Winterthur

Warum die Stadt ein Schulhaus kaufen will

Für 12,5 Millionen Franken will die Stadt ein ehemaliges Bürohaus in der Grüze kaufen, in dem schon heute das 10. Schuljahr eingemietet ist. Der Gemeinderat unterstützt das Geschäft einstimmig, um den Standort zu sichern und um Geld zu sparen. Doch zum Kauf fehlt noch das Ja des Stimmvolks.

Schulzimmer statt Büros: 2009 zog an der Rudolf-Diesel-Strasse das zehnte Schuljahr («Profil») ein. Dort soll es auch bleiben, sagt der Stadtrat.

Schulzimmer statt Büros: 2009 zog an der Rudolf-Diesel-Strasse das zehnte Schuljahr («Profil») ein. Dort soll es auch bleiben, sagt der Stadtrat. Bild: E. Lopardo

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Einst wurden in dem grossen Haus an der Rudolf-Diesel-Strasse Waschmaschinen und Sexspielzeug verkauft. Fust und Magic X sind allerdings längst ausgezogen, die Schaufenster stehen leer. Doch in den Etagen darüber herrscht Hochbetrieb: Auf fünf Stockwerken werden Schülerinnen und Schüler unterrichtet.

Sie besuchen das 10. Schuljahr, das in Winterthur «Profil-Punkt» genannt wird. Zusammen mit dem zweiten Standort an der Wülflingerstrasse sind es insgesamt 276 Schülerinnen und Schüler in 19 Klassen. In der Grüze allein stehen ihnen 46 Räume zur Verfügung, wenn man Gruppenräume, Kopierzimmer und Aufenthaltsräume mitzählt.

Seit 2009 ein Schulhaus

Diese Nutzung besteht seit 2009 und hat sich aus Sicht der Stadt gut bewährt. Zuvor war das 10. Schuljahr im Schulhaus Wiesental (bei der Haltestelle Gewerbeschule) untergebracht.

Als der Kanton den Vertrag kündigte, mietete die Stadt mehrere Stockwerke in der Grüze an. Den Umbau zum Schulhaus bezahlte zum grösseren Teil der Kanton (4,4 Millionen Franken), zum kleinere Teil die Stadt (1,3 Millionen).

«Mit dem Kauf der Liegenschaft wird eine finanziell nutzbringende Lösung für die Stadt erreicht»

Da 2019 der Mietvertrag ausläuft, möchte der Stadtrat das Vorkaufsrecht nützen, das damals beim Abschluss des Mietvertrags eingeräumt wurde. Aus Sicht der Stadt sei das ein gutes Geschäft, wird argumentiert. Heute belaufen sich die Mietkosten auf 747 000 Franken pro Jahr, nach dem Kauf rechnet die Stadt mit jährlichen Nettokosten von 616 000 Franken.

Rechnet man diese jährliche Ersparnis von 130 000 Franken über eine Abschreibungsdauer von 23 Jahren, entspricht dies einer Gesamtersparnis von 3 Millionen Franken. «Mit dem Kauf der Liegenschaft wird eine finanziell nutzbringende Lösung für die Stadt erreicht», argumentiert der Stadtrat im Abstimmungsbüchlein.

Dieser Argumentation haben sich alle Gemeinderäte angeschlossen. Mit 59 zu 0 Stimmen hiessen sie den Kauf gut. Der Kaufpreis von 12,5 Millionen Franken wurde als angemessen beurteilt. Eine externe Fachfirma hatte den Gebäudepreis auf 12,6 Millionen Franken geschätzt.

Standort langfristig sichern

Mindestens genauso wichtig wie finanzielle Überlegungen ist die Sicherung des Standorts. Mit dem Auslaufen des Vertrags würde die Gefahr drohen, dass dieBesitzergemeinschaft einen anderen Mieter sucht. Die Schule müsste einen neuen Standort suchen, wo wieder Mieterausbauten fällig würden. Und die eigene Investition von 1,3 Millionen Franken wäre für die Katz.

Laut Auskunft der Stadt befindet sich das Gebäude mit Baujahr 1988 aktuell in einem «grundsätzlich guten Zustand». Der mögliche Sanierungsbedarf wird auf 1,2 Millionen Franken beziffert, wobei diese Kosten bereits in den oben erwähnten Nettokosten inbegriffen sind.

Mit etwas Geschick könnte die Stadt diese Rechnung sogar noch verbessern: Die leer stehenden Verkaufslokale im Erdgeschoss mit total 445 Quadratmetern sollen neu vermietet werden, was zusätzliche Einnahmen brächte.

95 Prozent finden Anschluss

Schülerinnen und Schüler, die das Berufsvorbereitungsjahr besuchen, werden besonders intensiv bei der Lehrstellensuche begleitet, von den Anfragen für Schupperlehren bis zum Vorstellungsgespräch.

Laut Angaben der Stadt ist man dabei sehr erfolgreich: Durchschnittlich 95 Prozent der Schülerinnen und Schüler fänden eine Anschlusslösung, meist eine Lehrstelle, manche eine Praktikumsstelle und einige eine weiterführende Schule.

(Der Landbote)

Erstellt: 15.05.2018, 17:48 Uhr

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