Altersheim

Sind Haustiere im Altersheim erlaubt?

Eine Umfrage bei den Alters- und Pflegeheimen in Winterthur zeigt: In den meisten Einrichtungen ist es nach Absprache erlaubt, sein eigenes Haustier mitzunehmen – oder sich ein Tier auch erst dann zuzulegen, wenn man bereits im Heim ist.

Grünes Licht für Hundehaltung: Marlies Friedrich mit Hündin Nana im Alterszentrum Brühlgut.

Grünes Licht für Hundehaltung: Marlies Friedrich mit Hündin Nana im Alterszentrum Brühlgut. Bild: Enzo Lopardo

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Marlies Friedrich (69) streichelt ihre Hündin Nana und lächelt zufrieden. «Der Hund tut mir gut», sagt sie. «Das Tier zwingt mich, ins Freie zu gehen, auch wenn das Wetter mal nicht so schön ist.» Friedrich erinnert sich noch lebhaft an die erste Begegnung mit ihrer rumänischen Strassenhündin. Vor rund zwei Jahren war es, kurz vor ihrem 67. Geburtstag, als ihre Tochter ihr das Tier überreichte. «Als ich Nana geschenkt bekam, habe ich vor Freude geweint», erzählt sie, erneut sichtlich bewegt.Marlies Friedrich lebte damals bereits seit gut einem Jahr im Alterszentrum Brühlgut. Da sie sich nach dem Tod ihres Mannes oft sehr einsam und traurig fühlte, war ihre Tochter überzeugt, dass die Betreuung eines Hundes ihrer Mutter wieder Freude am Leben verschaffen könnte. Nach einer vorgängigen Abklärung durch die Heimleitung gab man schliesslich grünes Licht für die Haltung von Hündin Nana im Alters­zentrum.

Dass man sich Haustiere erst im Altersheim zulegt, bleibt aber die Ausnahme. In der Vergangenheit wurden die Heimleitungen in Winterthur viel eher mit der Frage konfrontiert, ob man die tierischen Mitbewohner von zu Hause mit ins Heim nehmen könne.

Tiere im Altersheim: «Ja, aber»

«Grundsätzlich dürfen künftige Bewohnerinnen und Bewohner der städtischen Alterszentren ­ihre Haustiere mit ins Alterszentrum nehmen», sagt Sandra Müllhaupt, Sprecherin des Bereichs Alter und Pflege. «Denn wir glauben, dass der Kontakt zu Tieren einen positiven Einfluss auf das Wohlergehen von älteren Menschen haben kann.»

Die Haltung eines Haustieres in einem der fünf städtischen Heime ist allerdings an Bedingungen ­geknüpft. Eine Voraussetzung ist, «dass die Betreuung jederzeit durch die Bewohnenden sichergestellt werden kann», sagt Müllhaupt. Die Bewohner hätten die Verantwortung, dass die Tiere artgerecht gehalten werden können. «Eine weitere Voraussetzung ist, dass bei Mitbewohnenden und Mitarbeitenden der Wohngruppe keine Ängste oder Allergien vorhanden sind.» Die Tierhaltung sei zudem nur in einem Einerzimmer möglich.

«Der Kontakt zu Tieren kann einen positiven Einfluss auf das Wohlergehen von älteren Menschen haben.»Sandra Müllhaupt, Sprecherin des Bereichs Alter und Pflege

Doch offenbar ist die Nachfrage, ein Tier beim Eintritt ins Alterszentrum mitzunehmen, nicht nur in Winterthur eher gering. Denn laut Fachleuten hält seit einigen Jahren der Trend an, so lange wie möglich zu Hause zu bleiben und erst dann ins Altersheim einzutreten, wenn es zu Hause nicht mehr geht. «Diese Menschen haben bei ihrem Eintritt ins Heim oft bereits einen hohen Pflegebedarf und können sich nicht mehr um ein Tier kümmern», heisst es bei der Wohnberatung für ältere Menschen in Winterthur. In vielen Fällen hätten sich die hochbetagten Leute bereits zu Hause von ihrem geliebten Tier trennen und es einem anderen Familienmitglied oder einem Tierheim abgeben müssen. «Denn die Betreuung des Tieres wird in solchen Fällen zur Belastung.»

Ungeachtet dessen gibt man sich auch in den privaten Alters- und Pflegeheimen in Winterthur ausgesprochen tierfreundlich. «Selbstverständlich darf man sein Haustier zu uns ins Heim nehmen», sagt beispielsweise Heimleiterin Maja Rhyner vom Seniorenzentrum Wiesengrund. Als Präsidentin des Tierschutzvereins Winterthur und Umgebung weiss sie sehr genau, welch hohen Stellenwert Tiere bei den Bewohnern geniessen.

Therapiehunde sind gefragt

Neben ihren eigenen zwei Hunden, die Rhyner mit ins Heim nimmt, «besuchen uns jeden Dienstag Therapiehunde», erzählt die Heimleiterin. Diese speziell ausgebildeten Hunde, die darauf warten, gestreichelt zu werden oder zu spielen, sind in fast allen Alters- und Pflegeheimen in Winterthur unter der Woche anzutreffen. Die Nachfrage nach Therapiehunden ist gross. Gerade auch in Heimen mit ­dementen Bewohnern. Unter­suchungen zeigen, dass Hunde einen unmittelbaren und sehr einfühlsamen Zugang zu sonst sehr in sich gekehrten oder ganz verschlossenen Menschen herstellen können. Es verwundert daher kaum, dass die knapp 700 zertifizierten Therapiehunde in der Schweiz einen vollen Terminkalender haben. Es gibt sogar Wartelisten. Auch in Winterthur.

Doch es gibt auch Tiere, die so quasi zum Inventar, sprich zum Heim selber, gehören. Und praktisch jeden Tag anzutreffen sind. Zumindest draussen. Von Ziegen über Vögel in Volieren bis hin zu Fischen im Teich kann man rund um die Heime in Winterthur fast alles antreffen. Und dann gibt es noch wiederkehrende tierische Gäste. So wie zum Beispiel jenes Büsi, das das Alterszentrum Brühlgut regelmässig besucht. Schon seit vielen Jahren. Tag für Tag. Obschon die Katze ausserhalb des Heims ein reguläres ­Zuhause hat, lässt sie es sich laut Standortleiterin Karin Penker nicht nehmen, «ihre tägliche Dosis Streicheleinheiten bei den Bewohnerinnen und Bewohnern abzuholen». (Landbote)

Erstellt: 17.05.2018, 15:41 Uhr

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