Sennhof

Kein Platz im Schulhaus Sennhof für Kinder aus neuer Spinnerei-Überbauung

Auf dem Areal der ehemaligen Spinnerei Bühler sind 86 Wohnungen geplant. Obwohl die neue Überbauung in unmittelbarer Nähe des Schulhauses zu liegen kommt, werden die künftig dort wohnenden Kinder wohl in Kyburg oder Ottikon zur Schule gehen.

Blick vom Spinnerei-Areal zum Schulhaus Sennhof. Die Kinder müssten nur die Brücke queren, um zur Schule zu gelangen.

Blick vom Spinnerei-Areal zum Schulhaus Sennhof. Die Kinder müssten nur die Brücke queren, um zur Schule zu gelangen. Bild: Marc Dahinden

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«Das ist doch ein Blödsinn und nicht im Sinne der Kinder», sagt Martin Kägi, Geschäftsführer der Hermann Bühler AG. Nach heutigem Stand werden Kinder aus Familien, die in den geplanten Wohnungen auf dem Areal der ehemaligen Spinnerei wohnen, nicht im Schulhaus Sennhof unterrichtet, sondern werden per Bus nach Ottikon oder Kyburg gefahren. Dies obwohl das Schulhaus nur durch eine Brücke über die Töss von der Überbauung getrennt ist.

Doch genau darin liegt das Problem. Die Töss ist zugleich die Stadtgrenze. Während der grösste Teil von Sennhof rechts der Töss zu Winterthur gehört, liegen Häuser auf der anderen Seite des Flusses auf Kyburger Gebiet und gehören damit seit 2016 politisch zu Illnau-Effretikon.

Die Töss ist die Grenze zwischen den Gemeinden und der Grund, warum die Kinder nach Ottikon oder Kyburg sollten (blaue Punkte).

«Die Stadt Winterthur haben Illnau-Effretikon im November 2018 mitgeteilt, dass eine generelle Aufnahme aller Schüler aus dem neu konzipierten Spinnereigebäude bei uns aus Platzgründen nicht möglich ist.»Martha Jakob, Kreisschulpräsidentin Seen-Mattenbach

In der Vergangenheit gab es zwar vereinzelt Kinder, die jenseits der Töss wohnten und trotzdem in Sennhof zur Schule gingen. In diesen Fällen wurde zwischen Illnau-Effretikon oder früher Kyburg eine Vereinbarung bezüglich Kosten getroffen.

Doch nun ist klar: Winterthur oder konkret die Schule Sennhof wird die zu erwartenden Schulkinder aus der neuen Überbauung nicht aufnehmen können, wie Martha Jakob, Kreisschulpflegepräsidentin von Seen-Mattenbach schriftlich bestätigt: «Die Verantwortlichen der Stadt Winterthur haben Illnau-Effretikon auf Anfrage im November 2018 mitgeteilt, dass eine generelle Aufnahme aller Schüler und Schülerinnen aus dem neu konzipierten Spinnereigebäude bei uns aus Platzgründen nicht möglich ist.»

Sennhof wächst

Dass das Schulhaus Sennhof schon heute an seine Kapazitätsgrenzen stösst, ist bekannt. Die neue zusätzliche Kindergartenklasse wird im Keller des Schulhauses untergebracht und die Betreuung ist bereits in die neue HGW-Überbauung ausgelagert. Und es werden noch deutlich mehr Kinder erwartet. In der HGW-Siedlung Oberzelg sind rund 140 Wohnungen entstanden, die letzten werden diesen Sommer bezogen. In der benachbarten Überbauung Nido sind bald 19 weitere Wohnungen zum Einzug bereit. Da erstaunt es nicht, dass Winterthur sich nicht in der Lage sieht, weitere Kinder aufzunehmen.

«Das können wir abdecken»

Erika Klossner (FDP) ist Stadträtin von Illnau-Effretikon und zuständig für die Bildung. Sie bestätigt die Absage aus Winterthur: «Wir haben klar das Signal bekommen, dass in Sennhof kein Platz mehr vorhanden ist.» Die nächste Schule auf dem Gebiet von Illnau-Effretikon ist die Schule Ottikon-Kyburg.

Die kleinsten Kinder besuchen den Kindergarten in Ottikon, Primarschulklassen hat es sowohl in Kyburg als auch in den zwei Schulhäuschen in Ottikon. «Die Kinder aus der neuen Überbauung werden in diese Schule eingeteilt», sagt Klossner. Bedenken, dass die Schule nicht alle aufnehmen könnte, hat sie nicht. «Für die Planung erwarten wir bei diesem Projekt erfahrungsgemäss etwa zwanzig schulpflichtige Kinder. Das können wir in der Schule Ottikon-Kyburg abdecken.»

«Von der Distanz her ginge es zu Fuss, aber der Höhenunterschied ist nicht zumutbar. Und das Velo ist für die Kleinsten zu gefährlich.»Erika Klossner, FDP-Schulstadträtin Illnau-Effretikon

Der fehlende Platz ist jedoch nicht der einzige Grund, weshalb die Kinder wohl einen weiteren Schulweg auf sich nehmen müssen. Laut Klossner wäre es für Illnau-Effretikon auch teuer, so viele Kinder in Winterthur schulen zu lassen. «Das hätten wir ohnehin genau anschauen müssen.»

Höhenunterschied zu gross

Klar ist für die Schulstadträtin auch, dass die Kinder den Weg nicht zu Fuss, sondern mit dem Bus zurücklegen werden. «Von der Distanz her ginge es zu Fuss, aber der Höhenunterschied ist nicht zumutbar. Und das Velo ist für die Kleinsten zu gefährlich.»

«Für Sekundarschülerinnen und -schüler lässt sich allenfalls zukünftig eine Lösung mit einer Sekundarschule in Winterthur finden»Erika Klossner, die FDP-Schulstadträtin von Illnau-Effretikon ist zuversichtlich.

Anders sieht die Situation für Kinder im Sekurdarschul-Alter aus. Da sich in Ottikon-Kyburg keine Sekundarschule befindet, müssten die Jugendlichen in Illnau oder Effretikon zur Schule. «Für Sekundarschülerinnen und -schüler lässt sich allenfalls zukünftig eine Lösung mit einer Sekundarschule in Winterthur finden», stellt Klossner in Aussicht.

«Ich fände es extrem störend, wenn ein Bus die Kinder abholt und über den Schulhausplatz Sennhof nach Ottikon fährt.» Martin Kägi, Geschäftsführer Hermann Bühler

Hermann Bühler-Geschäftsführer Martin Kägi ist wenig erfreut darüber, dass die Kinder der künftigen Mieter per Bus zur Schule müssen, wenn das Schulhaus nur ein paar Meter entfernt liegt. «Ich fände es extrem störend, wenn ein Bus die Kinder abholt und über den Schulhausplatz Sennhof nach Ottikon fährt.» Wie viele Kinder in die neue Überbauung einziehen werden, kann Kägi noch nicht abschätzen.

Die Vermietung hat noch nicht begonnen, dies wird frühstens 2022 der Fall sein. Er kann sich aber durchaus vorstellen, dass sich Familien angesprochen fühlen: «Es sind mehrere grosse Wohnungen geplant. Etliche mit Gartenanschluss und Zugang zum Hof. Zudem liegen sie an verkehrsarmer Lage.» Die Mietpreise würden im Mittelfeld liegen. «Es sind hochwertige Wohnungen, aber wir sind uns bewusst, dass wir in Sennhof sind», sagt Kägi.

Schulraum auf Areal?

Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich bis zum Bezug in einigen Jahren «eine vernünftige Lösung» finden lässt. «Ich werde das Gespräch mit den Beteiligten noch einmal suchen. Ich könnte mir auch vorstellen, auf dem Areal Schulraum zu schaffen.» Klar sei, dass es für die Vermietung ein Nachteil sei, wenn die Kinder nicht in Sennhof zur Schule gehen könnten.

Betroffenen Familien bleibt immer noch die Möglichkeit, ein Gesuch zu stellen. «Wir haben mit Illnau-Effretikon vertraglich geregelt, dass wir Kinder im Einzelfall bei uns beschulen. Gesuche prüfen wir grundsätzlich wohlwollend», sagt Martha Jakob. Allerdings relativiert sie auch. Es sei aus schulorganisatorischen Gründen nicht immer möglich, sie zu bewilligen. (Landbote)

Erstellt: 16.05.2019, 17:12 Uhr

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