Winterthur

Stadt will den Dorfeten mit Verträgen entgegenkommen

Die Stadt darf den Dorfchilbis besondere Gebühren nicht mehr ohne Weiteres erlassen. Nun arbeitet man Verträge mit grossen Rabatten aus. Die Veranstalter machen Druck.

Die Seemer Dorfet profitiert heute von «versteckten Subventionen» in der Höhe von 25'000 Franken. Nun sollen diese offizialisiert werden.

Die Seemer Dorfet profitiert heute von «versteckten Subventionen» in der Höhe von 25'000 Franken. Nun sollen diese offizialisiert werden. Bild: Enzo Lopardo

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«Wenn das kommt, gibt es unsere Dorfet nicht mehr.» Andy Müller, Präsident des Ortsvereins Oberi, macht deutlich, was seiner Ansicht nach mit der Dorfchilbi geschieht, wenn die Stadt den Veranstaltern hohe Gebühren für die Sondernutzung des öffentlichen Raums verrechnen sollte.

Der Hintergrund: Die städtische Finanzkontrolle hat die grossen Geschenke der Stadt an die Dorfeten gerügt. Diese müssen nämlich für die Nutzung des öffentlichen Raums keine Gebühren bezahlen, wie sie zum Beispiel an den normalen Wochenmärkten fällig werden.

Bei der Stadt hat man den Wert dieser verdeckten Subventionen im Fall Oberis auf 14 000 Franken beziffert, wie es heisst, bei der Seemer Dorfet sogar auf 25 000 Franken.

Ähnliche Lösung wie beim Albanifest

Lösen lässt sich das Problem, indem man die verdeckten Subventionen transparent macht und eine offizielle Unterstützung der Dorfeten beschliesst. Genau dies geschieht nun: Die Stadt lässt für die Chilbis sogenannte Leistungsvereinbarungen ausarbeiten, ähnlich dem 2017 aufgesetzten Vertrag für das Albanifest.

Das ist letztlich eine Null-Summen-Lösung.

Mit den Verantwortlichen der Dorfeten Seen und Töss, also der grössten und kleinsten Chilbi, werden noch dieses Jahr Gespräche stattfinden, wie Stadträtin Barbara Günthard (FDP) eine Sprecherin ausrichten lässt, ohne genauere Angaben zu machen.

Dem Vernehmen nach sollen die Verträge nächstes Jahr als «Schattenrechnungen» dienen und erst später, für alle fünf Dorfeten, rechtsgültig werden; gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan ergaben sich offenbar Verzögerungen. Die Vereinbarungen werden noch vom Gemeinderat genehmigt werden müssen, was angesichts der breiten politischen Unterstützung der Dorfeten unproblematisch sein dürfte.

Entscheidend ist die Höhe der Bezuschussung. Den Veranstaltern ist offenbar signalisiert worden, dass man den Status quo wahren will, die Bedingungen für die Dorfeten also gleich bleiben sollen. «Bestenfalls ein Formalismus» seien die Verträge, formuliert es Andy Müller vom Ortsverein Oberi.

Wie aus dem Umfeld der Seemer Dorfet verlautet, ist eine «Null-Summen-Lösung» das Ziel. Verglichen mit heute dürften keinerlei Mehrkosten auf die Vereine überwälzt werden, heisst es, und man sei zuversichtlich, dass dies gelingen wird.

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Soll die Stadt den Dorfeten Gebühren erlassen?





Nur noch eine Rechnung pro Jahr antatt ein Dutzend

Die Veranstalter haben die Gesamtgebühren der letzten Jahre zusammengestellt, in den Ver­trägen könnte ein Durchschnittswert eingesetzt werden. In diesem Fall zögen die OKs sogar einen Vorteil aus der Situation: Man erhielte künftig von der Stadt nur noch eine einzelne Rechnung, deren Höhe überdies im Voraus bekannt wäre, was die Planung erleichtern würde ist.

Aktuell schickt die Stadt der grossen Seemer Dorfet mit rund 20 000 Besuchern jährlich diverse Rechnungen mit einer Summe im tiefen fünfstelligen Bereich. Bezahlt werden müssen etwa Strom, Wasser und Festwirtschaftsabgaben. Überhaupt erhalte man nicht alles geschenkt, betont man bei den OKs.

An die Strassenreinigung bezahle die Stadt heute pauschal 2000 Franken, sagt Andy Müller vom Ortsverein Oberi. «Betragen die effektiven Kosten 5800 Franken, bleiben wir auf 3800 Franken sitzen.»

«Kultur im weiteren Sinn» oder reiner Kommerz?

Es geht auch um die Frage, ob die Dorfeten förderungswerte Kultur sind oder rein kommerzielle Veranstaltungen. Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) sprach zuletzt von «kulturellen Anlässen im weiteren Sinn». Die Veranstalter sagen, zwar werde Geld verdient, jedoch nicht von Firmen, sondern von lokalen Vereinen, die sich für die Jugend engagierten und für die Quartiere.

Die Einnahmen sind zuletzt teils stark gesunken. «Mancher Verein verdient nur noch halb so viel wie früher», sagt Müller, der selbst im Turnverein mittut. Auch sei es schwerer geworden, Leute zu finden, die gratis im Festzelt arbeiten. Gerade darum, befinden die Veranstalter, dürfe man die Dorfeten finanziell nicht weiter schwächen.

(Der Landbote)

Erstellt: 15.11.2018, 17:16 Uhr

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