Wasserkraft

«So schlimm war es noch nie»

Aufgrund der seit Monaten anhaltenden Trockenheit weisen die Flüsse in der Region rekordtiefe Abflussmengen auf. Davon besonders betroffen sind die Wasserkraftwerke.

Die Turbine des Wasserkraftwerks Hard stand in diesem Jahr bis jetzt 180 Tage still.

Die Turbine des Wasserkraftwerks Hard stand in diesem Jahr bis jetzt 180 Tage still. Bild: Madeleine Schoder

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Noch nie führte die Töss im Monat November so wenig Wasser wie in diesem Jahr. Aber auch in den Monaten zuvor wurden an den verschiedenen Messstationen des Flusses teils rekordtiefe Abflussmengen gemessen.

Direkt betroffen von diesem Wassermangel sind die Kleinwasserkraftwerke. Mancherorts ist die Situation dramatisch. Denn nicht selten stehen die Turbinen schon seit Monaten still. «So schlimm war es noch nie», sagt Martin Gisler, Geschäftsführer der Nordstrom GmbH. Seine Firma betreibt seit gut zehn Jahren auf dem Stadtgebiet die beiden Kleinwasserkraftwerke Ober- und Niedertöss.

Turbinen stehen seit Juli still

«Wir produzieren seit etwa Anfang Juli keinen Strom mehr», sagt Gisler. Mit den Betriebsausfällen brechen auch die Einnahmen weg. Das absehbare Defizit sei aus den erwirtschafteten Mitteln kaum mehr zu decken

Bereits vor drei Jahren befand sich Gisler in einer ähnlichen Situation – und musste massive Verluste hinnehmen. Ein zweites so schlechtes Jahr würde ihn vor grosse Probleme stellen, sagte er damals. Heute sieht er die Zukunft seiner beiden Ökostrom produzierenden Kraftwerke als bedroht an. «Es ist kein kosten-deckender Betrieb mehr möglich.» Denn er werde in diesem Jahr den Anspruch auf die kostendeckende Einspeisevergügung verlieren, sagt Gisler.

Jahresziel stark verfehlt

Ein ähnliches Bild bietet sich auch weiter flussabwärts, wo die Gemeinschaft Hard AG ihr Kleinkraftwerk betreibt. Die Anlage, die normalerweise pro Jahr 2550 Megawattstunden Strom produziert (das entspricht dem Stromverbrauch von etwa 725 Haushalten), hat in diesem Jahr bisher erst die Hälfte des Jahres-Solls erreicht. «Da die Töss oft kaum Wasser führte, stand die Turbine im laufenden Jahr bis jetzt 180 Tage still», sagt Betriebswart Rolf Künzle. Normal seien beim Wasserkraftwerk Hard jährlich etwa 70 Tage ohne Stromproduktion.

Im Unterschied zu den Kraftwerken Ober- und Niedertöss hat die Hard aber in diesem Jahr die minimale Produktionsleistung bereits erbracht, um von der kostendeckenden Einspeisevergügung profitieren zu können. Ohnehin sei das Kraftwerk trotz Verlusten nicht vom Aus bedroht, betont Sarah Bolleter, Geschäftsleiterin der Gemeinschaft Hard AG. «Mit dem Kleinwasserkraftwerk haben wir einen sehr langfristigen Horizont.» Zudem sei die Wasserkraft nur ein Teil der AG. «Wir haben noch andere Einnahmen und Finanzströme», sagt Bolleter. Anders könne dies natürlich bei Betrieben aussehen, die nur Strom aus Wasserkraft produzierten.

Erstellt: 28.11.2018, 17:52 Uhr

Situation in der Region

Stromproduktion beim Kraftwerk Rheinau geht markant zurück

Seit Wochen können viele Frachtschiffe auf dem Rhein nur noch zum Teil, oder gar nicht mit Ware beladen werden. Doch nicht nur bei der Schifffahrt geht bei diesen tiefen Pegelständen nicht mehr viel, auch die 13 Flusskraftwerke zwischen Bodensee und Basel spüren die Auswirkungen markant. Das Laufwasserkraftwerk Rheinau beispielsweise, an dem die Axpo beteiligt ist, produzierte im Oktober und November 45 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Auch das Kleinwasserkraftwerk der Tösstrom AG in Freienstein hat happige Einbussen zu verkraften. «Es sieht sehr schlecht aus», sagt Verwaltungsratspräsident Thomas Arnet. In den vergangenen Monaten war das Kraftwerk aufgrund des Wassermangels nur noch an wenigen Tagen in Betrieb – und dies auch nur, um Standschäden zu vermeiden. (tm)

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