Duzis am KSW

KSW-Direktor Rolf Zehnder: «Ich bin für alle der Rolf»

Seit dem ersten Januar gilt im Kantonsspital Winterthur für das Personal «Duzis First». Wir haben Spitaldirektor Rolf Zehnder gefragt, was sich die Spitalleitung dabei gedacht hat.

KSW-Direktor Rolf Zehnder wurde im Januar öfters mit einem unverbindlichen «Hallo» begrüsst.

KSW-Direktor Rolf Zehnder wurde im Januar öfters mit einem unverbindlichen «Hallo» begrüsst.

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Ärzte, Pflegepersonal, Mensamitarbeitende – im Kantansspital sollen sich seit Anfang Jahr alle duzen. Was erwarten Sie davon, einen Kulturwandel?
So weit würde ich nicht gehen. Die Zusammenarbeit ist zentral für ein Spital. Die Zusammenarbeitskultur kann aber gut oder schlecht sein, unabhängig von Du oder Sie.

Das KSW hat über 3500 Mitarbeitende, wie stellt man so einen Betrieb auf Duzis um?
Wir haben erst in der Spitalleitung darüber gesprochen und dann Mitte Dezember breit gestreut, was wir vorhaben. In unserer Spitalzeitung «37°» bin ich Anfang Jahr auch im Editorial darauf eingegangen.

Die Patienten werden aber immer noch gesiezt?
Ja, ausser in der Kinderklinik die Kinder. Es gibt auch sonst ein paar Regeln, die wir kommuniziert haben. So zum Beispiel, dass wir Mitarbeitende gegenüber Patienten immer mit dem Nachnamen nennen, wenn wir in der dritten Person von ihnen sprechen.

Wie verbindlich ist das Du fürs Personal?
Wir haben es zum Standard erklärt. Heute muss es jemand sagen, wenn er gesiezt werden will, nicht mehr umgekehrt. Aber wir wollen und können natürlich niemanden zum Du zwingen.

Sie selbst sind in den Duzis-Standard eingeschlossen?
Ja, ich bin für alle der Rolf. Ausser für die Personen, die selber gesiezt werden wollen. Wenn jemand zu mir sagt «Herr Zehnder, ich will Sie nicht duzen», dann rate ich, es erst einmal zu lassen. Vielleicht ist das in ein paar Wochen, wenn sich alle ans Du gewöhnt haben, ja anders.

Wie viele Mitarbeitende bestehen denn heute noch auf dem Sie?
Das weiss ich nicht genau, ich führe darüber keine Liste, aber nicht mehr als eine Handvoll.

«Es gibt eine klare Korrelation mit der Stellung in der Hierarchie und dem Alter.»Rolf Zehnder

Was sagen denn die Kritiker der Du-Kultur?
Die bringen dieselben Argumente vor, wie man sie anderswo hört, dass ihnen das Du zu nahe, zu persönlich ist, dass sie nicht mit Leuten per Du sein möchten, die Ihnen fremd sind. Es gibt auch einige, die die Hierarchie betonen und darum nicht geduzt werden wollen. Und wir haben Mitarbeitende aus Kulturen, in denen das Du nicht üblich ist.

Wächst die Skepsis gegen das Du mit steigendem Rang oder Status?
Es gibt eine klare Korrelation mit der Stellung in der Hierarchie und dem Alter. Mir ist kein 20-Jähriger bekannt, der das Du nicht will. Die Veränderung ist auch für viele ungewöhnlich, manche trauen sich nicht recht, mich zu duzen. Am Anfang war noch ein Abtasten zu erkennen. Man wählt also erst mal das unverbindliche Hallo, um zu testen, ob das mit dem Du ernst gemeint ist.

Sie beschäftigen viele Ärztinnen und Ärzte aus Deutschland, wo die Hierarchie im Spital noch stärker betont wird, stellen Sie auch hier eine Duzis-Scheu fest?
Es ist schon so, dass deutsche Kadermitarbeitende stärker reagieren als Schweizer und sagen, das sei für sie ungewohnt und ein grösserer Schritt. Ich wüsste aber nicht, dass es bei unseren Mitarbeitenden aus Deutschland einen grösseren Anteil gäbe, der das nicht will.

Ändert sich durch das neue Regime wirklich etwas im Berufsalltag, innerhalb der Teams war das Du doch schon vorher weit verbreitet?
Wir haben in den Teams tatsächlich schon weitestgehend eine Du-Kultur gehabt. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit wird aber immer wichtiger, das ist der Grund für den Du-Standard. Wir wollen keine Abgrenzungen. Der neue Standard hat ganz praktische Vorteile. Wem es zufällt, das Du anzubieten, war zum Beispiel bisher eine Frage von Hierarchie und Alter. Häufig war dann aber das Problem, dass unklar war, wer im KSW höher gestellt ist, zum Beispiel der Personalchef oder der Chef der Rheumatologie. Und wir können uns jetzt die elenden Mails im Stile von «könnt/können ihr/Sie eine halbe Stunde früher beginnen?» sparen. Das ist ein Effizienzgewinn.

Wir haben kein anderes Spital gefunden, das einen Duzis-Standard hat. Sind Sie Duzis-Pioniere?
Mir ist auch kein anderes Spital bekannt, das den Du-Standard hat, aber ich habe darüber keinen Überblick. In meinem Editorial zum neuen Jahr habe ich geschrieben, dass die Umstellung vom Sie zum Du die kleinste Veränderung sei, die wir im neuen Jahrzehnt erleben werden. Das Du hat für uns so gesehen vor allem ein symbolisches Gewicht.

Wenn ich mich bei Ihnen bewerbe, ab wann sind wir dann per Du?
Das wäre ab Vertragsunterschrift.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Zehnder

Erstellt: 04.02.2020, 17:28 Uhr

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