Winterthur

Noch keine neuen Schulweghilfen nach der Kehrtwende des Stadtrats

Im Frühling entschied der Stadtrat, dass er betreute Strassenübergänge nun doch sinnvoll findet. Neue Schulweghilfen lassen aber auf sich warten.

Ab wann die Anzahl der Schulweghilfen in Winterthur erhöht wird, ist nach wie vor nicht klar.

Ab wann die Anzahl der Schulweghilfen in Winterthur erhöht wird, ist nach wie vor nicht klar. Bild: mad

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In der Stadt Winterthur werden Kindergärtler und jüngere Schukinder bei sechs gefährlichen Strassenübergängen von sogenannten Schulweghilfen unterstützt. An dieser Zahl hat sich seit letztem Frühling nichts geändert, wie eine Anfrage des «Landboten» zeigt.

Zwar hat das Schuldepartement im Fall der Schule Rebwiesen an der Schlosstalstrasse auf dieses Schuljahr hin eine Schulweghilfe genehmigt, doch dort war auch schon vorher auf Kosten der Stadt ein privater Anbieter stationiert.

Dass das Schuldepartment nicht von sich aus aktiv wird und in der Zwischenzeit mehr Übergänge gesichert hat, dürfte manche Eltern erstaunen. Denn im Frühling stellte der Stadtrat eigentlich überzeugt fest, dass Schulweghilfen ein gutes und günstiges Instrument seien, um die Verkehrssicherheit für die Kinder zu erhöhen.

In einem Stadtratsbeschluss wurde eingeräumt, dass es in der Stadt weitere ungesicherte Übergänge gebe, welche «Kindergartenkinder kognitiv überfordern».

Nur ein halbes Ja?

Er vollzog damit eine bemerkenswerte Kehrtwende, sparte die Regierung doch seit 2015 den ehemaligen Lotsendienst bei 14 Übergängen weg und hatte dasselbe auch mit allen Schulweghilfen vor. Letztere laufen im Gegensatz zu den Lotsen nicht über die Strasse mit sondern geben vom Trottoir aus Hilfestellung.

«Uns geht es nicht darum, in der Stadt Winterthur möglichst viele Schulweghilfen zu haben, sondern dass die Schulwege für die Kinder so sicher wie möglich werden.»

War also das Ja zu den Schulweghilfen im Frühling nur ein halbes Ja? Darauf angesprochen schreibt Schul-Stadtrat Jürg Altwegg (Grüne): «Uns geht es nicht darum, in der Stadt Winterthur möglichst viele Schulweghilfen zu haben, sondern dass die Schulwege für die Kinder so sicher wie möglich werden.» Altwegg verweist auf die Stadt Zürich, wo es gar keine Schulweghilfen gebe.

Und im Bezug auf eventuelle neue Schulweghilfen verweist Altwegg auf eine laufende externe Analyse. Für 210'000 Franken lässt die Stadt derzeit die Firma Basler & Hofmann nach Schwachstellen im Winterthurer Fuss- und Veloverkehr suchen. Dabei geht es neben vielen anderen Verkehrsthemen auch um Übergänge für Schulkinder.

Doch es wird dauern, bis Ergebnisse vorliegen und allenfalls auch gehandelt wird. Die Massnahmeplanung soll nicht vor Ende 2020 vorliegen. In der Zwischenzeit hat die Stadt auch die Bevölkerung aufgerufen, Schwachstellen zu melden. Auf der App Stadtmelder finden sich denn auch zahlreiche Einträge, einige betreffen besonders gefährliche Stellen für Schulkinder.

Ein verborgenes Dokument

Was aber nur wenige wissen: Es gibt noch einen anderen, direkteren Weg, sich für eine Schulweghilfe stark zu machen und damit eventuell schneller ans Ziel zu kommen. So hat die Zentralschulpflege im Sommer ein Dokument mit dem Namen «Prozessablauf Verkehrssicherheit» aufgeschaltet. Demnach können Schulweghilfe-Begehren aus der Bevölkerung an die Schulleitung oder direkt ans Kreisschulpflege-Präsidium gerichtet werden. Dieses prüft das Anliegen und reicht es je nach Resultat weiter bis zu Schulvorsteher Jürg Altwegg.

Über diesen Ablauf wurde allerdings nie informiert. Auch die IG Elternräte, die Dachorganisation der Elternräte und Elternforen der Stadt, hatte bis zur Anfrage des «Landboten» keine Kenntnis von dem Dokument und der möglichen Vorgehensweise.

Allein am Unteren Deutweg

In der aktuellen Situation scheint die Verteilung von Schulweghilfen mindestens etwas willkürlich. So durfte das Tössemer Schulhaus Rebwiesen nach einem langen Kampf (siehe Infobox) die Schulweghilfe behalten. Als wichtigstes Argument galt das hohe Verkehrsaufkommen auf der Schlosstalstrasse von 8000 Fahrzeugen täglich.

Anders sieht es beispielsweise beim Unteren Deutweg im Mattenbach-Quartier aus. Links und rechts der Strasse finden sich in wenigen Hundert Meter Umkreis zwei Schulhäuser und Kindergärten. Entsprechend viel ist jeden Morgen auf den Trottoirs und Fussgängerstreifen los.

Und auch auf der Strasse: Etwa 14'000 Fahrzeuge fahren hier täglich durch, das besagt zumindest eine Messung von 2015 etwas oberhalb bei der Breitestrasse. Ganz genau kann es das Tiefbauamt nicht sagen, denn das Amt darf seit 2013 keine systematische Verkehrszählungen mehr durchführen. Auch das ist eine Folge der damaligen Sparpolitik.

Bis vor wenigen Jahren standen am Unteren Deutweg noch in aller Selbstverständlichkeit Lotsen. Doch zumindest aktuell sind keine Schulweghilfen eingeplant, und auch die erst vierjährigen frischgebackenen Kindergärtler bleiben trotz eventueller «kognitiver Überforderung» weiterhin auf sich alleine gestellt.

Erstellt: 02.10.2019, 14:25 Uhr

Gewinner des «Lotsen-Streits» machen ein Fest

Städtische Schulweghilfen sind heute an der Tösstalstrasse (Höhe Fotomuseum), an der Kreuzung Breitestrasse/Turmstrasse, am Lindenplatz, an der Lindstrasse vor dem Kindergarten sowie an der Kreuzung Frauenfelderstrasse/Talackerstrasse zu finden. Und hochoffiziell seit August auch wieder an der Schlosstalstrasse beim Tössemer Schulhaus Rebwiesen.

Dort fand am Mittwochmittag ein grosses Fest statt, organisiert vom Elternrat. Dieser sagte dem Stadtrat vor drei Jahren dem Kampf an und ging schliesslich als Gewinner aus dem «Lotsen-Streit» hervor. Ein unabhängiges Gutachten der Beratungsstelle für Unfallverhütung klärte ein für allemal, dass der Übergang an der Schlosstalstrasse für vier- und fünfjährige Kinder nicht zumutbar sei.

Aufgrund der Studie kam es zum Meinungswechsel im Stadtrat und es wurde nun die Schulweghilfe dieses Jahr offiziell eingeführt, nachdem ein Jahr lang ein privater Dienst übernehmen musste. Gleichzeitig wurde ebenfalls wegen des Widerstands aus Töss das ganze Dossier vom Sicherheitsdepartement von Barbara Günthard-Maier (FDP) ins Schuldepartement von Jürg Altwegg (Grüne) überführt. Wer nun eine Schulweghilfe beantragen will und Unterstützung braucht: Der Elternrat Rebwiesen hilft gerne mit dem über die Jahre gesammelten Fachwissen, wie es auf Anfrage heisst.

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