Winterthur

Gratis-Kreuzfahrt für die Belegschaft

Die Kistler-Gruppe ist 2018 erneut stark gewachsen. Jetzt will CEO Rolf Sonderegger die ganze Belegschaft auf eine Kreuzfahrt einladen.

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Über die Winterthurer Parkplatzpolitik mag Rolf Sonderegger, CEO der Kistler-Gruppe, nicht mehr reden. Die Hoffnung, auf dem Autoabstellplatz vis-à-vis des Firmensitzes in Wülflingen eine neue Fabrik zu bauen, hat er fast aufgegeben. «Wir würden unsere Bedürfnisse für das Gebäude und für die Mitarbeiterparkplätze nicht unter einen Hut bringen», sagt Sonderegger bezogen auf die Bauauflagen. «Eine Fabrik bauen wir aber nur, wenn sie auch genügend Parkplätze hat, sonst findet die Fabrik nicht statt in Winterthur.»

Ein Jahr vor Zeitplan

Dass der Sensorenhersteller mehr Platz braucht, bleibt eine Tatsache. Im letzten Jahr ist die Kistler-Gruppe erneut stark gewachsen, wie die am Montag publizierten Umsatzzahlen zeigen. Ein Plus von 13 Prozent bedeutetet einen Gesamtumsatz von 475,7 Millionen Franken. Das einst für 2020 ausgerufene Ziel von über 500 Millionen Umsatz wird Kistler schon 2019, ein Jahr vor Zeitplan, erreichen. Der Grossteil des Wachstums im letzten Jahr sei organisch gewesen, sagt Sonderegger. Die jüngsten Zukäufe, ein Unternehmen in China, je eines in Aachen und Chemnitz, schlagen erst 2019 auf die Umsätze durch.

Zählt man die Akquisitionen hinzu, beschäftigte Kistler zum Jahreswechsel rund 2200 Mitarbeitende. Davon arbeiten 680 in Winterthur. Die Belegschaft am Hauptsitz wächst stetig, nimmt aber relativ gesehen ab. Ende 2019 rechnet Sonderegger bereits mit über 2500 beschäftigten an 60 Standorten weltweit. Rund 30 bis 40 der neuen Stellen sollen in Winterthur entstehen.

Wachstumspläne hat Kistler insbesondere für den Standort China. Gerade erst hat Kistler im Business Park von Shanghai-Hangqiao ein neues Gebäude bezogen, 4200 Quadratmeter gross, sieben Stockwerke hoch, mit Platz für 200 Mitarbeiter.

Kein Land in Sicht

In der Schweizer Heimat sucht Kistler mindestens 10000 Quadratmeter Geschossfläche für die erwähnte neue Fabrik - bisher aber ohne Erfolg. Er werde von der Standortförderung unterstützt und sei mit der Stadt im Gespräch, sagt Sonderegger. «Die können aber auch nicht viel machen, wir schauen primär selbst.» Kistler wolle, wenn möglich in Winterthur bauen, sagt Sonderegger. Damit ist nicht mehr nur Wülflingen gemeint. «Wenn wir nicht auf unserem eigenen Areal bauen, spielt die Distanz keine so grosse Rolle mehr», sagt Sonderegger. Erfahrungen damit hat er: Kistler hat sich bereits an der Schlosstalstrasse eingemietet.

Nach den grössten Herausforderungen der nächsten Jahre gefragt, nennt Sonderegger nebst der lokalen Standortfrage die globalen Unsicherheiten, wie sie die Politik produziert: vom Brexit bis zum Handelsstreit zwischen den USA und China. Auch die eingetrübten Prognosen für die Autoindustrie, immer noch der Hauptkunde von Kistler, zählt Sonderegger zu den Herausforderungen.

Die erwartete Elektrifizierung sieht er allerdings als Chance. Zwar werde das Geschäft mit den Drucksensoren in den Zylinderköpfen schrumpfen, in der Produktion der autonomer und elektrischer Fahrzeuge nehme die Bedeutung von Sensoren aber zu. Kistler bietet heute nicht nur die Hardware, sondern auch die Software. Ob bei der automatisierten Produktion oder im Prüfstand, überall fallen Daten an - «Big Data»gibt es auch in der industriellen Produktion. Die systematische Nutzung dieser Daten sieht Sonderegger als das neue Geschäftsfeld der nächsten Jahre.

Kreuzfahrt für alle

Im Mediengespräch versprüht der 55-Jährige Unternehmer seinen typischen Optimismus. Die Geschäfte laufen gut, so gut, dass er im Oktober 2020 die gesamte Belegschaft auf eine Mittelmeerkreuzfahrt einladen will. «Es soll ein Dankeschön sein für unsere Mitarbeiter», sagt Sonderegger.

Er hat dafür ein komplettes Kreuzfahrtschiff gemietet: Die «Costa Magica» wird in Savona ablegen, Barcelona und Rom ansteuern und nach Savona zurückkehren. Fünf Tage dauert der Ausflug, den sich Kistler eine siebenstellige Summe kosten lässt. Der Betrieb soll in dieser Zeit, von Donnerstag bis Montag, weiterlaufen, sagt Sonderegger. Ein paar blieben ja immer daheim, «und wenn nicht, dann schauen wir weiter».

Das Programm bestimmt die Geschäftsleitung. Vom Essen bis zur Unterhaltung auf den Bühnen des Schiffs kann Kistler alles aussuchen. «Wir machen das genau so, wie wir wollen», sagt Sonderegger. Auch er selbst werde wohl etwas Lockeres zur Unterhaltung an Bord beitragen, Gedanken hat er sich dazu allerdings noch keine gemacht. Er habe jetzt ja eineinhalb Jahre Zeit.

Erstellt: 04.02.2019, 18:18 Uhr

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