Wülflingen

«Mama, ich habe heute ein Schwein gesehen»

Am Strickhof lernen Stadtkinder Tiere kennen – für manche von ihnen ist es der erste Kontakt mit Kühen und Co.

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Manche Kinder spielen im Misthaufen Verstecken. Andere lernen erst in der Schule, dass das Steak auf ihrem Teller einmal gelebt hat. An den Strickhof-Schultagen treffen sie zusammen: die Stadtkinder und die Landeier. Seit 12 Jahren lädt der Wülflinger Strickhof Primarschulklassen für einen Morgen auf dem Bauernhof ein. Die Plätze sind auf 20 Klassen beschränkt und praktisch immer ausgebucht, sagt die stellvertretende Organisatorin Sabine Bosshard. So auch in diesem Jahr. «Oft wollen die Kinder danach jeweils nur noch so Schule haben.» Vom dritten bis sechsten September fanden die «Strickhof Schultage» dieses Jahr unter dem Motto «Tiere auf dem Bauernhof» statt.

Schauen, zuhören, abwarten

«Heute müsst ihr mit allen Sinnen arbeiten», sagt Bosshard den Primarschülerinnen und -schülern. «Die Tiere kommen nur auf euch zu, wenn ihr erst einmal ruhig zuschaut, zuhört und vor allem abwarten könnt.» Für die Kinder sei es wichtig zu merken, dass es sich lohne, wenn sie geduldig mit den Tieren umgehen. Bei sechs verschiedenen Posten lernen sie jeweils ein anderes Tier kennen - durch Beobachten, Streicheln, Füttern und mit den zusätzlichen Infos der freiwilligen Helferinnen und Helfer.

«Es gibt immer einzelne, die keine Ahnung haben und einfach nur staunen, wenn sie hier sind.»Sabine Bosshard

«Was seht ihr?» heisst es am Anfang jedes Postens. Dann schnellen die Hände in die Höhe. «Die Esel fressen immer», «Eine Kuh ist besonders dick» und «Der Hund ist ja mega zutraulich» rufen die Kinder. Das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler sei sehr unterschiedlich, sagt Sabine Bosshard, die normalerweise an der Bäuerinnenschule unterrichtet. «Es gibt immer einzelne, die keine Ahnung haben und einfach nur staunen, wenn sie hier sind.» Besonders spannend finde sie es, wenn Kinder mit Migrationshintergrund die Tiere aus ihrer Heimat kennen würden. «Heute hat mir ein Junge erzählt, dass er zu Hause im Kosovo auch Hühner hatte.»

Eine Drittklässlerin freut sich besonders, als es in den Sauenstall geht: «Das ist das erste Mal, dass ich ein Schwein sehe.» Neu dürften auch einige Infos des Helfers sein. «Wusstet ihr, dass man früher aus den Borsten der Schweine Zahnbürsten gemacht hat?», fragt er in die Runde. Er erntet ein paar angeekelte Blicke. Was denn heute mit den Schweinen passiere, will eine Schülerin wissen. «Wenn sie keine Zuchtschweine sind, dann werden sie geschlachtet und gegessen.» Betretenes Schweigen, das von einem allgemeinem Jööö gebrochen wird, als die neugeborenen Ferkel plötzlich losquieken.

Die Ziege ist nicht zickig

Weiter gehts zum Posten mit dem Namen «Keine dumme Ziege». «Die Ziege ist eigentlich nicht zickig, sondern sehr bescheiden» erfahren die Kinder dort. Dann dürfen sie Joghurt und Käse aus Ziegenmilch probieren. Diese hatten sie so gerne, dass Bosshard sogar zweimal nachkaufen gehe musste.

Die wohl grösste Begeisterung lösen im Gegenzug die frisch geschlüpften Bibeli aus. Plötzlich wird es im Raum ganz still, als alle Kinder ein Küken in der Hand halten. Weniger erfreut zeigen sich die Küken, die etwas unglücklich piepsen, als sie ihre Wärmelampe verlassen müssen. «Wenn sie zu sehr zittern, müsst ihr sie wieder zurücklegen, gäll.»

Erstellt: 10.09.2019, 18:14 Uhr

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