Winterthur

Lotsendienste: Gutachten stützt die Eltern

Seit die Stadt die Lotsendienste nicht mehr finanzieren will, kämpft der Elternrat Rebwiesen dafür, dass die jüngsten Schulpflichtigen beim Übergang über die Schlosstalstrasse unterstützt werden. Nun haben die Eltern einen Sieg errungen.

Rund 8000 Autos befahren die Schlosstalstrasse jeden Tag. Der Übergang ist für die jüngsten Schulpflichtigen deshalb allein nicht zumutbar.

Rund 8000 Autos befahren die Schlosstalstrasse jeden Tag. Der Übergang ist für die jüngsten Schulpflichtigen deshalb allein nicht zumutbar. Bild: Enzo Lopardo

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Wir sind fast am Ziel», sagt Marc Wyler, Präsident des Elternrats Rebwiesen. Ein unabhängiges Gutachten der Beratungsstelle für Unfallverhütung bestätigt, was der Elternrat schon seit der Abschaffung der Schulweghilfen im Februar 2017 postuliert: Der Übergang über die Schlosstalstrasse, gleich neben dem Kindergarten Rebwiesen, ist für die jüngsten Schulpflichtigen im Alter von 4 bis 5 Jahren nicht alleine zu bewältigen.

Ein langer Weg

Der Elternrat musste darum kämpfen, dass der Übergang an der Schlosstalstrasse überhaupt unabhängig begutachtet wurde. Das Departement Sicherheit und Umwelt unter Stadträtin Barbara Günthard-Maier (FDP) sah bei diesem Übergang lange keinen Handlungsbedarf. Als der Elternrat fast 1000 Unterschriften sammelte, wurde ein Gutachter der Stadtpolizei Zürich beigezogen, der ebenfalls fand, der Übergang sei sehr sicher. Die Eltern wollten dies nicht akzeptieren und schliesslich einigte man sich, die Beratungsstelle für Unfallverhütung mit einem Gutachten zu beauftragen. Alle Beteiligten verpflichteten sich, die Empfehlungen zu akzeptieren.

Auch Lichtsignal überfordert

Das Gutachten liegt nun vor und hält fest, der Fussgängerstreifen entspreche infrastrukturell allen Vorgaben und Sicherheitskriterien. Aber aufgrund des Verkehrsaufkommens von über 8000 Fahrzeugen pro Tag seien 4- bis 5-Jährige noch nicht in der Lage, die Querung zu bewältigen. Von einem Lichtsignal wird abgeraten, da Kinder bis zur zweiten Schulklasse grosse Mühe hätten, eine Lichtsignalanlage zu bedienen und gleichzeitig auf den Verkehr zu achten.

Es brauche daher organisatorische Massnahmen. Vorgeschlagen wird, dass Eltern die Kinder begleiten oder dass ein Pedibus organisiert wird. Ein Pedibus funktioniert so, dass eine erwachsene Person alle Kinder abholt, die den gleichen Schulweg haben, und sie begleitet. Als dritter Punkt wird im Gutachten vorgeschlagen, einen Lotsendienst zu organisieren.

Für den Elternratspräsidenten kommt nur die letzte Option in Frage. «Elternbegleitung auf dem Schulweg ist zwar wirksam, aber in der heutigen Arbeitswelt oft nicht möglich», sagt Wyler. «Den Pedibus sehen wir eher als Übergangslösung.» Die Wiedereinführung eines Lotsendiensts sei dagegen zu begrüssen. «In diesem Fall übernehmen die Behörden die Verantwortung und die Finanzierung, wie es die rechtlichen Vorgaben verlangen.» Man hoffe nun, dass die Stadt bald Massnahmen umsetze. Bisher habe man keine konkreten Signale erhalten, dass sich etwas tue.

Schulpflegen zuständig

Klar ist, dass die Stadtpolizei, die sechs noch verbliebenen Lotsendienste in der Stadt organisiert, nicht aktiv werden wird. Zuständig für organisatorische Massnahmen, wie sie im Gutachten vorgeschlagen sind, seien laut der Volksschulverordnung die Schulbehörden, sagt Günthard-Maier. Man habe die Eltern gebeten, sich an die Kreisschulpflege Stadt-Töss zu wenden, falls sie weitere Massnahmen wünschten.

Dass die Verantwortung für die Lotsen bisher bei der Stadtpolizei gelegen habe, sei historisch bedingt. «Nun sind wir aber gemeinsam daran, die historisch gewachsenen Ausgangslage in den korrekten Zustand zu überführen.» Dies sei nun ein erster Schritt auf diesem Weg.

Günthard-Maier sieht im Gutachten keinen Widerspruch zur bisherigen Einschätzung der Situation: «Es stuft den Übergang wie die Stadtpolizei grundsätzlich als sicher ein.» Auch die Empfehlung, dass man für ganz kleine Kinder organisatorische Massnahmen prüfen solle, könne sie nachvollziehen.

Thema für Zentralschulpflege

Schulstadtrat Jürg Altwegg (Grüne) bestätigt, dass der Ball nun bei der Kreisschulpflege Stadt-Töss liege: «Sie muss eine geeignete Massnahme anordnen, wenn der Schulweg unsicher ist.» Eine Beteiligung der Eltern, wie im BfU-Gutachten als Möglichkeit erwähnt, sieht er nicht. Dies sei in der Zürcher Rechtsordnung nicht vorgesehen.

Altwegg sagt, das Resultat des Gutachtens habe ihn nicht überrascht. Er spricht ihm eine gewisse Signalwirkung zu. «Die Frage, ob ein Übergang sicher ist, stellt sich in allen Schulkreisen. Deshalb wird sich auch die Zentralschulpflege damit befassen.»

Die Kinder treten immer jünger in die Schule ein — eben erst wurde der Stichtag für den Schuleintritt auf den 31. Juli verschoben. Viele Kinder sind also gerade einmal vier Jahre alt, wenn sie in den Kindergarten kommen. Das müsse man beachten, wenn man eine Sicherheitsbeurteilung vornehme, sagt Altwegg. Welche Lösungen umgesetzt würden, sei noch unklar.

Felix Müller, der noch bis August Schulpflegepräsident im Kreis Stadt-Töss ist, sagt, er habe das Anliegen der Rebwiesen-Eltern entgegen genommen und sei bestrebt, noch vor den Sommerferien eine Lösung zu finden. «Ich kann nur noch nichts Konkretes sagen, da ich noch am Verhandeln bin.» Für ihn sei aber klar, dass nicht die Eltern in der Pflicht seien. «Eine private Lösung wäre zu wenig zuverlässig.»

Der Elternrat zieht trotz grossem Aufwand ein positives Fazit ais der Geschichte: «Der Einsatz hat sich gelohnt, geht es doch um die Sicherheit der Kindergarten-Kinder. Wir sind nun zuversichtlich, dass auf Worte Taten folgen», sagt Präsident Marc Wyler. (Landbote)

Erstellt: 26.06.2018, 17:40 Uhr

Artikel zum Thema

Am falschen Ort gespart

Kommentar Mirjam Fonti zu den Sparmassnahmen der Stadt Winterthur bei den Lotsendiensten. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.