Winterthur

Er nahm die eigene Frau aus und betrog Käufer im Internet

Ein Betrüger muss sechs Monate ins Gefängnis.

Das Bezirksgericht Winterthur behandelte gestern einen Fall von schwerem Betrug.

Das Bezirksgericht Winterthur behandelte gestern einen Fall von schwerem Betrug. Bild: mad

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Er habe 60'000 Franken Schulden aus dem Drogenhandel gehabt, sagte der Beschuldigte, ein Schweizer IV-Rentner. «Sie haben meine Familie bedroht, ich musste zahlen.» Die Delikte habe er nur begangen, um diese Schulden abzustottern.

Auf diese Version des Falles gingen die drei Richterinnen beim gestrigen Prozess am Winterthurer Bezirksgericht aber nur am Rande ein. Zu nebulös war die Schuldengeschichte, zu wenig war der Beschuldigte überhaupt bereit, über die angeblichen Erpresser zu berichten. Deshalb blieb man bei den belegbaren Fakten, und die waren auch nicht ohne.

So hatte der Mann laut Anklageschrift über einen längeren Zeitraum seine Partnerin, die Mutter der beiden gemeinsamen Kinder, bestohlen. Statt die Beträge von ihrem Konto für den Haushalt zu verwenden, zweigte er sie ab und veruntreute schliesslich 35'000 Franken. Zudem überliess er der Frau ein Auto, obwohl er wusste, dass für das Fahrzeug keine Haftpflichtversicherung gelöst worden war.

Frau entwickelte Psychose

Von einem «massiven Vertrauensmissbrauch» gegenüber der Partnerin sprach bei der Urteilsverkündung später das Richtergremium. Die Frau entwickelte nach dem Auffliegen der Machenschaften des Mannes offenbar eine Psychose, sie ist nur noch zum Teil arbeitsfähig.

«Sie haben meine Familie bedroht, ich musste zahlen.» Der Beschuldigte über die Hintergründe seiner Deliktserie

Auch sonst versuchte der Mann immer wieder zu Geld zu kommen. Zu den Geschädigten gehört auch eine soziale Institution in der Stadt Winterthur. Mehrere Tausend Franken entgingen dem Betrieb, weil der Mann städtisches Geld für einen betreuten Wohnaufenthalt nicht weitergeleitet, sondern für sich abgezweigt hatte.

Und um weitere 32'000 Franken prellte er schliesslich zahlreiche Internetnutzer auf verschiedenen Kleinanzeigen-Websites. Dort pries er Dinge an, die er nie versandte oder gar nicht besass, zum Beispiel Goldvreneli im angeblichen Wert von über 10'000 Franken oder Spielekonsolen. Schliesslich versuchte er ein pornografisches Video einer Bekannten, in dessen Besitz er war, im Internet zu Geld zu machen.

Drogen mit elf

Die Richterinnen verurteilten den einmal vorbestraften Mann wegen Veruntreuung, gewerbsmässigen Betrugs, Urkundenfälschung und weiterer Straftatbestände. Er muss für sechs Monate ins Gefängnis, weitere 24 Monate erhielt er bedingt mit einer Probezeit von drei Jahren. Zudem wird ein DNA-Profil des Mannes erstellt, wie es das Gesetz vorsieht. Hinzu kommt eine Geldstrafe.

Die vorgängigen Entschuldigungen und Beteuerungen des Mannes nützten nichts, das Gericht urteilte mehrheitlich im Sinne der Staatsanwältin, die in ihrem Plädoyer von einem «erheblichen Tatverschulden» gesprochen hatte. Der Verteidiger blieb grösstenteils chancenlos. Er hatte moniert, die «menschliche Seite» werde zu wenig berücksichtigt.

Der voll geständige Beschuldigte habe bei der Geburt einen Hirnschaden erlitten und einen tiefen Intelligenzquotienten. Ab dem Alter von elf Jahren sei er in die Drogensucht abgerutscht. Und: Die Internetkäufer seien in ihrer «Gier» ja auch ein bisschen selber schuld. Dem widersprach die Richterin, der Mann habe ein eigentliches Lügengebäude aufgebaut. Das Urteil kann ans Obergericht weitergezogen werden.

(Der Landbote)

Erstellt: 14.06.2019, 10:19 Uhr

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