Winterthur

Mehr Tempo 30, der Ruhe zuliebe

Lange wehrte sich der Stadtrat gegen Tempo 30 auf städtischen Durchgangsachsen. Jetzt aber muss er handeln, weil der Kanton Druck macht. Das bedeutet: Langsamer fahren auf Bachtelstrasse, Pflanzschulstrasse und Oberem Deutweg.

Weniger Tempo, weniger Lärm. Die Rechnung des Stadtrates ist einfach.

Weniger Tempo, weniger Lärm. Die Rechnung des Stadtrates ist einfach. Bild: Keystone

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Die Entscheidung des Stadtrats, weitere Strassen und Strassenabschnitte mit Tempo 30 zu signalisieren, basiert nicht primär auf Sicherheitsüberlegungen oder verkehrspolitischen Überzeugungen.

Dass nun auf vier Durchgangsstrassen das Tempo von 50 auf 30 reduziert wird, ist eine Folge der Lärmschutzverordung sowie der Vorgaben des Kantons.

Bereits signalisiert ist Tempo 30 auf der Talackerstrasse in Oberi, gestern waren die weiteren Abschnitte publiziert: Fast die ganze Pflanzschulstrasse von der Römerstrasse bis zur Deutweg-Kreuzung, die gesamte Bachtelstrasse (nicht nur im Veltheimer Dorfzentrum), der erste Abschnitt der Schaffhauserstrasse von der Wülflinger-Unterführung bis zur Einmündung Neuwiesenstrasse. Ebenfalls auf Tempo 30 umgestellt wird der Obere Deutweg (von der Eishalle bis zur Deutweg-Kreuzung).

Auch vielbefahrene Strassen wie der Obere Deutweg und die Bechtel- und Pflanzenschulstrasse werden nun zu Tempo-30-Strecken.

Die Florenstrasse bleibt 50

Überraschend kommt diese Anordnung nicht: Schon im letzten Sommer hatte der Stadtrat dieses Tempo 30-Paket angekündigt und dabei auch die Florenstrasse auf der Liste. Diese fiel nun bei der Überprüfung wieder weg, weil sich herausstellte, dass man zuvor von einem zu hohen Verkehrsaufkommen ausgegangen war.

Es bestehe auf dem Seemer Sonnenhügel «aktuell kein Handlungszwang», teilte der Stadtrat gestern mit. Was der Stadtrat nicht explizit schreibt: Sein Massnahmenpaket zur Lärmreduktion kommt leicht verspätet: Die Sanierungsfrist lief eigentlich im März 2018 aus.

Die genannten Tempo-30-Signalisationen sind gestern amtlich publiziert worden, jetzt läuft bis 22. Juni eine Frist, während der Verbände, Vereine, Parteien, aber auch Privatpersonen Einwendungen machen können. Passiert das, kann es zu Verzögerungen und langen juristischen Auseinandersetzungen kommen.

Im Falle von Tempo-30-Strassen in Zürich hat vor zwei Monaten letztlich das Bundesgericht entschieden – zugunsten der Stadt und im Sinne des Lärmschutzes.

Agil mobil: «Sehr unglücklich»

Ob die Motorfahrzeug-orientierte Vereinigung Agil-mobil eine Einsprache macht, sei noch offen, sagt deren Präsident, Christoph Magnusson. Dass die Florenstrasse aus dem Paket wegfiel, nimmt er mit Genugtuung zur Kenntnis. Mit einigen der neuen Tempo-30-Abschnitten könne man «zähneknirschend» leben, doch die Temporeduktion am Oberen Deutweg sei «sehr unglücklich», sagt er.

Es habe sich andernorts gezeigt, dass sich mit der Senkung von 50 auf 30 Stundenkilometer der Lärm kaum reduzieren lasse: «Mit 50 im vierten Gang macht ein Auto weniger Lärm als mit 30 im zweiten.» Er habe gehofft, dass der Stadtrat vermehrt auf Lärmschutzfenster statt auf noch mehr Tempo 30 setzen würde, sagt Magnusson.

Lärmschutzfenster subventioniert die Stadt mit 300 Franken, wo die Lärmsituation trotz Temporeduktion noch mehr Massnahmen nötig macht. Wird gar der Alarmwert erreicht, sind bis 550 Franken Unterstützung pro Fenster möglich.

Etwa ein Drittel aller Hausbesitzer, die in Frage kommen, haben laut Mitteilung Interesse an diesem Programm bekundet. Wie viele es letztlich sein werden, ist noch völlig offen.

Die Kosten für alle Massnahmen (Beschilderung, bauliche Anpassungen an den Strassen, Lärmschutzfenster) beziffert die Stadt mit 1,2 Millionen Franken.

Alle Pläne online ansehen

Baulich wird für den Moment nicht sehr viel geplant. Da und dort wird die Signalisation geändert: In Tempo-30-Gebieten gilt generell der Rechtsvortritt, also beispielsweise neu auch an der Kreuzung Pflanzschul-/Seidenstrasse. Verengungen oder Schwellen sind (abgesehen von bereits bestehenden wie an der Pflanzschulstrasse) auf den Plänen keine zu erkennen. Der eine oder andere Fussgängerstreifen verschwindet, jener zwischen Deutweg-Zentrum und Hallenbad wird um vier Meter versetzt.

In den Berichten und Massnahmenplänen ist aber die Rede davon, dass neue Massnahmen ergriffen werden sollten, falls das neue Temporegime nicht akzeptiert würde. Alle Situationspläne sowie die Berichte dazu sind unter stadt.winterthur.ch/strassenlaerm einsehbar. Erklärt wird auch das Einspracheverfahren.

Kein Thema dieser Lärmsanierungsetappe waren die kantonalen Hauptstrassen wie Zürcher-, Tösstal- oder Wülflingerstrasse. Diese gelten dank Lärmschutzfenstern bereits als saniert.

(Der Landbote)

Erstellt: 25.05.2018, 16:59 Uhr

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