Bezirksgericht

Ein krasser Fall von Tierquälerei

Er hielt seine Schlangen, Bartagamen und Geckos ohne Nahrung, Wasser oder Wärmelampen. Das Bezirksgericht Winterthur verurteilte einen 34-Jährigen gestern wegen mehrfacher Tierquälerei.

Die Haltung von Reptilien wie Bartagamen ist sehr anspruchsvoll und  kostenintensiv. Daher gibt es oft Fälle von schlechter Haltung.

Die Haltung von Reptilien wie Bartagamen ist sehr anspruchsvoll und kostenintensiv. Daher gibt es oft Fälle von schlechter Haltung. Bild: pixabay

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Als die Polizei in die Wohnung eindrang, traf sie dort ein «himmeltrauriges Gesamtbild» an. In verschiedenen Terrarien fanden die Beamten vier Madagaskar-Boas, zwei Bartagamen und zwei Leopardengeckos sowie Tausendfüssler, Skorpione und Vogelspinnen.

Die Tiere waren in erbärmlichem Zustand, teils abgemagert, mehrere davon tot. Gestern musste sich der in ­Winterthur wohnhafte Reptilienhalter vor Bezirksgericht verantworten.

Ohne Nahrung und Wasser

Die vier Schlangen und je zwei Bartagamen und Leopardengeckos waren allesamt ohne Wasser, Nahrung, Beleuchtung, Wärmelampen und Versteckmöglichkeiten untergebracht. Die zu kleinen Terrarien waren teilweise mit Kot- und Häutungsresten verschmutzt.

«Ich weiss nicht, was passiert wäre ohne die Kontrolle. Ich war auf eine Art froh, dass es so weit kam.»

In zwei Käfigen bestand der Untergrund aus scharfkantigem Lavagestein, was eine hohe Verletzungsgefahr darstellte. Der Zustand der weiteren Tiere, die zum Teil tot aufgefunden wurden, waren nicht Gegenstand der Verhandlung, weil das Tierschutzgesetz für Spinnenarten, etwa Vogelspinnen, und niedrigere Tiere nicht gilt.

«Ich war überfordert»

Der Angeklagte, der sich selber verteidigte, stritt die schlechte Haltung der Tiere zwar nicht ab, versuchte sich aber immer wieder in Schuldzuweisungen an Dritte zu flüchten.

Etwa, dass er bereits ein Jahr zuvor beim Veterinäramt um Hilfe gebeten habe, von diesem aber abgewimmelt wurde, dass die Tiere nicht ihm, sondern einem Kollegen gehören würden, der einfach untergetaucht war, dass ein anderer Kollege seine Terrarien in der vorgeschriebenen Grösse und die Heizungen dazu kaputt gemacht habe, als er kurz in den Ferien war, oder dass er schlicht keine Zeit gehabt habe, den Tieren Wasser zu geben, weil seine Frau damals schwanger gewesen sei.

«Weil Reptilien ihr Leiden kaum ausdrücken, wird dieses leider oft zu spät bemerkt»

Schlussendlich gab der 34-Jährige aber doch zu, dass er einfach überfordert gewesen sei: «Ich weiss nicht, was passiert wäre ohne die Kontrolle. Ich war auf eine Art froh, dass es so weit kam.» Es hätte sein können, dass sonst alle Tiere verendet wären.

Als weiteres Delikt kam eine Autofahrt ohne gültigen Fahrausweis dazu, der ihm für einen ­Monat entzogen worden war. Der Richter hielt dem Mann sein Geständnis und seine Einsicht zugute und milderte die Strafe von 300 auf 270 Tagessätze à 30 Franken (8100 Franken) ab.

Die Geldstrafe muss er nur bezahlen, wenn er sich in den nächsten drei Jahren, also in der Probezeit, etwas zuschulden kommen lässt. Hinzu kommen eine Busse von 1500 Franken und die Gerichtskosten.

Das Veterinäramt hat die noch lebenden Tiere mittlerweile neu platziert. Gegen den Verurteilten wurde ein unbefristetes Tierhalteverbot ausgesprochen.

Ein grassierendes Problem

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Tierhaltung schweizweit. Die Exotenhaltung habe in den letzten Jahren zugenommen, konstatiert etwa Nadja Brodmann, Geschäftsleiterin des Zürcher Tierschutzes. Es gebe unterdessen viele Reptilienbörsen, an denen die Tiere teilweise zu Spottpreisen verhökert werden.

Die Reptilienhaltung sei aber sehr anspruchsvoll, von Art zu Art verschieden und auch kostenintensiv, dadurch gebe es oft Fälle von schlechter Haltung. «Und da die Tiere ihr Leiden kaum ausdrücken, wird dies leider oft erst bemerkt, wenn es schon zu spät ist.» Viele Reptilienarten werden zudem sehr alt und wachsen ein Leben lang. «Etwa bei Boas müssen dann auch immer grössere Terrarien angeschafft werden», sagt Brodmann.

Der gestern verhandelte Gerichtsfall in Winterthur ist ein krasser Fall von Tierquälerei. Zum Vergleich: Letztes Jahr wurden in der Schweiz nur in 27 Fällen höhere Strafen als 2500 Franken ausgesprochen.

(Der Landbote)

Erstellt: 10.08.2018, 10:11 Uhr

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