Stadtpolizei

Normalisierung im Polizei-Kader verursacht zusätzliche Kosten

Bald sind bei der Stapo wieder alle Führungsposten besetzt. Nach dem Ausbau an der Front soll nun auch im Büro aufgestockt werden.

Die Stapo-Geschäftsleitung ist wieder vollzählig, laut einem Bericht fehlt aber andernorts noch Personal.

Die Stapo-Geschäftsleitung ist wieder vollzählig, laut einem Bericht fehlt aber andernorts noch Personal. Bild: Marc Dahinden

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Die vielen Krankheitsfälle und Abgänge in der Geschäftsleitung der Stadtpolizei sorgten über Winterthur hinaus für Schlag­zeilen. Mit Neueinstellungen und Sofortmassnahmen soll die Führungskrise überwunden werden.Gestern teilte das Sicherheitsdepartement von Stadträtin Barbara Günthard (FDP) mit, dass vier Spitzenpositionen besetzt werden konnten; darunter ist die neu geschaffene Stelle des stellvertretenden Kommandanten, die ein früherer Stapo-Zürich- und Swiss-Re-Mitarbeiter übernimmt (siehe Kasten). Bei zwei weiteren Positionen steht man kurz vor der Unterzeichnung der Arbeitsverträge – damit wären wieder sämtliche Stellen besetzt.

Kommandant: «Nach harter Zeit bessert sich die Lage»

Die neuen Kadermitglieder, die ihre Arbeit teilweise bereits an­getreten haben, würden im Korps Zuversicht verströmen, sagt Kommandant Fritz Lehmann. «Wir haben eine harte Zeit hinter uns. Nun bessert sich die Lage.» Diverse Massnahmen sollen verhindern, dass weitere Führungskräfte ausfallen oder die neuen Kaderangestellten gesundheitlich belastet werden. Man habe etwa die Einarbeitung von Mitarbeitern verbessert, sagt Lehmann, und ein System zur Früherkennung von Problemen eingerichtet. Auch seien die Stellvertretungen nun besser geregelt.

Weil man wegen der geringen Anzahl Betroffener schnell Rückschlüsse auf Einzelpersonen ziehen könnte, gibt Lehmann sehr zurückhaltend Auskünfte dar­über, was mit den ausgefallenen Führungskräften passierte. Er sagt nur, einige seien intern versetzt worden und andere hätten gekündigt und etwa in die Privatwirtschaft gewechselt. Über allfällige Entlassungen dürfe er aus genanntem Grund nichts sagen.

Über die Neuverpflichtungen sei er «glücklich», meint der Kommandant. Die Stellenbesetzungen hätten gezeigt, dass in Winterthur für die Angestellten das «Gesamtpaket» stimme. Nebst dem Lohn seien auch Aspekte wie das Lernen, Herausforderungen und die Familiarität eines Korps wichtig. Der neue stellvertretende Kommandant dürfte früher bei der Stadtpolizei Zürich und bei der Rückversicherung Swiss Re mehr verdient haben als jetzt in Winterthur.

Angesprochen auf die Kosten sagt Lehmann, man setze alles daran, zu verhindern, dass ein neuerlicher Nachtragskredit fällig werde. Das Parlament bewilligte zu Monatesbeginn eine einmalige Summe von rund 660 000 Franken, um die in der Krise nötig gewordenen Doppelbesetzungen sowie Sonderkosten bei der Rekrutierung zu bezahlen. Die Stadtpolizei wird auch dauerhaft teurer: Mit der neuen Funktion des stellvertretenden Kommandanten vergrössert sich die erweiterte Geschäftsleitung von 13 auf 14 Personen. Zudem sollen dem Vernehmen nach bald weitere Stellen beantragt werden. Bei der Stapo sind nicht nur Polizisten beschäftigt, sondern etwa auch IT-Fachleute und Rechtsexperten, und in einigen Bereichen ist man gemäss einer internen Analyse unterbesetzt. Stadträtin Barbara Günthard bestätigt eine weitere Aufstockung nicht, sondern verweist auf den Budgetprozess: Man informiere bei der Präsentation des Budgets 2018 über «allfällige zusätzliche Massnahmen».

Politiker kritisieren die Kostensteigerung

SP-Gemeinderat Fredy Künzler kritisiert die neuen Wachstumspläne: «Ich denke nicht, dass es opportun ist, dass die Stadtpolizei noch mehr Geld ausgibt, während alle anderen sparen.» Das Korps sei schon zuletzt bei di­versen Sparrunden verschont worden. Immerhin scheine die Stapo sich nun wieder «um die wahren Probleme kümmern» zu können, «statt sich nur mit sich selbst zu beschäftigen». Kommandant Fritz Lehmann betont, man habe trotz der Führungsprobleme «nie Abstriche bei der Sicherheit» gemacht.

Der erwähnte Nachtragskredit von rund 660 000 Franken zum Polizeibudget von 26,5 Millionen sorgte im Parlament zwar für Diskussionen, jedoch war die Opposition gering; wegen Aussichtslosigkeit verzichteten die Gegner darauf, eine Abstimmung zu verlangen. Dezidiert gegen den Kredit äusserte sich vor allem Pirat Marc Wäckerlin: «Wenn die Polizei zu wenig Geld hat, was ich nicht glaube, muss sie halt Prioritäten setzen.»

Erstellt: 25.07.2017, 18:44 Uhr

Marcel Bebié, Stapo-Vize. (Bild: zvg)

Neuer Vizekommandant

Swiss Re und FBI

Der neue stellvertretende Kommandant der Stadtpolizei ist bestimmt: Es ist der frühere Stapo-Zürich-Vizechef Marcel Bebié. Nach seinem Abgang beim grössten Stadt­korps 2001 wechselte der heute 58-Jährige in die Privatwirtschaft zur Rück­versicherung Swiss Re, wo er als Managing Director tätig war; einst hatte er sich als Drogenfahnder des Bundes einen Namen gemacht. Was Bebié dazu bewegte, zur Polizei zurückzukehren, war gestern nicht zu erfahren; der neue Vize-Kommandant will sich erst nach seinem Antritt äussern, der nächste ­Woche stattfindet.

Marcel Bebié ist Doktor der Rechtswissenschaften und ­absolvierte polizeiliche Ausbildungen unter anderem an der FBI-Academy und bei der Royal ­Canadian Mounted Police. (gu)

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