Pisa-Studie

Schulkinder tun sich mit dem Lesen schwer

Viele Jugendliche verstehen den Sinn eines Textes nicht. Auch in Mathematik und Naturwissenschaften schneiden junge Schweizer schlechter ab als vor vier Jahren. In Winterthur bleibt man gelassen.

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Schweizer Schülerinnen und Schüler lesen schlechter als noch vor vier Jahren. Ein Viertel der 15-Jährigen kann die Grundidee eines Textes nicht erkennen, wie die gestern veröffentlichte Pisa-Studie zeigt. Die Schweiz liegt damit bei der Lesekompetenz unter dem Durchschnitt der OECD-Länder und hinter Deutschland oder Frankreich. In Mathematik und Naturwissenschaften sind die Schweizer Jugendlichen über dem Durchschnitt, doch auch hier schneiden sie schlechter ab als noch 2015.

Die Auswertung zeigt, dass die sinkende Lesefreude ein Grund für das schlechte Ergebnis ist. Die Hälfte der rund 6000 Befragten liest nie «aus Vergnügen». Die Zürcher Schulen versuchen mit Erzählnächten, Lesetagebüchern und Autorenbesuchen die Kinder ans Lesen heranzuführen.

«Unsere Schülerinnen und Schüler wurden nicht schlechter – die Kompetenzen haben sich verschoben.»Chantal Galladé (GLP), 
Präsidentin der Kreisschulpflege Stadt-Töss

Matthias Aebischer, SP-Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Verbands für Weiterbildung, macht eine «Verluderung der Sprache» aus. Lesen und Schreiben seien die Basis von vielen Berufen. Gingen diese Kompetenzen verloren, sei das eine schlechte Entwicklung. Besonders gefordert sind Jugendliche, die eine Fremdsprache sprechen und aus finanziell schlechtergestellten Familien kommen. Dagmar Rössler vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz sieht vor allem Potenzial in der Frühförderung. Heute kämen Kinder in den Kindergarten, die kaum Deutsch verstünden

Winterthur bleibt gelassen

Den hiesigen Schulverantwortlichen bereiten die Pisa-Ergebnisse keine schlaflosen Nächte. Zwar seien sie wegen des Verteilschlüssels der Teilnehmenden wohl auch für Winterthur repräsentativ, sagt Chantal Galladé (GLP), Präsidentin der Kreisschulpflege Stadt-Töss. Aber: «Unsere Schülerinnen und Schüler wurden nicht schlechter – die Kompetenzen haben sich verschoben.» Pisa-Erhebungen basierten teilweise auf dem schriftlichen Abfragen von Wissen. Doch die reine Wissensvermittlung habe hierzulande nicht mehr den gleichen Stellenwert wie vor einigen Jahren. Man konzentriere sich mittlerweile auf kompetenzorientierte Bildung. «Etwas Neues geht eben immer zulasten von etwas anderem», so Galladé. So könnten sich die Schülerinnen und Schüler in Gruppen organisieren, einen Auftrag erarbeiten und die Ergebnisse präsentieren und argumentieren. «Sie sind eloquenter und haben weniger Hemmungen. Das sind Eigenschaften, die heute gefragt sind.»

Die Pisa-Ergebnisse müssten für verlässliche Rückschlüsse allerdings erst noch ausgewertet werden. Bis das geschehen sei, könne sie nur Mutmassungen anstellen, sagt die studierte Erziehungswissenschaftlerin. So sei es auch schwierig, auszumachen, warum die Schulkinder im mathematischen und naturwissenschaftlichen Teil – wiederholt – gut abschnitten. «Das müssen wir jetzt unaufgeregt anschauen und untersuchen», so Chantal Galladé. (lü)

Erstellt: 04.12.2019, 09:23 Uhr

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