Fachkräftemangel

Mit Notlösungen ins Schuljahr gestartet

Der Deutsch-Stützunterricht ist für die Integration von fremdsprachigen Kindern enorm wichtig und gehört zum Pflichtangebot der Schulen. Doch die Stellen mit Fachpersonal zu besetzen, erweist sich für einzelne Schulkreise als Dauerproblem.

Die Stühle bleiben oben, in mehreren Schulhäusern in Winterthur fehlt das Lehrpersonal für den Deutsch-Stützunterricht.

Die Stühle bleiben oben, in mehreren Schulhäusern in Winterthur fehlt das Lehrpersonal für den Deutsch-Stützunterricht. Bild: jb

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In den Schulhäusern und Kindergärten einzelner Schulkreise herrscht akuter Mangel an Lehrpersonen, die Deutsch als Zweitsprache (DAZ) unterrichten. Bekannt waren offene Stellen bis gestern in den Schulkreisen Oberwinterthur und Stadt-Töss, wie die zuständigen Schulpflegepräsidien bestätigen. In Oberwinterthur herrscht zudem in der Logopädie ein Versorgungsengpass. Im Schulkreis Stadt-Töss «sind in einem Kindergarten sieben DAZ-Lektionen nicht besetzt», sagt die zuständige Schulkreispräsidentin Chantal Galladé. «Wir konnten das Problem aber bis zu den Herbstferien mit einer temporären Lösung überbrücken.» In der dritten Primarklasse Hegifeld konnte laut Christoph Baumann, Präsident der Schulpflege Oberwinterthur, erst kürzlich eine noch fehlende Fachperson aufgeboten werden. Auch dort hätte ab 16. September eine temporäre Lösung mit einer Klassenassistentin ausreichen müssen.

Gestartet wurde das Schuljahr im Hegifeld ohne DAZ-Unterstützung, obwohl ein Anrecht besteht für Kinder mit mangelhaften Deutschkenntnissen, wie Eltern kritisieren. «Leider ist es aber so«, erklärt Baumann die Situation, «dass momentan insbesondere der DAZ-Lehrstellenmarkt ausgetrocknet ist».

Dass die Stellenbesetzung bei den Stützfächern besonders schwierig ist, sei der anspruchsvollen Planung geschuldet, heisst es beim Volksschulamt des Kantons Zürich: Erst müsse der Bedarf an Zusatzunterricht geklärt werden, und die Niveaus der Kinder, welche DAZ-Unterricht benötigten, seien sehr unterschiedlich. «Einige Kinder lernen schnell und brauchen nach kurzer Zeit keinen Zusatzunterricht mehr, andere hingegen brauchen länger als erwartet.» Dazu veränderten auch die nicht voraussehbaren Zu- und Wegzüge von Kindern mit Migrationshintergrund den Bedarf an DAZ-Lehrpersonen. In der Tat sei die ­Situation sehr volatil, bestätigt Galladé.

Im Kreis Seen-Mattenbach konnten die lange Zeit offenen Stellen gerade noch rechtzeitig besetzt werden, wie Schulpflegepräsidentin Martha Jakob sagt. «Wir sind gar in der glücklichen Lage, eine langfristige Lösung gefunden zu haben.» Selbstverständlich sei das aber nicht.

Nicht mehr wählerisch

Die Schulgemeinden sind gemäss Volksschulgesetz verpflichtet, DAZ-Unterricht anzubieten. Sie klären den Bedarf und stellen in eigener Kompetenz die nötige Zahl der DAZ-Lehrpersonen ein. Doch dies ist einfacher gesagt als getan. Weshalb sie improvisieren und auf temporäre Lösungen zurückgreifen müssen, bis sie die Stellen besetzt haben. Irgendwie finde sich immer eine Lösung, doch die Schulleitungen könnten «nicht mehr wählerisch» sein, ist aus einem betroffenen Schulkreis zu hören.

Faktisch müssen also Notlösungen gefunden werden. Den Begriff hört man im Volksschulamt allerdings nicht gerne, es wird lieber von «Überbrückungslösungen» gesprochen, und Amtschefin Marion Völger betont den Qualitätsanspruch. «Es wäre nicht zulässig, den DAZ-Unterricht an Personen ohne pädagogische Ausbildung zu delegieren», sagt sie. Um die prekäre Situation abzufedern, dürften die Schulen aber Lehrpersonen ohne Zusatzausbildung befristet auf drei Jahre einsetzen, «vorausgesetzt, dass sie in dieser Zeit die Ausbildung nachholen».

250 Abschlüsse pro Jahr

Und diese ist nicht zu unterschätzen, setzt sie doch ein Hochschuldiplom voraus. Erworben wird es im Kanton Zürich an der Pädagogischen Hochschule (PHZH), der Hochschule für Heilpädagogik (HFH) und am Zürcher Institut Unterstrass. Jährlich schliessen rund 250 Lehrpersonen die Zusatzausbildung ab. Nur ein Bruchteil der insgesamt 16000 aktiven Lehrpersonen im Kanton Zürich ist also befugt, DAZ-Unterricht zu erteilen beziehungsweise die Sprachkenntnisse der Schulkinder zu beurteilen und deren Bedarf an Zusatzunterricht abzuklären.

Ein bisschen Hoffnung, dass sich die Lage entschärft, erlaubt die HFH, die mit durchschnittlich 145 Abschlüssen die meisten DAZ-Lehrpersonen ausbildet: Aufgrund der grossen Nachfrage will sie neu zusätzliche Weiterbildungsmodule anbieten.

Erstellt: 12.09.2019, 18:02 Uhr

Artikel zum Thema

Ein wichtiger Schritt im Leben

Fokuswoche Berufswahl Viele Oberstufenschülerinnen und -schüler machen sich gerade wieder auf die Suche nach einer Lehrstelle. Der «Landbote» schenkt dem Thema diese Woche besondere Aufmerksamkeit. Hier finden sie alle Artikel der Serie. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles