Winterthur

Die Online-Offensive der Altstadtläden hat massive Startschwierigkeiten

Am Montag präsentierte die «Junge Altstadt» ihren Online-Marktplatz und verschob das Startdatum von Dienstag in den März hinein. Die Lädeler kritisierten etwa, dass sie Bestände manuell anpassen müssen.

Auch wenn alles im gleichen digitalen Warenkorb landet: Die Altstadtläden arbeiten auch mit Webshop in die eigene Tasche. Archivbild: Michele Limina

Auch wenn alles im gleichen digitalen Warenkorb landet: Die Altstadtläden arbeiten auch mit Webshop in die eigene Tasche. Archivbild: Michele Limina

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Die Läden der Altstadt sollen gemeinsam ins Netz. Das ist die Idee hinter dem Online-Marktplatz, den die Junge Altstadt am Montagabend im Casinotheater präsentierte. Eigentlich wollte die City-Vereinigung den Webshop gestern aufschalten, doch dazu kam es nicht: «Wir starten lieber im März, dafür mit mehr Geschäften», erklärte Geschäftsführer Heinz Schudel. Bis jetzt machen 18 mit. Damit es sich rechnet, müssten es 50 sein.

Präsident Remo Cozzio stimmte die Ladenbesitzer und Mitarbeiter auf die gemeinsame Plattform ein: «Zusammen haben wir die Power, um regional genug Aufmerksamkeit zu bekommen.» Und: «Wir wollen die Kunden nicht aus der Altstadt vertreiben, dürfen unsere Augen aber auch nicht vor der Zukunft verschliessen.» Zum Webshop versprach er den Läden Zugang zu «unschlagbar kleinen Kosten». Wie sich diese zusammensetzen, erklärte Heinz Schudel: Zu den 240 Franken pro Jahr kommt noch eine Kommission von zehn Prozent sowie eine Aufschaltgebühr, die für all jene entfällt, die sich bis Ende Dezember anmelden. Cozzio ist optimistisch, sagte aber auch: «Am Anfang wird vielleicht einiges schief gehen.» Schliesslich sei Winterthur die erste Schweizer Grossstadt, die so etwas macht.

«Wir sind Pioniere», fand auch Stephan Marcinek. Er ist Geschäftsführer der Winterthurer Webagentur Klaroweb, die den Online-Marktplatz entwickelt hat. Anhand einer Beispielbestellung demonstrierte er, wie der Webshop funktioniert: Sein Mitarbeiter legte ein blaues Sackmesser, eine Diamantuhr sowie ein Bild in den Warenkorb. Zuzüglich der Versandkosten von 12 Prozent macht das 944 Franken. Wobei diese bei einem Einkaufswert von über 200 Franken eigentlich entfallen sollten. Man kann sowohl nach Geschäft als auch nach Produkt suchen, wobei letzteres etwas umständlich ist: Erst muss man einen Knopf drücken, um überhaupt zum Marktplatz zu gelangen, wo es mit den Produktgruppen noch eine weitere Stufe in der Seitenhierarchie gibt.

Radius von acht Kilometern

Per Mail werden die Läden über neue Bestellungen informiert, die sie dann fachgerecht verpackt bereitstellen sollen. Für eine umweltfreundliche Auslieferung spannte die City-Vereinigung mit dem Velokurier Winterthur zusammen: «Wir können den Kunden die Altstadt vor die Haustür bringen», so Co-Geschäftsführer Andrin Heusser. Wer vor 12 Uhr bestellt und im Radius von acht Kilometern um Winterthur lebt, soll noch am selben Tag beliefert werden. Also auch in Seuzach, Dinhard, Wiesendangen, Elsau, Sennhof, Kyburg, Brütten, Pfungen und Neftenbach.

Viele Fragen bleiben offen

Wesentlich kritischer beurteilte das Publikum die Plattform. So gibt ein Mann zu bedenken, dass schon grössere Plattformen wie Siroop gescheitert sind. Ein anderer wandte ein, das man auf den ersten Blick sehen müsse, dass es ein lokales Angebot ist. Worauf Heinz Schudel antwortet, man könne das Wort «lokal» ja noch einfügen. Die Frage, wie man damit umgehen wolle, dass die Anbieter teilweise in Konkurrenz zu einander stehen, blieb unbeantwortet. Auch in welcher Reihenfolge die Produkte angezeigt werden, habe man sich noch nicht überlegt. Am meisten zu reden gab, dass die Artikel manuell erfasst und bei einem Verkauf wieder von der Website genommen werden müssen. So müsste das Buchparadies Ruoss rund 40'000 Bücher einzeln erfassen und bewirtschaften, wenn sie das ganze Sortiment abbilden wollten. Eine Frau wollte wissen, ob man das System mit dem eigenen koppeln könne. Die Antwort fiel etwas kryptisch aus: «Prinzipiell ja», sagte Schudel. Zum Start sei das aber keine Option und würde wohl zu Schnittstellenproblemen führen.

«Heute Abend dürfen wir nicht über Business und Geld reden»Remo Cozzio

«Heute Abend dürfen wir nicht über Business und Geld reden», sagte ein sichtlich verstimmter Remo Cozzi, während der Diskussion. Zum Schluss stand der Präsident nochmals auf, um auf den Punkt zu bringen, was auch seiner Sicht wesentlich ist: «Wir sind Pioniere, die gemeinsam etwas auf die Beine bringen.» Dazu gehöre eben auch etwas persönlicher Aufwand.

Erstellt: 12.11.2019, 19:57 Uhr

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