Winterthur

Weg von Badewannen und «Brünneli» – wie sich Stadtwerk diskret neu organisiert

Der Bereich Haustechnik von Stadtwerk soll aufgelöst werden. Der Gemeinderat wurde über die Pläne noch nicht informiert, dabei wurden bereits erste Fakten geschaffen.

Für gewisse Sanitär-Arbeiten verweist Stadtwerk nun an Privatfirmen.

Für gewisse Sanitär-Arbeiten verweist Stadtwerk nun an Privatfirmen. Bild: Marc Dahinden

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Bei Stadtwerk Winterthur mit seinen rund 370 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern läuft seit einigen Monaten eine «punktuelle Reorganisation». Wie erst jetzt bekannt wird, wurden beispielsweise die Messdienstleistungen von Elektrizität, Gas, Wasser oder Fernwärme zusammengefasst. Oder es wurde der Vertrieb zentralisiert.

Die gewichtigste Neuerung betrifft aber den Bereich Haustechnik, welcher Elektro- und Sanitärarbeiten sowie Installationen inklusive 24-Stunden-Störungsdienst anbietet. Die Haustechnik steht teilweise in Konkurrenz zur Privatwirtschaft, und schreibt dennoch seit Jahren rote Zahlen.

Wie der «Landbote» aus internen Stadtwerk-Dokumenten erfahren hat, wurde die Haustechnik bereits am 1. Mai einer anderen Organisationseinheit unterstellt. Die rund 20 Haustechnik-Mitarbeitenden sind neu dem Bereich Energie Contracting angegliedert und wurden teilweise an andere Arbeitsplätze verschoben. Der Energie Contracting-Leiter verantwortet nun beide Bereiche. Kündigungen gab es nicht, allerdings mussten für zwei Lehrlinge Stellen in Privatunternehmen organisiert werden. Auch werden gewisse Sanitärarbeiten nicht mehr ausgeführt und Kunden an private Firmen verwiesen.

Pikante Powerpoint-Folie

Die Haustechnik funktionierte bisher wie andere Stadtwerk-Abteilungen als sogenanntes Profit-Center oder auch Eigenwirtschaftsbetrieb. Das heisst, es wurde als «Unternehmen im Unternehmen» geführt, mit eigener Gewinn- und Verlustrechnung. Nach dem ersten Schritt mit der Angliederung beim Energie Contracting soll die Haustechnik laut den Stadtwerk-Dokumenten in einem zweiten Schritt ganz aufgelöst werden.

«Das Profit-Center Haustechnik wird per Ende 2019 aufgelöst.»Aus einem internen Dokument

Auf einer Powerpoint-Folie, welche Stadtwerk-Direktor Marco Gabathuler erstellt und im Mai betroffenen Mitarbeitern präsentiert hat, wird dieser zweite Schritt als Fakt dargestellt: «Das Profit-Center Haustechnik wird per Ende 2019 aufgelöst.» Der Haken: Stadtwerk darf sich intern sehr wohl neu organisieren, ein Profit-Center aufzulösen fällt allerdings in die Kompetenz von Gesamtstadtrat und Gemeinderat. Und die wissen von den Plänen noch gar nichts.

«Das ist ein Fehler, falls das intern irgendwo so vermerkt wurde.»Stefan Fritschi, Stadtrat (FDP)

Marco Gabathuler schreibt auf Anfrage: «In meinen mündlichen Ausführungen dazu, habe ich – im Wissen, dass noch übergeordnete Entscheidungen gefällt werden müssen – ausgeführt, dass es ‹das Ziel› sei, das Profit-Center Haustechnik möglichst bis Ende 2019 aufzulösen.» Die Kompetenzregelung sei ihm jederzeit bewusst gewesen und er habe dies den Mitarbeitern eben mündlich weitergegeben.

Der zuständige Stadtrat Stefan Fritschi (FDP) sagt dennoch: «Das ist ein Fehler, falls das intern irgendwo so vermerkt wurde.» Dass er dem Stadtrat und dem Gemeinderat den Antrag zur Auflösung der Haustechnik mache, sei durchaus möglich, sagt Fritschi. «Aber es sind noch weitere Varianten im Spiel.»

Gemeinderat vertröstet

Das Stadtparlament ist über die Veränderungen und Pläne noch nicht informiert. Dabei fragte Michael Gross (SVP), Präsident der zuständigen Kommission, erst letzten Montag bei Stefan Fritschi nach, was eigentlich bei der Haustechnik los sei. Er wurde auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet. Das sei «nicht optimal», sagt Gross nun, konfrontiert mit den Neuerungen. «Aber es ist auch nicht so tragisch, es gibt ja keine Kündigungen.»

«Auch wenn wir keine Badewannen und Waschbecken mehr installieren, stehen wir in anderen Feldern nach wie vor in Konkurrenz zu Privaten.»Stefan Fritschi, Stadtrat (FDP)

Durch die interne Reorganisation, die laufend entwickelt wird, verspricht sich Stadtwerk «operative und wirtschaftliche Verbesserungen». Strategisch will man sich «in Richtung Dienstleistungen entwickeln». Dass die Reorganisation einem Rückzug aus Geschäftsfeldern der Privatwirtschaft zum Ziel habe, verneint Stefan Fritschi: «Auch wenn wir keine Badewannen und Waschbecken mehr installieren, stehen wir in anderen Feldern nach wie vor In Konkurrenz zu Privaten.» Als moderner Energie-Dienstleister müsse sich Stadtwerk nicht nur gegenüber Privaten sondern auch gegenüber anderen Energieunternehmen behaupten können.

Erstellt: 21.06.2019, 15:18 Uhr

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