Neuhegi

Migros bringt lokale Gastronomen in Nöte

Die Kantine an der Sulzerallee, wo sich Mitarbeiter vieler Firmen verpflegen, wird ab Juli von der Migros geführt. Die bisherigen Betreiber sind enttäuscht, dass ihr Vertrag nicht erneuert wurde. Sorgen machen sich auch Wirte am Eulachpark.

Aus dem früheren Ethno-Bistro (flaches Gebäude rechts) wird im Juli das Migros-Restaurant Werk 4. Links auf dem Bild die Sulzerallee.

Aus dem früheren Ethno-Bistro (flaches Gebäude rechts) wird im Juli das Migros-Restaurant Werk 4. Links auf dem Bild die Sulzerallee. Bild: Johanna Bossart

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Im Internet ist das Ethno-Bistro noch präsent, online hat der letzte Menüplan von 2017 überlebt: Weihnachtsmenü mit Züri- Gschnätzletem am Mittwoch, Chicken-Nuggets und Pommes am Donnerstag und am Freitag Ghackets mit Hörnli und Apfelmus. Das Ethno-Bistro in der Industriezone Neuhegi existierte rund 15 Jahre lang, und es war beliebt: 300 bis 400 Menüs gingen an Arbeitstagen raus, das Bistro war quasi die ausgelagerte Kantine der dortigen Firmen. Doch Ende 2017 war Schluss.

Kein neuer Mietvertrag mehr

Ab 2. Juli wird das Restaurant Werk 4 diese Rolle am selben Ort an der Sulzerallee übernehmen. Neue Gastgeberin ist die Migros. Die Migros Ostschweiz erweckt in ihrem Communiqué von gestern den Eindruck, als fülle sie lediglich eine Lücke, die dort herrsche. Fragt man bei den Betreibern des früheren Ethno-Bistros nach, tönt es anders: «Wir hätten unser Bistro gerne weitergeführt, wenn die Migros nicht den Zuschlag erhalten hätte», sagt Rainer Harttung, der Geschäftsführer der Ethno Catering AG: «Wir mussten sieben Personen entlassen und sind jetzt noch fünf Festangestellte.»

Besitzerin und Vermieterin der Lokalität ist die SGI, die Schweizerische Gesellschaft für Immobilien, ein Tochterunternehmen der Zürcher Intershop-Gruppe. Dort begründet man den Mieterwechsel so: «Die alten Mieter waren nicht interessiert am Weiterführen des Betriebs, und wir sind glücklich, dass nun die Migros ein langfristiges Konzept umsetzt.» Was nicht gesagt wird, aber wahrscheinlich ist: Die Migros kann einen bedeutend höheren Mietzins zahlen als das Ethno-Bistro.

Migros’ grosser Gastrohunger

Die Migros ist in der Tat schwer am Expandieren im Gastrogeschäft. Sie hat in Winterthur nicht nur zwei Chickerias eröffnet, sondern sucht auch im Bereich der sogenannten Gemeinschaftsgastronomie ständig nach neuen Möglichkeiten. An derUni und an der FachhochschuleSt. Gallen betreibt sie Mensa und Cafeterias, bei Stadler Rail in Bussnang und in Altenrhein sowie bei einigen weiteren Betrieben hat die Migros-Ostschweiz-Gemeinschaftsgastronomie bereits Fuss gefasst.

«Wir hätten das Bistro gerne weitergeführt.»Rainer Harttung, Geschäftsführer Ethno Catering

Zahlen über Umsatzentwicklung und Gewinn des Gastrobereichs gibt die Migros Ostschweiz nicht bekannt; national legte der Umsatz der Migros-Gemeinschaftsgastronomie in den letzten zwei Jahren um 16 und 3 Prozent zu.

Versprechen: Gesund & frisch

Nun werden also bald auch die Stadler-Leute in Winterthur, die Angestellten von Optimo, Burckhardt Compression und anderen Unternehmen Migros-mässig essen können. Man spreche insgesamt gegen 2000 Personen an, so die Migros, sich «frisch und saisonal» zu verpflegen «im schönen Neuhegi»; die Migros biete «genussvolle und gesunde Ernährung im Einklang mit Mensch und Natur». Dafür sorge im Werk 4 ein sechsköpfiges Team, das jeden Tag frisch vor Ort für 250 bis 300 Gäste kochen werde. Etwas mehr als eine Million Franken wurde investiert in eine neue Küche, den Gastraum, die Nebenräume sowie die Gartenbestuhlung.

Ethno organisiert sich neu

Wer lieber weiter auf die Kochkünste der Ethno-Gruppe vertraut, hat drei Möglichkeiten: Portolino, Take-away oder Catering. Das Portolino, das einstige Empfangshäuschen auf der anderen Seite der Sulzerallee, wird weiterhin von der Ethno Catering AG betrieben. Allerdings hat es nicht für 400 Gäste Platz, sondern bloss für 40. In den sechs ersten Monaten dieses Jahres während des Umbaus des neuen Restaurants haben Rainer Harttung und sein Personal zudem einen Take-away-Service aufgebaut, um für die Zukunft neben der Migros gerüstet zu sein. Und auch das Ethno Catering existiert weiter: Gekocht wird am selben Ort wie bisher an der Sulzerallee 32, man fokussiere sich heute indes «vermehrt auf Caterings ausser Haus». Doch ist dieser ­Geschäftszweig viel weniger beständig. Das gilt umso mehr, als auch die Migros ein eigenes Catering anbietet.

Die Sorgen der Gastronomen

Sorgen und Bedenken, was die Zukunft mit der neuen starken Konkurrentin Migros bringen wird, haben auch andere Wirte am Eulachpark: Es sind vier Restaurants sowie mehrere Take-aways. Stellvertretend für sie sagt Suad Zalic, der seit fünf Jahren das Restaurant in der Halle 710 betreibt: «Das kann für uns alle ein Riesenproblem werden. Mit den Möglichkeiten der Migros werden ganz sicher viele nicht mithalten können. Aber jetzt warten wir erst mal ab.» (Landbote)

Erstellt: 14.06.2018, 08:16 Uhr

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