Winterthur

«Nicht Pommes frites bringen uns Geld, sondern Eintritte»

Sommerzeit – ­Badizeit: Die Saison lief gut an, sagt der Wülflinger Badichef. Personalsorgen treiben ihn nicht um, dafür Wasser­pistolen und Unterhosen.

Urs Bösch hat gut Lachen – das anhaltend schöne Wetter sorgt für Andrang in der Badi Wülflingen.

Urs Bösch hat gut Lachen – das anhaltend schöne Wetter sorgt für Andrang in der Badi Wülflingen. Bild: Enzo Lopardo

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Wie läuft die Saison bis jetzt?
Urs Bösch: Gut, wir haben immer Leute, bis 700 Eintritte am Tag.

Teilweise war es etwas windig und auch kühl. Da brechen die Zahlen doch sicher ein.
Das macht schon etwas aus. Wenn man den Wind spürt, geht man eher nicht in die Badi. Pumpenvoll ist das Bad dann, wenn es drei Tage lang schön ist und idealerweise noch etwas schöner und wärmer wird mit der Zeit.

Sie sind dem Wetter ausgeliefert. Was können Sie überhaupt tun, um Gäste anzulocken?
Man muss den Kontakt pflegen. Wenn die Leute den Badmeister oder die Kassierin kennen, kommen sie eher einmal in die Badi, wenn das Wetter nicht super ist.

«Wenn die Leute den Badmeister oder die Kassierin kennen, kommen sie eher einmal in die Badi, wenn das Wetter nicht super ist.»

Was machen Sie genau?
Es gibt eine Ecke mit Italienern, da geht auch die Belegschaft einmal hin zum Kaffeetrinken. Und mit den älteren Herren der Sauna bräteln wir einmal im Monat.

Die Quartierbäder sind ­Genossenschaften, während das Geisi von der Stadt betrieben wird. Profitieren Sie überhaupt, wenn Sie viele Eintritte haben?
Ja, pro Eintritt gibt es einen Punkt. Am Ende erhält jede Badi je nach ihrem Besucheranteil Geld. Darum schauen wir, dass jeder sein Billett auch entwertet, auch Gruppen und der, der den Kinderwagen hineinfährt.

Haben Sie Geldsorgen?
Nein, wir sind gut aufgestellt. Uns hilft, dass wir eine Sauna haben und eine Blockhütte, die wir vermieten. Und gibt es einen ganz schlechten Sommer, so haben wir Reserven.

Sind Pommes frites und Wurst wichtiger als die Eintritte?
Nein. Wir vermieten das Restaurant an einen Betreiber. Die Miete schwankt, weil sie zum Teil von den Eintrittszahlen abhängt.

«Wülflingen ist noch ein bisschen ein Dorf, man kennt sich.»

Der Stadtrat denkt an eine Übernahme der Quartierbäder, weil diese keine Leute mehr finden.
Wir haben derzeit kein Problem. Wülflingen ist noch ein bisschen ein Dorf, man kennt sich. In Töss, wo man derzeit einen Präsidenten sucht, ist das schon schwerer.

Da geht es um den Vorstand. Das Personal ist ja normal bezahlt.
Ja. Ich als Betriebsleiter arbeite 100 Prozent übers ganze Jahr, mit viel Überzeit im Sommer. Die zwei Bademeister arbeiten im Sommer voll, die drei Kassierinnen im Stundenlohn. Bei schlechtem Wetter bleiben sie zu Hause und ich springe ein. Eine Kassierin kann zwischen null und 4000 Franken im Monat verdienen.

Kein Job für eine Mutter, die ein fixes Einkommen benötigt.
Nein. Alle Kassierinnen arbeiten im Winter noch in der Eishalle.

Wir alle wünschen uns einen Supersommer. Aber in der Badi gibt es dann sicher mehr Zoff?
Ja, schon. Ich bin auch ein Streitschlichter. Man muss Augenmass haben, einiges auch laufen lassen. Es ist ja nicht schlimm, wenn Kinder mit Wasserpistolen aufein­ander schiessen. Mühsam wird es oft erst, wenn sich die Mütter einschalten und fordern: «Sie müssen das verbieten!»

Welche Verbote setzen Sie durch?
Man darf nur allein auf dem Trampolin springen, wegen der Unfallgefahr, und nicht auf der Rutschbahn stehen, um nicht ­herauszufallen. Und man darf sich nicht an die Wasserleinen hängen. Die gehen so kaputt, ­brechen die Wellen nicht mehr und es stört die Schwimmer.

Tönt nach einem Aufpasserjob.
Es ist nicht so schlimm. Man spürt generell den Stresspegel der Leute. Vor den Sommerferien sind viele reizbar, vermutlich im Abschlussstress. Auch Medienberichte spielen eine Rolle.

«Ich bin auch ein Streitschlichter. Man muss Augenmass haben»

Wie denn?
Wenn man übers Fotografieren mit dem Handy liest, habe ich ­danach Gäste, die sich beschweren, fotografiert worden zu sein.

Ein weiteres solches Thema sind die Unterhosen, die Burschen unter der Badehose tragen.
Ja. Einige meinen, dass Unter­hosen aus Baumwolle dem Becken Wasser entziehen. Das ist aber nicht schlimm, weil das Wasser ja laufend ersetzt wird.

Warum baden Leute überhaupt mit Unterhosen an?
Gute Frage. Junge tragen im Sommer Shorts mit Unterwäsche und machen es bei Badehosen einfach gleich. Und es gibt Badehosen ­ohne Innenhosen, bei denen sich aussen alles abzeichnet. Da schämen sich die Jungen.

Sie scheinen die Unterhosen nicht so zu stören?
Eigentlich nicht. Man sollte die Unterwäsche einfach nicht sehen, weil es halt verboten ist. Manche finden das grusig, ich muss aber sagen: Als ich ein Kind war, erwischte meine Mutter beim Waschen vielleicht alle drei ­Monate einmal meine Badehose. Es kann also gut sein, dass Unterhosen sauberer sind als Badewäsche.

(Der Landbote)

Erstellt: 13.07.2018, 10:49 Uhr

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