Winterthur

Nicht das Wasser, sondern der Weg zum Wasser steht im Fokus

20 Jahre nach der Abstimmung über den Waldeggsee präsentiert Künstler und Visionär Erwin Schatzmann ein neues Wasser-Projekt und hofft auf viel Unterstützung.

Wenn es nach Erwin Schatzmann geht, könnte dereinst ein Wanderweg entlang der Bahnschienen zum Tössknie führen.

Wenn es nach Erwin Schatzmann geht, könnte dereinst ein Wanderweg entlang der Bahnschienen zum Tössknie führen. Bild: Marc Dahinden

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Klimawandel hat für Erwin Schatzmann nicht nur mit dem Anstieg der Celsiustemperaturen zu tun. Das zwischenmenschliche Klima sei genauso wichtig und gehöre mit in die Diskussion über unser Gesellschaftssystem. «Dazu gehören auch unsere Gesundheit, unsere Möglichkeiten für Bewegung, Orte, an denen wir uns aufhalten, an denen wir mit Freunden auftanken können.» Ganz wichtig sei ihm, dass künftig die Bedürfnisse von Fussgängerinnen und Fussgängern, die heute neben dem motorisierten Verkehr wie eine Randgruppe behandelt würden, mehr Priorität erhalten.

Mit dem Projekt Waldeggsee war er 1999 der Zeit wohl etwas voraus. «Der See wäre eine Schöpfung gewesen», sagt Schatzmann. Und aus Sicht der Bevölkerung wohl einfach eine zu grosse Kiste. Nun gehe es nicht mehr darum, ein Gewässer zu gestalten, sondern den Weg zum bereits vorhandenen Wasser, der Töss, aufzuwerten.


So soll der Weg verlaufen. Es sei dies der direkteste Weg zum Gewässer, sagt Erwin Schatzmann.

Die neue Künstlerausstellung in der GalerieOxyd, die heute eröffnet wird, gibt ihm die Gelegenheit, seine Wanderweg-Idee vorzustellen. «Vom Zentrum aus ist das Gewässer kaum zu finden, der direkteste Weg wäre vom Bahnhof beim Salzhaus entlang der Bahnschienen Richtung Zürich». Das zirka zwei Kilometer lange Wegstück böte reichlich Platz, an wenigen Stellen wäre ein Eingriff bei den SBB-Abstellgleisen nötig.

Politik begeistern

Mit den Verantwortlichen der SBB ist er noch nicht ins Gespräch getreten. «Für das Lobbying müssten andere helfen». So will er demnächst mit den verschiedenen politischen Parteien diskutieren, ob sie für eine Unterstützung zu haben sind. Das Projekt sei nicht allein als Klimaprojekt zu verstehen, also nicht nur für die Grünen und Linken interessant. «Auch Bürgerliche könnten am Projekt Gefallen finden», ist er überzeugt. Es biete Einwohnerinnen und Einwohnern ein zusätzliches Freizeitangebot und es werte die Lage für allfällige Wohnüberbauungen auf. Die Interessen müssten sich überhaupt nicht widersprechen, so Schatzmann.

«Ideen, welche die Lebensqualität in Winterthur verbessern, grundsätzlich positiv gegenüber.» Beat Kunz, Leiter Stadtgrün

Beat Kunz, Leiter von Stadtgrün, steht zwar «Ideen, welche die Lebensqualität in Winterthur verbessern, grundsätzlich positiv gegenüber.» Allerdings sieht er «einen massiven Zielkonflikt» mit dem Projekt «Brüttemer Tunnel» der SBB. Im angedachten Perimeter seien das Überwerfungsbauwerk und Betriebsinfrastrukturen für den Tunnel vorgesehen. Er zweifle daher an der Realisierbarkeit von Schatzmanns Projekt.

Mit vielen Möglichkeiten

«Der Grundgedanke allerdings», betont Kunz, «unsere Naherholungsräume in der Gartenstadt für Fussgängerinnen und Fussgänger noch besser zu vernetzen und die Verbindungen qualitativ aufzuwerten, ist ein Schwerpunkt, den wir bereits selber angedacht haben.» Er sei bereits im Gespräch mit anderen involvierten Verwaltungseinheiten. Über die Details will sich Kunz jedoch nicht äussern.

Bei House of Winterthur, das für die Vermarktung der touristischen Angebote Winterthurs zuständig ist,stösst die Idee laut dem Tourismusverantwortlichen Markus Gilgen auf Interesse. Erlebniswege bereicherten das touristische Angebot, sagt er, und sieht dabei auch die Chance, mittels interaktiver Informationselemente zu Bildung und Nachhaltigkeit beizutragen. «Greifbare Informationen und ergänzende Interaktionen bieten Spass und Wissen für Gross und Klein und sorgen für eine spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema Wasser.»

«5W statt 5G»Erwin Schatzmann

Für Schatzmann, der vor seinem geistigen Auge das Areal vor dem Salzhaus als Einstieg für den Wanderweg-inklusive Park und Wasserfläche sieht, hat also Grund zu hoffen, dass aus seiner Idee ein realisierbares Unternehmen werden könnte. Zumindest GLP-Kantonsrat Michael Zeugin, der vom Projekt bereits Wind bekommen hat, sieht im Brüttemer Tunnel kein Hindernis. «Da geht es um ein Milliardenprojekt», sagt er. «Es werden sich doch sicher Lösungsmöglichkeiten für die Fussgängerabschnitte finden.» Überhaupt berge der Wasserweg weitere Chancen, «zum Beispiel könnte die Möglichkeit einer Veloschnellstrasse direkt zur Badi Töss geprüft werden».

Bei Schatzmann liegt der Fokus vorläufig noch bei der Langsamkeit. Passend und als ruhender Gegenpol zum aktuell diskutierten Internet-Technologie-Upgradehat er dem Projekt bereits einen Slogan verpasst: «5W statt 5G», die fünf G stehen für «Winti-Wunder-Wander-Wasser-Weg». (Landbote)

Erstellt: 17.05.2019, 16:13 Uhr

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