Winterthur

«Mir gefallen einfach diese grossen Songs mit eingängigen Melodien»

Der ­Winterthurer Martin ­Deplazes veröffentlicht mit seiner Band Inuuk ihre erste EP «Rise». Der 27-Jährige über den schwierigen Weg zwischen Pop und Indie, ­Inuit-Paare und seine grosse Bühnenauftritte mit Pegasus.

Inuuk kennen sich vom Musikstudium: Gitarrist und Songwriter Martin Deplazes (rechts) mit Sängerin Hannah Bissegger und Bassist Marcel Frautschi.

Inuuk kennen sich vom Musikstudium: Gitarrist und Songwriter Martin Deplazes (rechts) mit Sängerin Hannah Bissegger und Bassist Marcel Frautschi. Bild: zvg

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Ihre Band Inuuk hat kürzlich ihre erste EP veröffentlicht. War es bis ­dahin ein langer Weg?
Martin Deplazes: Angefangen mit Songs schreiben habe ich 2015, danach spielten wir sie in verschiedenen Studios ein und arbeiteten seither an der Produktion. Es war es also schon ein eher langer Weg. Auch die Suche nach einem Label zog sich hin, bis wir entschieden, die EP in Eigenregie zu veröffentlichen.

Und das ausschliesslich digital?
Wir verkaufen eine kleine Auflage an CDs an Konzerten und setzen ansonsten auf digitale Plattformen. Physische Tonträger sind, zumindest in unserem Bereich, kaum mehr gefragt.

«Physische Tonträger sind kaum mehr gefragt.»

An Ihrer ersten Single «Good Days» fällt auf, wie radiotauglich sie tönt. Ist es Ihr Ziel, das breite Publikum anzusprechen?
Nicht aus einem strategischen Entscheid heraus. Mir gefallen einfach diese grossen Songs mit eingängigen Melodien. «Good Days» mag vielleicht radiotauglich tönen, aber dafür ist es am Ende ein doch zu schwieriger Mix: für das Mainstreamradio ist unsere Musik zu rock- und indielastig, und für Spartensender sind wir zu nahe am Pop.

Good Days heisst die neue Single der Band Inuuk.

Steht das für Sie in dieser ­Deutlichkeit fest?
Ja. Als jemand, der von der Musik lebt, beschäftige ich mich natürlich mit der Businessseite in der Musik, und im Rockbereich sieht man: Erfolg haben derzeit Bands mit einem Retro-Einschlag, sowohl in der Schweiz als auch weltweit. Und jetzt kommen wir mit einem Electro-Rock-Verschnitt. Damit sind wir in einer Nische.

Was bedeutet der Bandname?
Das Wort Inuuk fiel mir zu und gefiel mir. Erst die Google-Suche zeigte mir die Bedeutung in Inuktitut, der Sprache der Inuit: Inuk ist die Einzahl von Inuit, und Inuuk steht für zwei Menschen. Dieser sogenannte Dual sagte mir zu, auch weil meine Texten oft von zwischenmenschlichen Fragen und Konflikten handeln.

«Mit unserem Electro-Rock-Verschnitt sind wir in einer Nische.»

Sie sind Winterthurer, Inuuk ist eine Zürcher Band. Wie ist sie zustande gekommen?
Meine Bandkollegen Marcel Frautschi und Hannah Bissegger kenne ich von meinem Studium an der Zürcher Hochschule der Künste, wo ich im Sommer meinen Pop-Master abschliesse. Live werden wir begleitet vom Winterthurer Mattia Ferrari von Mama Jefferson und von Luca Burkhalter von Baba Shrimps, bei denen ich wiederum bis vor einem Jahr engagiert war.

Wie viel vom fertigen Song steht schon fest, wenn Sie ihn in der Band einbringen?
Im Vergleich zu anderen Bands eher viel, auch weil ich ausführliche Demos mitbringe und am Ende die Produktion ausführe. Aber natürlich bringt sich im Prozess jedes Bandmitglied ein und die Songs wandeln sich. Und manchmal verwerfen wir eine Idee ganz, wenn sie nicht funktioniert, und schreiben den Song neu.

Gibt es Vorbilder?
Keine konkreten, viel eher ist es eine Mischung aus verschiedenen Einflüssen. Musikalisch spricht mit beispielsweise Bring Me the Horizon aus England an: Die Band kommt ursprünglich aus dem Metalcore, ist aber offen für Einflüsse aus Electro und Industrial Rock. Von den Texten her mag ich, was der deutsche Rapper Casper auf der emotionalen Ebene schafft, oder das Album von Stephan Eicher mit dem Autoren Martin Suter.

Vielfältige Einflüsse also.
Ja, mich interessiert sehr, sehr vieles aus allen möglichen Stilrichtungen. Ich will auch kein bestimmtes Genre bedienen, sondern mit der Musik berühren, Emotionen auslösen. Und dafür gibt es verschiedene Zugänge.

«Ich will kein bestimmtes Genre bedienen, sondern mit der Musik berühren, Emotionen auslösen.»

Seit Anfang 2017 sind Sie als ­Livemusiker bei Pegasus engagiert, einer der erfolgreichsten Schweizer Popbands. Was ­bedeutet Ihnen das?
Mit Pegasus konnte ich auf den ganz grossen Bühnen im Land spielen, etwa im Stade de Suisse vor 40 000 Menschen. Ich habe dabei viel gelernt. Alles ist noch ein Schritt professioneller und grösser, als ich das vorher kannte. Die Musiker sind wahnsinnig gut, ehrgeizig und zielgerichtet. Ich habe hautnah miterlebt, warum diese Band dort ist, wo sie ist, und das schon seit Jahren.

Und Inuuk und Pegasus sind nur zwei Ihrer Projekte.
Und mit dem Studium dazu ist meine Zeit tatsächlich sehr gut ausgefüllt. Ich gebe noch ein paar Gitarrenlektionen und bei der Luzerner Americana-Band Noan bin ich in der grossen Live-Formation dabei. Bei weiteren Projekten bringe ich mich vor allem als Produzent ein. Beispielsweise für Ginger and the Alchemists aus Winterthur. Deren erste Single ist ebenfalls gerade erschienen.

www.inuukmusic.com (Der Landbote)

Erstellt: 03.01.2018, 13:07 Uhr

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