Bezirksgericht

Er filmte nackte Knaben im Freibad

Zweimal schon wurde ein Pädophiler aus dem Raum Winterthur wegen Pornografie verurteilt. Gestern hatte das Gericht genug: Es verhängte eine Gefängnisstrafe von 32 Monaten.

Das Bezirksgericht Winterthur verurteilte einen Pädophilen zu einer Gefängnisstrafe.

Das Bezirksgericht Winterthur verurteilte einen Pädophilen zu einer Gefängnisstrafe. Bild: mad

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Der 54-Jährige betrieb einen grossen Aufwand, um bei seinen Versuchen, nackte Knaben zu filmen, unentdeckt zu bleiben. Er installierte zum Beispiel eine Kamera an einem «Poschti-Wägeli», mit dem Ziel, dieses in eine «interessante Richtung ausrichten», wie er es gestern vor dem Winterthurer Bezirksgericht beschrieb.

So geschehen war das 2013 in der Innerschweiz. Allerdings scheiterte der Versuch damals, weil die Kamera auf dem Weg vom Parkplatz zum FKK-Strandbad beschädigt wurde.

«Dass sein Verhalten illegal war, ist ihm egal.»Der Staatsanwalt

Der Beschuldigte versuchte es in den Jahren 2017 und 2018 wieder, und zwar in Österreich. Dieses Mal baute er die Kamera im doppelten Boden eines Rollkoffers ein, wobei er ein Plexiglasfenster installierte. Und das funktionierte.

Die Polizei stellte später fünfzig Stunden Videomaterial bei ihm sicher. Bewegte Bilder, die alle nackte Knaben und deren Genitalien zeigen, alles andere hatte er aus den Filmen herausgeschnitten.

Ein Wiederholungstäter

Vor Bezirksgericht musste sich der in der Region Winterthur wohnhafte Schweizer gestern wegen Pornografie und teilweise versuchter Pornografie verantworten. Aufgeflogen war er aber nicht bei einer seiner Filmer-Aktionen, sondern im Rahmen einer nationalen Fahndung gegen Pädophilie.

Zweimal schon hatte die Polizei beim Beschuldigten pornografisches Material beschlagnahmt, wobei er mit einer bedingten Haftstrafe und Geldstrafen davonkam. 2018 führte sie eine dritte Hausdurchsuchung durch und stellte seine eigenen Aufnahmen und weiteres strafbares Material sicher.

Insgesamt hatte er 63 000 Filme und über 3,8 Millionen Bilder auf seinen Computer geladen. Kaum war die Polizei jeweils weg, beschaffte er sich das Material neu. «Ich bin pädophil und handelte wie ein Süchtiger», sagte er vor Gericht. Er war in allen Punkten geständig, zeigte aber keinerlei Emotionen oder Reue.

«Geben Sie ihm eine letzte Chance.»Der Verteidiger zum Richter.

Der Staatsanwalt strich denn auch gerade diese Gleichgültigkeit heraus. Trotz zwei Vorstrafen wegen Pornografie habe der Beschuldigte nichts an seinem Verhalten geändert. «Er scheint völlig strafunempfindlich zu sein. Dass sein Verhalten illegal war, ist ihm egal.» Gemäss einem psychiatrischen Gutachten, das beim Beschuldigten eine Pädophilie und eine schizoide Persönlichkeit feststellt, ist dieser voll schuldfähig.

Der Staatsanwalt forderte neben einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten eine ambulante Behandlung, entweder während der Freiheitsstrafe oder mit Aufschub des Vollzuges derselben. Zur Behandlung gehören würden eine medikamentöse Senkung des Testosteronspiegels sowie eine Psychotherapie. Allerdings sind die Chancen auf Erfolg eher gering, laut Gutachten ist das Rückfallrisiko so um maximal ein Drittel zu verringern.

Verwerflich, nicht strafbar

Der Verteidiger hingegen fand, für die Vergehen seines Mandanten sei eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten angemessen. Er argumentierte, dass die Bildaufnahmen aus den FKK-Badeanstalten zwar verwerflich, jedoch nicht strafbar seien. Der Beschuldigte habe die Knaben weder extra positioniert, noch sexuell aufreizend dargestellt. Sie hätten zudem nichts von seinem Tun mitbekommen.

Er forderte den Richter auf, die Freiheitsstrafe zugunsten der ambulanten Behandlung aufzuschieben. Sein Mandant habe ein intaktes Umfeld und einen Job. Beides würde er voraussichtlich verlieren, wenn er die Strafe absitzen müsste. Der Beschuldigte bestätigte dies. Er würde nur wieder «auf Ideen» kommen, wenn er zu viel Zeit hätte, sagte er. Der Verteidiger forderte eine «letzte Chance» für seinen Mandanten, der sich ja bisher an keinem Kind direkt vergriffen habe.

Das Gericht indes folgte in seinem Urteil mehrheitlich der Staatsanwaltschaft. Es sprach den Mann wegen mehrfacher Pornografie und teilweise versuchter Pornografie schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten und einer ambulanten Behandlung. Die Bildaufnahmen in der Badeanstalt seien grundsätzlich ein Grenzfall. Der Beschuldigte habe aber die Grenze klar überschritten. Er habe gewusst, dass sein Vorgehen nicht gebilligt würde und habe sich deshalb getarnt.

Zudem habe er das Material in eindeutiger Weise bearbeitet. Die enorme Datenmenge, die bei dem Mann gefunden wurde, zeige, dass er durchschnittlich zehn Mal pro Tag pornografisches Material gespeichert habe. Um die Freiheitsstrafe aufzuschieben, brauche das Gericht schliesslich bessere Erfolgsaussichten, als sie das Gutachten voraussage, befand das Gericht.

Erstellt: 15.08.2019, 17:27 Uhr

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