Winterthur

«Jung sein ist noch kein Programm»

Der vierte Platz auf der Wahlliste ist keine Garantie für einen Platz im Nationalrat, weiss Mattea Meyer. Die SP-Frau freut sich aber auf den Wahlkampf.

«Die Politik ist für mich eine Leidenschaft», sagt Mattea Meyer (SP). In den Nationalratswahlkampf startet sie von einem Spitzenplatz.

«Die Politik ist für mich eine Leidenschaft», sagt Mattea Meyer (SP). In den Nationalratswahlkampf startet sie von einem Spitzenplatz. Bild: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie werden bei den Nationalratswahlen auf dem vierten Listenplatz der SP stehen. Wie haben Sie das geschafft?
Ich bin nach wie vor überwältigt von dem grossen Vertrauen, das mir die SP-Mitglieder entgegengebracht haben. Ich habe in den vergangenen Jahren viele Sektionen im Kanton besucht und mit zahlreichen SP-Mitgliedern an politischen Projekten wie der 1:12-In­itia­ti­ve zusammengearbeitet. Die Leute spüren, dass ich die Politik ernst nehme, sie aber auch gerne aus­übe. Politik ist für mich eine Leidenschaft.

Sie sitzen erst seit vier Jahren im Kantonsrat. Vorher waren Sie sogar nur knapp ein Jahr im Winterthurer Gemeinderat. Wird Ihnen schnell langweilig?
Nein, überhaupt nicht. Ich war sehr gerne Gemeinderätin. Die Wahlen lagen damals aber sehr nahe beieinander, weshalb ich so schnell in den Kantonsrat gewechselt bin. Ich bin auch gerne Kantonsrätin. Aber ich habe auch gemerkt, dass viele Sachen, die mich interessieren, auf nationaler Ebene entschieden werden.

Was könnten Sie denn in Bern bewirken, was Sie im Kantonsrat nicht können?
Ich möchte mit meiner Kandidatur auf keinen Fall die Arbeit des Kantonsrats abwerten. Der Kantonsrat wird leider häufig unterschätzt, denn hier werden viele Weichen gestellt wie zum Beispiel in der Steuerpolitik. Mich reizt aber die nationale Arbeit, gerade weil hier im Bereich der Verteilungsgerechtigkeit, einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt, viel entschieden wird.

Haben Sie genug Erfahrung, um in Bern mitzumischen?
Ich bin seit zehn Jahren in der Politik sehr aktiv. Bei der Juso habe ich das politische Handwerk erlernt. Seit fünf Jahren bin ich in Parlamenten tätig. Und durch meinen Job als Mitarbeiterin von zwei Nationalräten habe ich eine gute Vorstellung davon, was mich in Bern erwartet.

Immer wieder werden Sie als Senkrechtstarterin bezeichnet. Was machen Sie anders als ­andere Frauen in Ihrem Alter?
Ich glaube, die Leute schätzen an mir, dass ich mit Überzeugung, Einsatzbereitschaft und Wertschätzung anderen ge­gen­über politisiere. Wichtig ist mir aber, dass kein politischer Erfolg nur einer Person zuzuschreiben ist, sondern immer der Verdienst von vielen ist.

Der Vergleich mit der Winterthurerin Chantal Galladé (SP), die eine ähnliche politische Karriere hingelegt hatte, liegt nahe. Ist sie für Sie ein Vorbild?
Chantal Galladé hat politisch sehr viel erreicht, das bewundere ich. Thematisch habe ich bisher vor allem mit Jacqueline Fehr zusammengearbeitet, sie begleitet mich seit meinen ersten politischen Schritten. An ihr beeindruckt mich auch, wie sie immer versucht hat, ihre Arbeit als Parlamentarierin mit der Parteipolitik zu verbinden.

Sie sind vor Galladé platziert worden. Haben Sie keine Skrupel, einer erfahrenen Politikerin den Platz wegzuschnappen?
Chantal Galladé hat vor vier Jahren mit einem Glanzresultat ihre Wiederwahl in den Nationalrat geschafft. Das wird auch dieses Mal der Fall sein.

Die Juso fordert, dass Nachwuchspolitiker gute Listenplätze erhalten sollten. Sie auch?
Grundsätzlich schon. Ich finde, in Bern müssen alle Altersgruppen, auch Junge, Platz haben, wie es auch mehr Platz für Migranten und Frauen geben muss. Jung sein ist aber noch kein Programm, vielmehr müssen politische Inhalte und Engagement zählen.

Im Spitzenquartett sind zwei Frauen und zwei Männer. Was halten Sie von Frauenquoten auf den Wahllisten?
Die SP setzt selbstverständlich auf eine ausgewogene Liste. Wie die kandidierenden Politiker aber verteilt sind, ist der Gewichtung durch die Delegierten überlassen. Dass es eine so ausgewogene Spitze gab, war reiner Zufall. Es zeigt aber auch, dass die SP Gleichstellung lebt. Wenn das anders wäre, wäre eine Quote bei den vorderen Listenplätzen sinnvoll.

Haben Sie keine Angst, dass es Ihnen wie Anita Borer (SVP) geht, die 2011 als Nachwuchspolitikerin auf dem zweiten Listenplatz auf den 17. Platz durchgereicht wurde?
Es ist mir natürlich bewusst, dass ein guter Platz auf der Liste noch nichts heisst. Entscheiden werden die Wähler und Wählerinnen. Vor dem Wahlsonntag werde ich selbstverständlich zittern.

Wie stehen Ihre Chancen?
Der vierte Platz auf der Liste ist sicher eine gute Ausgangslage. Aber es ist eine insgesamt sehr starke Liste mit vielen bekannten Namen. Es wird deshalb einen engagierten Wahlkampf brauchen, ich werde versuchen, mit so vielen Menschen wie möglich zu sprechen und sie von unserer Politik zu überzeugen. (landbote.ch)

Erstellt: 01.06.2015, 21:42 Uhr

Infobox

Nationalratswahlen

Mehrere Winterthurer Politiker, die neu für den Nationalrat kandidieren, starten von den vorderen Listenplätzen in den Wahlkampf.

Der EVP-Politiker Nik Gugger besetzt den zweiten Listenplatz hinter der bisherigen Winterthurer Regierungsrätin Maja ­Ingold. Gugger ist Kantonsrat und zuletzt als Regierungsratskandidat in Erscheinung getreten. Die Zürcher EVP besetzt im Moment einen Nationalratssitz. Falls Ingold zur Ständerätin ­gewählt oder abtreten würde, könnte Gugger nachrutschen.

Michael Zeugin, Winterthurer Fraktionspräsident der GLP und Kantonsrat, steht auf dem fünften Listenplatz.

Ebenfalls kandidiert Stadträtin Barbara Günthard-Maier für den Nationalrat. Sie ist von der FDP auf den siebten Listenplatz gesetzt worden. clp

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben