Winterthur

Eine Familienfirma kauft das Zentrum Töss

Die Schlosshof Immobilien AG, die zur Erb-Konkursmasse gehörte, ist verkauft. Um die neuen Besitzer und den Kaufpreis wird ein Geheimnis gemacht. Vom Deal profitieren dürfte Christian Erb.

Eine Schweizer Immobilienfirma hat das Zentrum Töss gekauft.

Eine Schweizer Immobilienfirma hat das Zentrum Töss gekauft. Bild: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Schlosshof Immobilien AG, der das Zentrum Töss sowie rund 100 Wohnungen in Winterthur und Seuzach gehören, ist in neuen Händen. Wie das Konkursamt Thurgau gestern bekannt gab, ist der Verkauf der Firma und ihrer Immobilien an den «Interessenten mit dem besten Angebot» erfolgt. Das Geld aus dem Verkauf fliesst an die Gläubiger.

Verschwiegene Käufer

Wer der Käufer ist, und wie viel Geld geflossen ist, bleibt geheim. «Über die Details des Verkaufs haben die Parteien Stillschweigen vereinbart», schreibt das Konkursamt. Nur so viel: Es handle sich um eine «Familien-Immobiliengesellschaft, welche zu 100 Prozent in Schweizer Besitz ist». Bekannt ist auch, dass der Zürcher Rechtsanwalt Livio Zanetti als Besitzer-Vertreter in den Verwaltungsrat einzieht. Für die Bewirtschaftung der Immobilien wird weiterhin die Winterthurer Firma Vicina zuständig sein.

Für die Mieter und Benutzer des Zentrums Töss soll sich zunächst nicht viel ändern. Es gebe keine konkreten Umbaupläne, sagt Martin Wenk vom Konkursamt Frauenfeld. Die neuen Besitzer seien sich «der besonderen Bedeutung des Zentrums Töss bewusst». Sie seien an Kontinuität und einer langfristigen Investition interessiert, nicht an einem kurzfristigen Spekulationsobjekt. Das bestätigt auch Zanetti selbst, der Mandate mehrerer Immobilienfirmen hat und Teilhaber einer eigenen kleinen Immobilienfirma ist. Diese sei jedenfalls nicht die Käuferin, sagt er.

Wie der Erb-Bruder profitiert

Im Verwaltungsrat der Schlosshof Immobilien hat Zanetti den Stichentscheid. Christian Erb, der jüngere Bruder des wegen Betrugs und Urkundenfälschung verurteilten Rolf Erb, behält seinen Verwaltungsratssitz, allerdings ohne Beteiligung oder Rechte. Das Nutzniessungs-Recht auf den Aktien hat er abgetreten, höchstwahrscheinlich liess er sich auszahlen. Auch hier will niemand Details sagen. «Man hat sich gefunden», sagt Zanetti.

Da Christian Erb ohne Einigung Anrecht auf die Hälfte der Dividenden gehabt hätte, dürfte er für seinen Verzicht mehrere Hunderttausend Franken oder gar einen Millionenbetrag gefordert haben. Als Verwaltungsrat bezieht Erb zudem weiterhin ein Honorar. Auch dessen Höhe ist unbekannt, lässt sich aber schätzen. Sein Bruder Rolf Erb hatte sich, laut Obergerichtsurteil, bis 2016 jährlich 75 000 Franken ausbezahlt. Christian Erb wollte sich gestern nicht nicht äussern.

Die Villa ist verkaufsbereit

Unabhängig vom Verkauf der Schlosshof Immobilien AG wurde der Verkauf der Villa Wolfensberg aufgegleist, dem ehemaligen Wohnhaus der Erbs. Die Vorbereitungen seien abgeschlossen, ein Maklerunternehmen habe den Auftrag erhalten, die Villa zu verkaufen, heisst es vom Konkursamt Thurgau. Weil das Haus nicht denkmalgeschützt ist, kann es prinzipiell abgerissen und durch einen bis zu 30 Prozent grösseren Bau ersetzt werden.

Pleitier erlebte Verkauf nicht mehr

Rolf Erb erlebt den Verkauf seiner Immobilien nicht mehr. Er wurde am 8. April tot in Schloss Eugensberg aufgefunden. Der 65-Jährige entging so seiner siebenjährigen Freiheitsstrafe, die er kurz darauf hätte antreten sollen. Gemäss Angaben der Staatsanwaltschaft Thurgau starb er eines natürlichen Todes.

Auch das Schloss Eugensberg wird derzeit verkauft. Bereits unter den Hammer kam die Oldtimer-Sammlung. Rolf Erb, der letzte Konzernchef der Erb-Gruppe, hatte stets alle Vorwürfe abgestritten und die Schuld an der Pleite seinem verstorbenen Vater Hugo zugeschoben.

2003 ging der Erb-Konzern Konkurs. Es entstand ein Schaden in Milliardenhöhe. Nach dem Swissair-Konkurs gilt dies als die zweitgrösste Firmenpleite der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. (Michael Graf)

Erstellt: 27.09.2017, 16:35 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Paid Post

Soforthilfe für Smartphones

Ob Displaybruch, defekte Kamera oder Wasserschaden – Wintek Swiss hat meist eine Lösung.

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben