Winterthur

Stadtwerk will digitaler werden – für fast eine Million Franken

Für seine Kunden will Stadtwerk Winterthur nächstes Jahr ein eigenes Online-Portal einrichten. Die Kosten sind mit knapp einer Million Franken relativ hoch. In anderen Städten ist die Nachfrage noch bescheiden.

Stadtwerk will digital aufrüsten und kundenfreundlicher werden.

Stadtwerk will digital aufrüsten und kundenfreundlicher werden. Bild: www.stadtwerk.winterthur.ch

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Stadtwerk Winterthur will digital aufrüsten und für 900 000 Franken in ein Online-Kunden-Portal erstellen.

Der Stadtrat hat dem Gemeinderat dafür einen Kredit in der Höhe von 650 000 Franken beantragt, die übrigen Kosten hat der Stadtrat selber bewilligt.

Auf dem neuen Portal sollen Kunden unter anderem ihren Stromverbrauch abrufen, ihr Produkt wechseln, Verträge einsehen oder Adressänderungen vornehmen können – Online-Dienstleistungen, wie sie die meisten Stadtwerke bereits anbieten.

«Ohne ein solches Portal würde Stadtwerk einen erheblichen Wettbewerbsnachteil haben»

Gerade für Grosskunden (ab 100 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr), bei denen Stadtwerk im Wettbewerb mit anderen Anbietern steht, wolle man als Dienstleister attraktiv bleiben.

«Ohne ein solches Portal würde Stadtwerk einen erheblichen Wettbewerbsnachteil haben», schreibt der Stadtrat in seinem Antrag. Zudem werde man damit den neuen Anforderungen gerecht, die der Bund im Rahmen der Energiestrategie 2050 gesetzt hat. Messdaten müssen demnach für Endverbraucher und Produzenten «verständlich dargestellt werden», am Computer sowie auf dem Smartphone.

Gemessen würden Verbrauch und Kosten von Strom, Gas, Wasser und Wärme mit sogenannten Smart Meters, mit denen bis 2027 vier von fünf Haushalten ausgerüstet sein sollten.

Welche Funktionen den Kunden mehr nützen und welche weniger, hat Stadtwerk zusammen mit den Kollegen aus Biel evaluiert und konzentriert sich auf vorerst vierzig Optionen.

Daten gut geschützt?

Doch ein solches Online-Kundenportal beinhaltet auch mögliche Fallstricke, wie der Stadtrat einräumt, zum Beispiel, wenn die Verbrauchsdaten nicht ausreichend geschützt sind. Vorgesehen ist, dass Stadtwerk und die städtischen Informatikdienste ein «abgestimmtes Informationssicherheitskonzept» ausarbeiten, das von einer externen IT-Sicherheitsfirma geprüft werde.

Wann zieht die Nachfrage an?

Gemäss einer 2017 durchgeführten nationalen E-Government-Studie wickeln inzwischen rund zwei Drittel der Schweizerinnen und Schweizer mehr als die Hälfte ihres Behördenverkehrs online ab. Wie gross die Nachfrage bei den Stadtwerk-Kunden nach einem Online-Portal ist, lässt sich aber noch kaum abschätzen.

In der Stadt Zürich haben die EWZ bereits 2013 ein solches lanciert. Bilanz: Rund ein Viertel der Kunden haben einen Account bei «my ewz» eröffnet. Energie Wasser Bern bietet den Service nur für Unternehmen, jedes achte hat sich ein Jahr nach der Einführung registriert, wie es auf Anfrage heisst.

In St.Gallen sind es nach 17 Monaten gar erst drei Prozent, vor allem Kleinkunden. «Die Zahl der registrierten Userinnen und User alleine ist für uns nicht aussagekräftig, da die am häufigsten genutzten Dienste keine Registrierung voraussetzen», sagt Peter Graf, Bereichseiter Energie und Marketing.

Die Nutzerzahlen würden weiter steigen. Ins Auge stechen in St. Gallen die mit rund 100 000 Franken vergleichsweise tiefen Anschaffungs- und Lizenzkosten (15 000 Franken pro Jahr). Man baue auf einer schlanken, standardisierten Lösung. Erweiterungen gingen dann ebenfalls ins Geld. Bei den EWZ äussert man sich nicht zu den Kosten.

In Winterthur muss der Kredit noch durchs Parlament. Wird dieser bewilligt, könnte das neue Kundenportal Mitte 2019 bereitstehen.

(Der Landbote)

Erstellt: 11.07.2018, 13:43 Uhr

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