Winterthur

Immergrün, aber nicht immer gut

Beim geplanten Kunstrasen auf dem Sportplatz Talgut will die Stadt auf Mikro-Granulat verzichten.

Mit Granulat oder ohne? Noch weiss man nicht im Detail, welche Kunstrasen-Technologie die verträglichste ist. Foto: M. Dahinden

Mit Granulat oder ohne? Noch weiss man nicht im Detail, welche Kunstrasen-Technologie die verträglichste ist. Foto: M. Dahinden

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Die Warteliste bei den Fussballvereinen ist lang, das Platzangebot zum Trainieren knapp, auch in Winterthur. Deshalb setzt das Sportamt vermehrt auf Kunstrasen, wenn ein Spielfeld ersetzt wird. Sie sind pflegeleichter als Naturrasen und auch bei Regen bespielbar.

Rund 2000 statt 600 Stunden pro Jahr, etwa dreimal länger. Heute sind stadtweit drei Kunstrasenfelder verlegt: Im Hegmatten in Oberi, hinter dem Stadion Schützenwiese und im Flüeli, wo der SC Veltheim kickt, das neuste und mit grösste. Möglichst bald soll im Talgut beim Sportplatz Deutweg ein weiterer dazu kommen, 64 Meter breit und 100 Meter lang.

Es pressiert. Der Kredit-Antrag über 2,1 Millionen Franken ist noch nicht einmal im Gemeinderat eingegangen ist, das Projekt aber bereits öffentlich ausgeschrieben. «Wird der Kredit bewilligt, könnten wir gleich loslegen», sagt Sportamtchef Dave Mischler. Und im November würde für den FC Tössfeld der neue Rasenteppich ausgelegt.

Kein Autoreifen-Gummi

Die Funktionalität von Kunstrasen ist unbestritten, nicht aber, wie gesundheits- und umweltschädlich sie tatsächlich sind, gerade die sogenannt verfüllten Rasen. Bei diesen werden die rund sieben Zentimeter langen Kunstfasern bis oben hin mit Gummigranulat gefüllt. Die Mini-Plastikkügelchen geben den Fussballern mit ihren Nockenschuhen den nötigen Halt. Nur: Die Billig-Variante davon stammt aus rezyklierten alten Autoreifen.

«Die Zukunft gehört dem Kunstrasen ohne Granulat.»

Diese setzen auf dem Platz teils krebserregende Dämpfe und Partikel frei, die über dem Boden schweben und eingeatmet oder verschluckt werden können – gerade von den jüngsten Kickern. Vor zwei Jahren gab das Bundesamt für Gesundheit aber Entwarnung. Die eingeatmete Menge sei gesundheitlich unbedenklich. Zudem gibt es Alternativen zum Reifen-Granulat, die weitaus weniger belastet sind, aber auch teurer. Die Winterthurer Plätze sind ausschliesslich damit granuliert, zum Beispiel mit synthetischem Kautschuk.

Bleiben die ökologischen Bedenken: Pro Grossfeld werden rund 38 Tonnen Granulat verfüllt. Etwa zehn Prozent davon, so eine Schätzung, müssen jährlich nachgestreut werden, weil sie in die Umgebung abgetragen werden, in grossen Mengen beim Schneeräumen. Aber auch an den Schuhen bleiben die Mikro-Kügelchen kleben. Das sind etwa vier Tonnen Mikro-Plastik pro Feld.

Stadtweit 16 Tonnen, die Indoor-Tennisplätze und Leichtathletikanlagen nicht einberechnet. Beim Sportamt geht man von etwa drei Tonnen aus, ein Erfahrungswert. Wie weit der Mikroplastik tatsächlich getragen wird, ist schwer abzuschätzen. Gemäss einer Studie aus Norwegen landen etwa zehn Prozent davon in der Umwelt, zerfallen und gelangen als Nanoplastik in die biologische Nahrungskette.

Talgut wird «unverfüllt»

Im Talgut setzt das Sportamt auf einen sogenannt unverfüllten Kunstrasen ohne Granulat. «Wir glauben, dass dieser Technologie die Zukunft gehört», sagt Mischler. Wegen der vermeintlich besseren Spieleigenschaften hätte der FC Tössfeld zwar lieber einen Granulatrasen gehabt, hätten sich aber offen gezeigt. Laut Martin Rinderknecht, der mit seiner Sportrasen GmBH schweizweit über 100 Natur- und Kunstrasenplätze verlegt hat, entspricht Winterthur damit einem Trend.

Nirgends sei der Anteil granulatfreier Rasen höher, als in der Schweiz. Er ist sich sicher, dass sich die unverfüllten Plätze ganz durchsetzen werden. Inzwischen liessen sie sich praktisch genauso gut bespielen. «Die Spieler müssen sich kaum noch umgewöhnen», sagt Rinderknecht. Der Kaufpreis ist etwas höher, über die 10 bis 15 jährige-Lebenszeit aber günstiger, weil nicht nachgranuliert werden muss. Eine Tonne Granulat kostet rund 1500 Franken.

Die Faktenlage, wie gross der ökologische Fussabdruck von Kunstrasen tatsächlich ist, bleibt dünn. Die Stadt Zürich will es für ihre Plätze genauer wissen und plant, bei der Hochschule ZHAW ein entsprechendes Gutachten einzuholen. Auch Hybrid-Plätze – plastikverstärkte Naturrasen – heisst es, schliesst man als Option künftig nicht aus. (Der Landbote)

Erstellt: 15.03.2019, 18:37 Uhr

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