Stadtgarten

Warum nicht den Tag mit chinesischer Kampfkunst beginnen?

Donnerstag und Freitag können Interessierte im Stadtgarten noch einmal mit einer Tai-Chi-Lektion in den Tag starten. Die Kampfkunst im Zeitlupentempo hat es in sich – wie ein Selbstversuch zeigt.

Tai-Chi lernt man ein Leben lang, sagen die Lehrer Katharina Kadler (links) und Jan Sung-Kyu Kroeni (Zweiter von links).

Tai-Chi lernt man ein Leben lang, sagen die Lehrer Katharina Kadler (links) und Jan Sung-Kyu Kroeni (Zweiter von links). Bild: Nathalie Guinand

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Das Gedröhn von Laubbläsern und Rasenmähern dominiert am Mittwochmorgen die Stimmung im Stadtgarten. Doch die Gruppe aus rund 20 Leuten lässt sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Sie hat sich versammelt, um unter der Anleitung von Katharina Kadler und Jan Sung-Kyu Kroeni eine Stunde Tai-Chi zu praktizieren.

«Little San Francisco» nennen die zwei Kampfkunstlehrer diese Woche, in der sie jeden Morgen eine Gratislektion im Stadtgarten anbieten. In San Francisco oder auch in New York gehören Tai-Chi-Klassen zum gängigen Bild in den Stadtparks – so wie in China. Kadler und Kroeni führen diese Woche bereits im neunten Jahr durch. Sonst unterrichten sie in ihrer Schule «Taiji Mittendrin» an der Konradstrasse hinter dem Bahnhof.

Lernen bei der letztenYang-Nachfahrin

Als Lehrer sind sie selbst auch Schüler. Sie bilden sich seit Jahren fort in dieser Kampfkunstart, reisen deshalb immer wieder nach London und ab und zu auch nach China, wo sie sich von der letzten Nachfahrin der Yang-Familie unterrichten lassen. Der Yang-Stil ist der zweitälteste von fünf «Familienstilen» im Tai-Chi und der weltweit verbreitetste Stil. Typisch für ihn sind die weichen und gleichmässig fliessenden Bewegungen. «Wir müssen davon profitieren, solange diese Yang-Nachfahrin noch lebt», sagt Kadler. Es sei ihr wichtig, so viel des Gelernten wie möglich an ihre Schüler weiterzugeben.

«Ältere Leute sagen mir manchmal nach der Lektion, sie fühlten sich wieder richtig geölt.»Katharina Kadler

Tai-Chi ist eine Kampfkunst, die nicht auf Konfrontation ausgerichtet ist. Die Bewegungen sind ein Wechselspiel aus Anspannung und Entspannung, im Mittelpunkt steht die ständige Gewichtsverlagerung und die Balance. Bei Kadler und Kroeni sind die Bewegungen fliessend und sehen überhaupt nicht anstrengend aus. Doch tatsächlich brauchen die Übungen viel Kraft und Konzentration. Wenn man sie richtig ausführe, organisiere man den Körper wieder neu, sagt Kadler. «Ältere Leute sagen mir manchmal nach der Lektion, sie fühlten sich wieder richtig geölt.» Neben dem körperlichen Aspekt, den auch Menschen mit Krankheiten wie Arthrose oder Parkinson schätzen, hat Tai-Chi auch eine mentale Dimension. Die Übungen bieten Raum, um sich für einen Moment zu fokussieren, die Gedanken «nur» auf die Bewegungen auszurichten. «Wenn man spürt, dass man in einer starken Position verharren kann, dann macht das einen auch mental stärker und selbstbewusster», sagt Kroeni. «Heute, wo wir unsere Aufmerksamkeit ständig an einem anderen Ort haben und immer von einem Ding zum nächsten hetzen, ist dieser Aspekt wichtiger denn je.»

Erstellt: 14.08.2019, 16:00 Uhr

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