Marathon

René, das Genie

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Danke der Nachfrage , die Vorbereitungen zum Halbmarathon in Winterthur laufen erfreulich. Regelmässig trainieren, langsam steigern, von fünf Kilometern auf zehn, dann die Trainingspause, um den süssen Schmerz der Muskeln zu spüren.

So fühle sich Erfolg an, sagt mein guter Freund und innerer Schweinehund René im Bariton der Überzeugung. René unterstützt mich mittlerweile mit vollem Einsatz. Wir sind ein Team, er coacht mich sogar als Lauftrainer. Ich soll den Erfolg voll auskosten, hat er mir geraten, das festige meine Psyche. Und die ist entscheidend, sagt René.

Ich festige nun meine Psyche seit zwei Wochen, meist auf dem Sofa neben René, der entweder über das Fernsehprogramm schimpft oder Chips mampft und in sein Fell reinkrümelt. Einmal wollte ich ihm ein paar Krümel aus dem Fell picken, ich bin ordentlich veranlagt. René reagierte, als hätt ich ihn gestochen. «Fokus!», rief er. «Lass dich nicht ablenken. Der stählernste Muskel des Athleten ist sein Geist!» Seither widerstehe ich meinem Putzdrang und merke, wie es mir immer leichter fällt. Die Krümel kleben jetzt in der Sofaritze und es ist mir egal. René ist ein Genie.

«Um lange laufen zu können, musst du lange laufen.»René, der innere Schweinehund

Manchmal, das muss ich fairerweise zugeben, ist das Training schwierig. Letztens, als René und ich auf dem Sofa Willensstärke übten, fiel mir die Fernbedienung aus der Hand auf meinen Bauch und blieb dort wabbelnd liegen. «René», sagte ich besorgt, «ich habe zugenommen beim Trainieren.»

René musterte mich mit dem Blick des Profis. «Entspann dich, atme durch und überleg dir, was du zum Abendessen bestellen willst.» Ich spürte, wie modrige Wohnzimmerluft in meine Lunge strömte und eine asiatische Nudelbox mit knusprigem Poulet vor meinem geistigen Auge auftauchte. Es klappte. Von einem Moment auf den anderen hatte ich Hunger. René ist ein Genie.

Bis jetzt finde ich das Marathontraining lächerlich leicht, das habe ich beim Bier einem Freund erzählt. Er schaute mich mitleidig an. «Um lange laufen zu können», erklärte er in einem Ton, mit dem man sonst nur mit besonders verstockten Labradoren spricht, «musst du lange laufen.» Ich leichtgläubiger Trottel. Und René, das «Genie», dieses verlogene Viech, ist entlassen.

Der Autor bereitet sich mithilfe der Winterthurer Laufgruppe Finishers und ohne die Hilfe von René auf den Halbmarathon in Winterthur vor. Ob das klappt, lesen Sie bis dahin in der Kolumne. (Landbote)

Erstellt: 16.04.2019, 13:37 Uhr

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