Winterthur

Neue BMX-Rennstrecke zu teuer für Winterthur

Die Pläne einer profitauglichen BMX-Rennstrecke sind vom Tisch. Auch, weil die Stadt keine drei Millionen einschiessen will.

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In welcher Sportart stellt Winterthur schweizweit seit Jahren die meisten Talente, die auch international vorne mithalten? Im Handball? Im Unihockey? Im BMX! Roger Rinderknecht (Nati-Trainer ad interim, Europameister 2003, vierfacher Schweizermeister) und David Graf (Dreifacher Schweizermeister, WM-Bronze 2015) sind die zwei bekanntesten Gesichter. Beide sind Winterthurer Sportler des Jahres geworden und starteten an Olympia für die Schweiz. Und mit Cédric Butti (20), dem Junioren-Welt- und Europameister von 2017, fährt heute ein weiteres Toptalent für den BMX-Club Powerbike Winterthur. Auf dessen BMX-Anlage im Dättnau trainiert das Gros der Elite aus der ganzen Deutschschweiz.

Der Verein wollte die Stecke komplett neu bauen, um künftig wieder internationale Wettkämpfe austragen zu können, um Top-Shots, aber dem gesamten Nachwuchs eine zeitgemässe Anlage bieten zu können, mit grösseren Kurvenradien, aber vor allem mit einer jeweils fünf- und acht Meter hohe Startrampe. Das neue Clubhaus, so die Pläne, hätte man in der Rampe versenkt, bei der Tribüne hätte man es bei terrassierten Sitzplätzen belassen können. Graf hatte seinen Lebensmittelpunkt nach Stuttgart verschoben, um dort zu trainieren, der nächstgelegenen Profi-Strecke. Momentan bereitet er sich in Australien für die Saison vor, in der Nähe von Melbourne.

Kosten explodierten

Schon vor fünf Jahren setzte der Verein eine Baukommission ein, welche die neue Anlage plante. Mit dabei waren auch Graf und Rinderknecht, die schon mehrere BMX-Bahnen gebaut hatten, wenn auch kleinere. Projektkosten hier: rund 800'000 Franken. Die Stadt war bereit, 300'000 Franken einzuschiessen. Das Geld war bereits im Budget 2017 eingestellt.

«Die Baupolizei machte uns beliebt, das Projekt von einem lokalen Architektenteam nochmals professionell ausarbeiten zu lassen»David Graf

Doch die Probleme begannen bereits vor der Baueingabe. «Die Baupolizei machte uns beliebt, das Projekt von einem lokalen Architektenteam nochmals professionell ausarbeiten zu lassen», erzählt Graf. Gemäss Dave Mischler, dem Leiter des Sportamts, war das Planerteam bei den Kosten «total daneben» gelegen. Allein die neuen Pläne kosteten 50'000 Franken, und vor allem: Die Gesamtkosten versechsfachten sich auf rund fünf Millionen Franken. Das Projekt war inzwischen bewilligungsfähig, aber viel zu teuer. Drei Millionen Franken hätte die Stadt nun einschiessen sollen. «Das lag für den Stadtrat im Rahmen des Gesamtüberblicks über alle Investitionen nicht drin», schreibt Sportvorsteher Jürg Altwegg (Grüne) auf Anfrage. Im letzten Sommer erteilte er den Initianten eine Absage. Gleichzeitig hält Altwegg fest, ein Zustupf von 300'000 Franken sei nach wie vor möglich, doch das reicht bei weitem nicht aus.

Vorzeichen ungünstig

Der Powerbike Winterthur steht damit vor einem Scherbenhaufen. Denn am heutigen Standort zu planen, ist inzwischen ungünstiger und komplizierter denn je. Auf dem Ziegelei-Areal entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft eine Siedlung mit knapp 80 Wohnungen, und ohnehin ist der Platz knapp, für einen grosszügigen Um- und Ausbau. Der neue Vorstand unter Präsident Valentin Steiner setzt sich diesen Samstag zusammen, um zurück-, aber auch nach vorne zu blicken, sagt Steiner. «Von der Stadt erwarten wir keinen grösseren Betrag mehr.» Man starte neu und ohne Groll. Nun saniere man halt vorerst einzelne Kurven, wo der Asphalt langsam rissig wird.

Kein Bauland mehr

David Graf, die Schweizer BMX-Hoffnung für Tokyo in diesem Sommer, wird nach Olympia seine Karriere beenden und Roger Rinderknecht als Nationaltrainer ablösen. «Dann werde ich mich dem Thema intensiver widmen, einen Standort für eine Anlage zu finden, auf der Profis und der Elite-Nachwuchs auf höchstem Niveau trainieren können» sagt er.

Winterthur, das muss auch Sportamtchef Mischler konstatieren, wird es wohl nicht sein. Es gebe schlicht kein freies Bauland mehr für eine zwei bis drei Fussballfelder grosse Anlage. Der Blick geht in den Thurgau, nach Weinfelden. Dort wurde vor knapp zwei Jahren ein neuer Einsteiger-Track auf einer Sportanlage am Stadtrand eingeweiht, in einer Zone für öffentliche Bauten mit reichlich Landreserven.

Erstellt: 16.01.2020, 17:56 Uhr

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