Winterthur

Rickli verteilt Ärzten gratis Rezepte

Beim Besuch der Gesundheitsdirektorin bei der Ärztegesellschaft Winterthur-Andelfingen ging es um die Plätze auf der kantonalen Spitalliste, obligatorische Masernimpfungen und ein vermeintliches Berufsverbot für alte Ärzte.

Die Zuercher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli an einer Medienkonferenz in Zuerich am Mittwoch, 8. Januar 2020.

Die Zuercher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli an einer Medienkonferenz in Zuerich am Mittwoch, 8. Januar 2020. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Was den Verbleib der bestehenden Spitäler auf der Spitalliste des Kantons Zürichs betreffe sei «nichts sicher», sagte Regierungsrätin Natalie Rickli am Mittwochabend vor der Ärztegesellschaft Winterthur Andelfingen. Um dann, als sie sich der Bedeutung ihrer Worte bewusst wurde, sofort den Satz nachzuschieben: «Sie brauchen jetzt nicht gleich Angst zu haben.» Tatsächlich brauchen sich die Winterthurerinnen und Winterthurer wohl kaum Sorgen um ihr Spital zu machen. Andernorts nämlich, in der «NZZ» hatte Rickli schon im Dezember gesagt, zwei Spitäler im Kanton seien «too big zu fail», zu gross um zu Scheitern. Das Universitätsspital in Zürich und – wichtiger für Winterthur – das Kantonsspital Winterthur

Rekurse programmiert

Ihre erste Vision für die Zeit ab dem 1. Januar 2023 sei die einer zentralisierten und spezialisierten Spitallandschaft, sagte Rickli in der Alten Kaserne. «Die Patienten sollen am richtigen Ort die richtigen Behandlung erhalten.» Noch in diesem Jahr werde der Kanton eine Bedarfsprognose erstellen, um herauszufinden, in welchen Regionen in zehn Jahren noch Spitäler notwendig sein werden und wo nicht. Anschliessend müssen sich alle Spitäler neu um einen Platz auf der Spitalliste bewerben. Unangenehme Entscheide seien unumgänglich, sagte Rickli. «Ich habe schnell gemerkt, dass man nicht alle zufrieden stellen kann.» Über die Bewerbungen entschieden werde im Sommer 2022. Danach werde es sicher Spitäler geben, die dagegen rekurrierten.

«‹Jedem Täli sis Spitäli› wird diesmal aber nicht mehr gelten.»Nathalie Rickli

«Im Moment wollen alle mit mir reden und alle vertreten nur ihre eigenen Interessen», sagte Rickli und zählte eine ganze Reihe von Beteiligten an der Spitalplanung auf: Ärzte, Angestellte, Krankenkassen, Städte und Gemeinden. Selbst Parteien mit ganz unterschiedlichen Profilen fänden zusammen um gemeinsam das Spital vor der Haustüre zu verteidigen, sagte Rickli. Der Grundsatz «Jedem Täli sis Spitäli» werde diesmal aber nicht mehr gelten. Den Anwesenden riet die Gesundheitsdirektorin, zuerst die eigenen Reihen zu schliessen und erst dann mit einem Anliegen zu ihr zu kommen, wenn intern ein Kompromiss gefunden sei. «Es ist immer besser, wenn Sie das ohne Politik schaffen, denn wenn sich die Politik einschaltet, wird reguliert.»

Weiter freiwillig impfen

Rickli erklärte und verteidigte in der Folge ihren Entscheid vom Dezember, ausländischen Fachärzten die Zulassung per sofort zu verweigern.  Bereiche mit Ärztemangel sind von dem Stopp ausgenommen, auch Hausärztinnen und Hausärzte, wie es viele der Mitglieder der Ärztegesellschaft Winterthur-Andelfingen sind. Der Ärztestopp weckte bei den 80 Gästen – so viele wie noch nie an einem Neujahrsapéro der Gesellschaft, auch vier Stadträtinnen und Stadträte waren anwesend –  wenig Widerstand. Nicht kommentiert wurden auch Ricklis Vorbehalte gegen die einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen, über die aktuell in Bern beraten wird. 

In der Fragerunde sprach sich Rickli gegen ein Impfobligatorium für Masern aus. Rosmarie Rauscher, Präsidentin der AWA hatte nach ihrer Einschätzung der Lage gefragt und auf viele Erkrankungen in der Ukraine und in Afrika sowie steigende Fallzahlen in Nachbarländern hingewiesen. «Die Schweiz ist sehr gut aufgestellt und zeigt, dass Impfen auf freiwilliger Basis sehr gut funktioniert, ich will das nicht regulieren», antworte Rickli und erhielt Support von Kantonsarzt Brian Martin. Die Impfquote sei in der Schweiz auch ohne Obligatorium sehr hoch, während andere Länder mit Obligatorium viel schlechter da stünden, sagte Martin.

Schweigen und zahlen

Für mehr Aufregung sorgten die von einigen älteren Ärzten geäusserten Vorwürfe, der Kanton habe sie mit einem «Berufsverbot» belegt. Es sei beschämend, dass er nach jahrzehntelanger Tätigkeit als Arzt weder der eigenen Familie noch sich selbst mehr ein Medikament verschreiben dürfe, sagte Jürg Diener. Warum die bisher ausgestellte «Seniorenbewilligung» nicht weiter gültig sei?  «Die Seniorenbewilligung hätte es schon seit sechs Jahren gar nicht mehr geben dürfen», sagte Rickli.  Ärzte könnten ihren Beruf dennoch auch nach der Pensionierung weiter ausüben. Voraussetzung seien die Berufsausübungsbewilligung, der Besuch von Weiterbildungen sowie der Nachweis einer Haftpflichtversicherung.

Josef Widler riet seinen Kollegen dringend davon ab, weiter Sturm zu laufen gegen das vermeintliche Berufsverbot. «Ich rate dringend, ruhig zu sein», sagte der Präsident der kantonalen Ärztegesellschaft und CVP-Kantonsrat. Schliesslich gehe es primär um Ausgaben von einigen Tausend Franken pro Jahr. Diese könnten sich wohl die meisten Ärzte auch nach der Pensionierung leisten, sagte Widler. Werde die Diskussion um das Berufsverbot hingegen politisch, drohten die Ärzte weitere unverbriefte Rechte zu verlieren, die dem Berufsstand heute zugestanden würden. 

Erstellt: 16.01.2020, 11:21 Uhr

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