Winterthur

Stadtrat will saubere Energie sichern

FDP-Stadtrat Stefan Fritschi will den Einfluss und die Beteiligung an der Wasser-, Wind- und Solarstromfirma Aventron auf eine solide Basis stellen. Seine Partei kämpfte 2016 noch gegen eine Kapitalerhöhung.

Stadtwerk soll seinen Einfluss auf die Aventron weiter ausbauen, findet der Stadtrat.

Stadtwerk soll seinen Einfluss auf die Aventron weiter ausbauen, findet der Stadtrat. Bild: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

März 2016: Die Wogen, die ein paar Monate später den Grünen-Stadtrat Matthias Gfeller aus dem Amt spülen sollten, gingen bereits hoch. Die FDP griff Gfeller damals heftig an, weil er die Beteiligung am Energieunternehmen Aventron AG von 20 auf 30 Millionen Franken erhöhen wollte. Die Risiken könnten kaum abgeschätzt werden, fand die FDP. Sie warnte vor «Turbulenzen im Energiemarkt» und lästerte: «Bei Stadtwerk ist die Liste der Defizite beträchtlich.»

Die Begriffe Biorender und Ocean Breeze genügten, um Zweifel zu säen. Später kam noch die Frauenfelder Wärmering-Affäre dazu, die Gfeller letztlich zu Fall brachte. Der Gemeinderat bewilligte die 10 Millionen für Aventron dann aber doch, gegen die Stimmen der Bürgerlichen.

Gute drei Prozent Rendite

Mai 2019: Längst ist FDP-Stadtrat Stefan Fritschi der Verantwortliche für Stadtwerk. Gestern schickte er eine Medienmitteilung an die Redaktionen mit dem Titel «Langfristige Absicherung der Beteiligung an Aventron». Und weiter im Text: Die Energiefirma sei mit ihren Kraftwerken «sehr erfolgreich im Bereich erneuerbarer Stromproduktion unterwegs», Umsatz und Gewinn seien deutlich gestiegen, Winterthur erhalte 2019 für die investierten 30 Millionen Franken eine Dividende von rund 0,9 Millionen. Drei Prozent also – es gibt auch schlechtere Renditen.

«Wir als Energieversorger haben gemeinsame Interessen, die anders liegen als jene von Finanzinvestoren oder von privaten Anlegern, und diese Interessen wollen wir sicherstellen.»Stefan Fritschi, FDP-Stadtrat

Doch Stadtrat Fritschi gehts mit seiner politischen Intervention nicht primär um die Rendite, sondern um die Strategie. Die Stadt will ihren Einfluss auf die Aventron AG und ihren Sitz im Verwaltungsrat sicherstellen. Denn bei künftigen Kapitalerhöhungen droht ihr Anteil an der Aventron AG stetig kleiner zu werden: Er war mal 10 Prozent und beträgt jetzt noch 7,7 Prozent.

Das Vehikel, um sich Einfluss und Verwaltungsratssitz zu sichern, heisst Aventron Holding AG, diese Holding hält fast 70 Prozent der Aventron-Anteile und kann damit über allfällige weitere Kapitalerhöhungen und deren Höhe befinden. Beteiligt sein an dieser Holding werden drei öffentliche Energieversorger, darunter die Stadt Bern. Damit Winterthur seine Aventron-Aktien in die Holding einbringen kann, braucht es hier einen Gemeinderatsbeschluss.

Öffentliche Interessen

«Wir als Energieversorger haben gemeinsame Interessen, die anders liegen als jene von Finanzinvestoren oder von privaten Anlegern, und diese Interessen wollen wir sicherstellen», sagt Fritschi. Sichern will er der Stadt auch die Bezugsrechte am grünen Strom aus Aventron-Kraftwerken, obschon er klarstellen muss: Derzeit bezieht Stadtwerk keinen Aventron-Strom, das sei mit sehr viel Bürokratie verbunden und deshalb auch zu teuer.

Die Aventron begann vor rund 15 Jahren zu wachsen auf der Basis von zwei Kleinkraftwerken an der Birs. Weitere Wasserkraftwerke in Frankreich kamen hinzu, dann auch Windanlagen. Man kaufte zu, baute aus, und heute betreibt die Firma mehr als 200 Wasser- Wind- und Solarkraftwerke in sechs Ländern von Spanien bis Norwegen. Zusammen produzieren diese pro Jahr etwa 750 Millionen Kilowattstunden Strom. Zum Vergleich: Winterthur verbraucht jährlich rund 500 Millionen Kilowattstunden elektrische Energie. Die 30 Millionen Franken, die Winterthur investiert hat, sind Teil eines 90-Millionen-Rahmenkredits, dem das Volk 2012 zustimmte. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.05.2019, 17:17 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.