Bezirksgericht

Hilfsbereitschaft von betagter Frau arglistig ausgenutzt

Ein 31-jähriger Rumäne erschleicht sich 2016 das Vertrauen einer 74-jährigen Frau und bringt sie dazu, ihm wiederholt hohe Barbeträge auszuhändigen. Das Bezirksgericht Winterthur verurteilte den Mann gestern wegen gewerbsmässigem Betrug zu einer unbedingten Haftstrafe von 30 Monaten.

Erst 5000 Franken, dann 4800 und 16800 Franken - schliesslich gar 49000 Franken in bar: Innert weniger Monate ertrog sich ein Rumäne insgesamt 75600 Franken. Bild: Symbolbild/Keystone

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«Ihr Vorgehen hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem von Enkeltrickbetrügern», sagt die Staatsanwältin zum Angeklagten. Und tatsächlich erinnert der gestern vor dem Bezirksgericht Winterthur behandelte Fall immer wieder an jene Gauner, die bewusst betagte Menschen ins Visier nehmen. Ruft jene Betrüger in Erinnerung, die eine Notlage geltend machen und ultimativ dazu auffordern, ihnen einen hohen Bargeldbetrag auszuhändigen.

Der einzige Unterschied: Der 31-jährige rumänische Staatsangehörige, der jetzt vor Gericht seine Taten zu verantworten hatte, kontaktierte sein Opfer zu Beginn nicht via Telefon – und er gab sich auch nicht als vermeintlichen Verwandten aus.

Alles begann ziemlich unverdächtig. Im März 2016 verwickelte der Angeklagte die 74-jährige Frau auf einem Coop-Parkplatz in der Region Winterthur in ein Gespräch. Schliesslich half er der gebrechlichen Rentnerin, die seit 50 Jahren an Multipler Sklerose leidet, ihre Einkäufe zu tragen.

Rentnerin hatte Mitleid

Wie die Geschädigte später gegenüber der Polizei aussagte, habe ihr der Mann von seiner Mutter erzählt, die starke Schmerzen erdulden müsse und kein Geld für eine Operation habe. «Seine Mutter tat mir so leid», gab die Frau später zu Protokoll. Sie könne sich gut einfühlen, da sie selber auch starke Schmerzen habe.

«Seine Mutter tat mir so leid.»Die Geschädigte

Noch am gleichen Tag ging die betagte Frau auf die Bank und übergab dem Mann anschliessend 5000 Franken in bar. Wenige Monate später kontaktierte der Beschuldigte die Rentnerin dann telefonisch und erzählte ihr von Geldproblemen, fehlenden Kleidern für seine vier minderjährigen Kinder und dass seine Mutter jetzt Geld für die Erholung von der Operation benötige. Erneut erweckte er damit das Mitleid der Geschädigten.

Diese zahlte ihm sodann 4800 und 16 800 Franken in bar. Der Angeklagte unterzeichnete anschliessend ein von der Rentnerin aufgesetztes Schreiben mit dem Titel «Darlehen» mit einem falschen Namen. Wenige Tage später ergaunerte er sich mit derselben Masche 49 000 Franken in bar. Stets versicherte er der alten Dame, das Geld zurückzahlen zu wollen. Innert weniger Monate ertrog er so 75 600 Franken.

Zur Verhaftung des Rumänen kam es aber erst Anfang dieses Jahres. Der Mann bettelte damals erneut um Geld. Dieses Mal verlangte er 60 000 Franken. Er gab an, ein Erbe auslösen zu wollen, um danach alle seine Schulden bei der Geschädigten zurück zu zahlen. Wie die leitende Richterin gestern erklärte, sei die Auszahlung nur dank eines aufmerksamen Bankmitarbeiters gescheitert.

«Merkwürdige Geschichte»

Während der Befragung durch das Gericht gab der Mann zwar alle Zahlungen zu. Er habe jedoch der Geschädigten immer gesagt, dass er mit dem Geld die Hypothek des Hauses seiner Mutter in Rumänien abzahlen wolle, damit er das Haus nachher zu einem guten Preis verkaufen könne.

«Eine merkwürdige Geschichte», befand die Richterin. «Es ist aber so», entgegnete der Angeklagte. Zudem habe die Frau aus freien Stücken gezahlt. Das sah die Staatsanwältin ganz anders. Die Geschädigte habe in sich stimmige Aussagen gemacht, was man vom Angeklagten nicht sagen könne.

«Sie sind ein Berufskrimineller.»Staatsanwältin zum Angeklagten

In Rumänien gebe es weder ein Haus, das auf den Namen seiner Mutter noch auf seinen Namen laute. Er habe das Vertrauensverhältnis der Geschädigten auf arglistige Art und Weise ausgenutzt und sie psychisch unter Druck gesetzt. Es sei ihm einzig um persönliche Bereicherung begangen.

Der Angeklagte habe zudem 16 Vorstrafen in mehreren europäischen Ländern aufzuweisen. «Sie sind ein Berufskrimineller», bilanzierte die Staatsanwältin und forderte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 36 Monaten mit anschliessendem Landesverweis von 10 Jahren. Die Verteidigung räumte viele Punkte ein – und hielt den Ausführungen der Staatsanwältin kaum etwas entgegen. Der Rechtsanwalt forderte 30 Monate Haft, davon allerdings 24 Monate bedingt.

Das Gericht verurteilte den Mann schliesslich wegen gewerbsmässigem Betrug und Geldwäscherei zu einer unbedingten Haftstrafe von 30 Monaten und zu einem Landesverweis von 10 Jahren. «Sie haben sich gezielt an die gebrechliche Frau herangemacht und ihre Gutmütigkeit ausgenutzt», sagte die Richterin abschliessend. «Ihre Vorgehensweise ist perfid und gemein.» Sagen müsse man allerdings auch, «dass es Ihnen Ihr Opfer nicht allzu schwer gemacht hat.»

(Landbote)

Erstellt: 12.07.2018, 18:01 Uhr

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