Wirtschaft

Ein Label für faire Firmen

Die «Gemeinwohl-Ökonomie»-Bewegung findet auch in Winterthur immer mehr Unterstützer. Maler Jürg Wülser erklärt, warum er seine Firma zertifizieren liess.

Die Malerei Wülser & Partner ist seit 2013 mit dem Label «Gemeinwohl-Ökonomie» zertifiziert. «Es ist ein Bekenntnis zu gewissen Werten», sagt Geschäftsführer Jürg Wülser.

Die Malerei Wülser & Partner ist seit 2013 mit dem Label «Gemeinwohl-Ökonomie» zertifiziert. «Es ist ein Bekenntnis zu gewissen Werten», sagt Geschäftsführer Jürg Wülser. Bild: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Was 2008 in Wien erfunden wurde, wächst langsam zu einem weltweiten Netzwerk: Die «Gemeinwohl-Ökonomie»-Bewegung zertifiziert Firmen, die nachhaltig wirtschaften. Berücksichtigt werden nicht nur der Umweltschutz, sondern auch faire Anstellungsbedingungen bei Mitarbeitern und Zulieferern. Über 2300 Firmen machen mit. Eine davon ist die Malerei Wülser & Partner im Hölderli. Der Geschäftsleiter Jürg Wülser ist seit 2013 dabei, das «Gemeinwohl-Ökonomie»-Label prangt ganz oben auf seiner Firmenwebsite. «Für mich ist es eine Herzensangelegenheit», sagt der 45-Jährige. «Es ist ein Bekenntnis zu gewissen Werten.» Viel ändern musste er für die Zertifizierung nicht. Als Baubiologe habe er schon vor der Zertifizierung auf ökologische Farben geachtet und möglichst bei Schweizer Firmen eingekauft, die er kennt.

«Eine Standortbestimmung»

Um zertifiziert zu werden, galt es rund 20 Themenschwerpunkte zu bearbeiten. «Es ist eine umfassende Standortbestimmung», sagt Jürg Wülser. Rund 70 Stunden habe er aufgewendet, sich in einer Arbeitsgruppe mit anderen Firmen mehrfach getroffen und anschliessend einen Bericht verfasst, der dann von Experten geprüft wurde.

«Viele Kunden geben einen Auftrag lieber an ein Unternehmen, bei dem sie wissen, dass die Mitarbeiter menschlich behandelt werden.»Jürg Wülser

In allen Punkten zu glänzen, sei nicht möglich, sagt Wülser. «Wir können als kleine Firma zum Beispiel keine Kantine anbieten. Und auch auf Fahrzeuge können wir als Malerbetrieb nicht verzichten.» Doch bei den Anstellungsbedingungen liege einiges drin. So seien von seinen 26 Angestellten (davon vier Lernende) rund die Hälfte Frauen. Teilzeitarbeit ist möglich, auch für Männer. Und die Löhne seien fair.

Fairness als Verkaufsargument

Viele Punkte sind nicht in Zahlen fassbar - zum Beispiel Vertrauen, Wertschätzung oder Mitbestimmung. Doch die Zertifizierung helfe ihm als Chef zu sehen, wo es noch Handlungsbedarf gibt. Und auch gegen Aussen sei sie ein wichtiges Zeichen. «Viele Kunden geben einen Auftrag lieber an ein Unternehmen, bei dem sie wissen, dass die Mitarbeiter menschlich behandelt werden.» Das sei leider in der Branche nicht überall der Fall – der Preiskampf werde härter.

Gerne würde Wülser darum das Label noch bekannter machen und mehr Firmen aller Branchen davon überzeugen, sich anzuschliessen. «Schön wäre es auch, wenn auch die öffentliche Hand bei der Vergabe von Aufträgen vermehrt darauf achten würde.»

Fünf Jahre nach der ersten Zertifizierung hat Jürg Wülser dieses Jahr seine Firma nochmals durchleuchtet. Und fünf weitere Winterthurer Firmen machten mit: die Elektrikergenossenschaft Ego, Arbatherm, das Ingenieurbüro Sotronik, das Architekturbüro Arba-Bioplan und Holz am Bau. Sie machen mit am Fest «Wertewandel in Winterthurs Wirtschaft» in der Gemeinschaft Hard diesen Samstag, 16. Juni. Jürg Wülser sitzt auf dem Podium mit Stadträtin Yvonne Beutler, Standortförderer Michael Domeisen, KMU-Verbandspräsident Christof Hasler und Ralf Nacke von Gemeinwohl-Ökonomie Schweiz. (Landbote)

Erstellt: 13.06.2018, 11:15 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Paid Post

Schneller lesen und mehr verstehen

Erhöhen Sie mit Speed Reading Ihre Lesegeschwindigkeit innerhalb eines Tages zwei- bis fünfmal und verbessern Sie damit Ihr Textverständnis.

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben