Winterthur

Parkpioniere auf Wachstumskurs

Das Parkhaus, das Autos selbstständig parkiert und auf Knopfdruck wieder holt, ist keine Zukunfts­musik mehr. Zehn Jahre nach seiner Gründung ist das Winterthurer Unternehmen Skyline Parking in halb Europa aktiv.

Parkieren ohne Mensch: Das City Parking in Schaffhausen.

Parkieren ohne Mensch: Das City Parking in Schaffhausen. Bild: zvg

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Besucher empfängt der CEO Richard Denzler derzeit im Sitzungsraum der Nachbarfirma. «Bei uns ist es etwas eng geworden», sagt er. Skyline Parking, ein ehemaliges Start-up, beschäftigt inzwischen 15 Angestellte, die meisten sind Ingenieure. Seit letztem Jahr kennt man die Winterthurer Firma in halb England. Dann wurde bekannt, dass siefür den prestigeträchtigen Öko-Wolkenkratzer The Beacon in London eine automatische Parklösung liefern.

Gebaut wird diese Anlage in Zusammenarbeit mit lokalen Vertragsnehmern, doch Planung, Programmierung und Projektführung geschieht hier, an der Lagerhausstrasse. Und ein wenig wie ein Lagerhaus funktioniert sie auch: Die Bewohner des Hochhauses fahren ihr Auto in eine der zwei Einfahrtsboxen, dann steigen sie aus und Maschinen erledigen den Rest. Auf Förderbändern wird das Fahrzeug sicher an seinen Platz im fünfstöckigen unterirdischen Parkhaus transportiert. Dort steht es, bis es wieder abgeholt wird – auch das geschieht vollautomatisch, auf Knopfdruck.

Weniger CO2, mehr Gewinn

Weil beim Transport innerhalb des Parkhauses kein Automotor laufen muss, entsteht über 80 Prozent weniger CO2. Das passt ins grüne Image des Beacon-Turms, des einzigen energieneu­tralen Wohngebäudes im Vereinigten Königreich.

Doch das allein reicht nicht. ­Richard Denzler, der vor seinem Engagement beim Winterthurer Start-up ein Manager bei Grossfirmen wie Schindler oder Siemens war und teils mehrere Tausend Angestellte unter sich hatte, weiss, dass auch die image­bedachten Entscheider genau rechnen.

Doch auch in finanzieller Hinsicht konnte das automatische Parkhaus auftrumpfen. Ohne Menschen am Steuer können die Stockwerke niedriger gebaut werden. Es gibt keine Treppenhäuser, keine Belüftung und Beleuchtung und nur minimale Fahrtwege. Weil dadurch 23 Meter weniger tief gegraben werden musste und die Grundwasserzone umgangen werden konnte, sparten die Investoren mehrere Millionen Pfund. Und weil mehr Fahrzeuge in die Garage passten als ursprünglich geplant, bauten sie zusätzliche Apartments und erzielten so ein höheres Verkaufsvolumen. Kein Wunder, wollen die Investoren auch fürs nächste Projekt wieder ein automatisches Parking.

Sechs Projekte sind baureif

Trotz solcher Erfolgsgeschichten glaubt Denzler nicht, dass das konventionelle Parkieren bald abgelöst wird. «Wir arbeiten in einer Nische», sagt er. «Unsere Technologie rechnet sich vor allem dort, wo der Platz knapp und teuer ist.» Einkaufszentren in der Peripherie werde man auch in Zukunft kaum beliefern. Denzler blättert durch eine mehrseitige Liste mit rot, gelb und grün markierten Namen. «Bei 360 Bauprojekten sind wir im Gespräch», sagt er. Bei sechs Projekten in fünf Ländern ist ein Baugesuch eingereicht oder die Bewilligung liegt schon vor, das nächste ist eine Privatklinik in der Schweiz.

Freude über die Konkurrenz

Die zwei Projekte, die Skyline Parking in den letzten Jahren in der Schweiz umsetzen konnte, waren beide Aufträge von Autohändlern und sind trotzdem sehr unterschiedlich. Im Autocenter Zürich West in Schlieren ist es ein stählerner runder Autoturm, bei ­Aston Martin in Niederwil beiSt. Gallen ist es ein edel verpackter «Auto-Safe» für Luxuswagen. Sicherheit, nicht Platz ist dort das Verkaufsargument. Beim bereits vor vielen Jahren geplanten Winterthurer Projekt für ein Parkhaus am Lagerplatz kam letztlich die Konkurrenz mit einem halb automatischen System zum Handkuss. «Wobei, was heisst Konkurrenz?», fragt Denzler. «Unsere grösste Konkurrenz ist das konventionelle Parkhaus. Wenn ein anderes Unternehmen ein funktionierendes automatisches Parkhaus baut, dann freuen wir uns. Denn es macht die Idee bekannter.»

Die Betonung liegt dabei auf «funktionierend». Wenn die Leute ein unzuverlässiges Parkhaus erleben, sei die Idee in dieser Stadt auf viele Jahre hin verbrannt, sagt Denzler. Im Schaffhauser City Parking, dem einzigen öffentlichen automatischen Parkhaus der Schweiz, hat man den Umschwung trotzdem geschafft. Das fehleranfällige ältere System wurde mit Skyline-Technik modernisiert und funktioniert jetzt einwandfrei und profitabel. «Förderbänder sind technisch nichts Spektakuläres», sagt Denzler. «Dafür sind sie extrem zuverlässig. Unser System ist darum so gut, weil es einfach funktioniert.»

(Der Landbote)

Erstellt: 14.05.2017, 16:58 Uhr

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