Winterthur

Schüler kämpfen gegen Gasheizung in der Kantonsschule

Der Kanton wollte das Gymnasium Im Lee weiter mit Gas beheizen. Nun wird der Entscheid überprüft.

Das monumentale, denkmalgeschützte Gebäude der Kantonsschule Im Lee soll laut Planung weiterhin konventionell beheizt werden.

Das monumentale, denkmalgeschützte Gebäude der Kantonsschule Im Lee soll laut Planung weiterhin konventionell beheizt werden. Bild: Marc Leutenegger

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Es gab eine Zeit, da mussten Heizungen nur funktionieren, und günstig sollten sie sein. Das ist vorbei: Heute wird bei Neu­anschaffungen stets auch die Ökologie-Frage gestellt, gerade bei Gebäuden der öffentlichen Hand.

Darum hat es eine gewisse Brisanz, dass der Kanton bei der aufwendigen Renovierung der Kantonsschule Im Lee die Gasheizung erneuern will, anstatt diese durch eine umweltfreundliche Wärmepumpe oder eine Erdsonde zu ersetzen.

Zwei Petitionen

Dagegen gibt es nun Widerstand. Wie die NZZ am Sonntag berichtete, haben Schülerinnen und Schüler der Kanti zwei Petitionen gestartet. Sie verlangen den Bau einer elektrischen Wärmepumpe anstatt der Gasheizung; zudem soll auf dem Dach des grossen Schulhauses eine Solaranlage gebaut werden. Der Klimastreik sei eindeutig eine Inspiration für die Aktion gewesen, werden die drei 16- bis 18-jäh­rigen Schüler Franz Steiner, ­Vincent Neuber und Elina Wehrli in dem Bericht zitiert.

«Die Klimastreiks waren die Inspiration für unsere Aktion.»Schüler des Gymis Im Lee

Ein Sprecher der Baudirektion, Markus Pfanner, bestätigt auf Nachfrage die Richtigkeit des Zeitungsberichts. Jedoch sei der Bau einer Wärmepumpe nie geplant gewesen, stellt Pfanner klar, sondern nur «eine Option», die man verworfen habe. Die Argumentation des Kantons: Die Leitungen des Fernwärmenetzes seien zu weit entfernt. Erd­sonden samt Wärmepumpen, die Heizenergie aus dem Boden beziehen, seien nicht möglich, weil die Schule ansonsten nicht weiter ausgebaut werden könnte. Einen nur teilweisen Einsatz von Wärmepumpen hat man aus Kostengründen verworfen, eine Solaranlage auf dem Dach ­wegen des Denkmalschutzes.

Beim neuen Bauversteher, dem Grünen Martin Neukom, rennen die Schüler offene Türen ein. Wie der Sprecher der Be­hörde sagt, hat Neukom dem Hochbauamt den Auftrag erteilt, nochmals sämtliche Optionen zu prüfen, mit offenem Ergebnis. Eine weitere Variante wäre der Betrieb der zu erneuernden Gasheizung nur mit Biogas, das zum Beispiel aus Pflanzenabfällen stammt. Dieses, kritisieren jedoch Umweltexperten, sei kostbar und knapp und sollte anders eingesetzt werden als zum ­Heizen von Schulzimmern.

Arbeiten starten wie geplant

Trotz der erneuten Überprüfung der Heizungsplanung kann die gross angelegte Renovation des Schulhauses wie geplant nach den Sommerferien beginnen, wie Pfanner versichert. In zwei­einhalb Jahren sollen über 60 Millionen Franken verbaut werden. Die rund 700 Schüler sollen in Nebengebäuden, in Con­tainern auf dem Sportplatz und im Provisorium an der Stadthausstrasse unterrichtet werden.

Die Planung sei auf gutem Weg, sagt dazu Rektorin Rita Ober­holzer. Der provisorische Stunden­plan für das nächste ­Semester werde in der laufenden Woche herausgegeben, vorerst nur zuhanden der Lehrerschaft. Zur kontroversen Heizungsfrage äussert sich Oberholzer nicht, der Entscheid und die Kommunikation darüber oblägen der kantonalen Baudirektion.

Erstellt: 17.06.2019, 17:27 Uhr

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