo-Gläubige. Er versetzte sich gerne in Verrückte am Rande der Gesellschaft hinein.

Lustig sind auch die Szenen, in denen die Band am Tisch sitzt und über ihre Geschichte und ihre Musik spricht. «Eklektizismus in bester Form», konstatiert da Hipp Mathis. Olifr Maurmann entgegnet: «Was ist das schon wieder?» Es ist der ironische Bruch, der den Reiz der Band ausmacht. Wie zum Beispiel, wenn die Songzeile «Sensibel, sensibel, ich bin so sensibel» in Punkmanier herausgeschrien wird.

Nach dem Film spielt D-Jane Seeräuber Jenny Guz-Stücke in der Cameo-Bar. Es blieb also noch Zeit zum Weiterschwelgen und sich zu erinnern: An das letzte Konzert, das man vielleicht im Widder oder im Albani erlebt hat, oder die treffend getexteten Songs, die zum Soundtrack des eigenen Lebens gehörten.

Erstellt: 13.02.2020, 15:39 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles