Musikkollegium

«Welche Wonne, welche Lust»

Die Saisoneröffnung des Musikkollegiums überzeugte vollends.

Das Musikkollegium legte für die Saisoneröffnung wiedermal den roten Teppich aus.

Das Musikkollegium legte für die Saisoneröffnung wiedermal den roten Teppich aus. Bild: Archiv

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Die Saisoneröffnung des Musikkollegiums am Mittwoch hatte durchaus theatralischen Charakter. Empfangen wurde man mit einem roten Teppich auf der repräsentativen Aussentreppe und einem sympathischen Aperitif für alle. Zudem verwies das Konzertprogramm auf raffinierte Art und Weise auf den Wunsch der Komponisten, das Opernhafte auch in der Instrumentalmusik einzufangen.

Beginnen wir mit Mozarts Oboenkonzert C-Dur KV 314, von dem es auch eine Version für Flöte gibt. Dass das Stück ursprünglich für die Oboe, oder besser gesagt für den brillanten Oboisten der Salzburger Kapelle Giuseppe Ferlendis gedacht war, in der auch Mozart mitspielte, lässt sich anhand der vielen schönen Kantilenen und lange gehaltenen Töne unschwer erkennen. Maria Sournatcheva, die Solo-Oboistin des Musikkollegiums, nahm sich diesem innigen Solopart mit virtuosem Schalk und musikalischer Hingabe an.

Die Sanglichkeit der Oboe wird vor allem im «Andante ma non troppo» ausgespielt, sie klingt wie eine Arie einer Opera Seria. Das Orchester hingegen ist sehr durchsichtig und leicht gesetzt und ist zu kaum mehr als zur Grundierung des Soloparts da. Die für Mozart typische virtuose Überschwänglichkeit zeigt sich im Schluss-Rondo, das mit seinem springenden und zackigen Thema Blondchens Arie «Welche Wonne, welche Lust» imitiert. Maria Sournatcheva spielte das opernhafte Thema leichtfüssig und keck aus, verführte aber auch mit innigem und farbenreichem Kantilenen-Ton - das Publikum war begeistert.

Frisch aus der Sommerpause

Auch Josef Haydns Sinfonie «La passione» Nr. 49 ist mit ihrer f-Moll-Tonart, die alle vier Sätze prägt, und ihrer dramatischen Ausdruckskraft theatralischer als andere Haydn-Sinfonien. Chefdirigent Thomas Zehetmair gestaltete sie aus einer extremen Piano-Zurücknahme heraus, das ging an die Grenze des fast nur noch Geräuschhaften, um dazu die dramatischen Aufbrüche in starken Kontrast zu setzen. Die Musiker des Musikkollegiums folgten ihm hellwach, die Bläser genossen das behäbige Menuett spürbar, und das Cembalo, das Zehetmair für den Continuo dazu nahm, verlieh dieser Interpretation mit seinem «gezupften» Ton etwas Leichtes und Sprödes zugleich.

Wie frisch die Musiker des Musikkollegiums nach der Sommerpause sind, zeigte sich hauptsächlich in Nikolai Rimski-Korsakows «Scheherazade» op. 35, seinem wohl populärstes Orchesterstück. Rimski-Korsakow war ein genialer Instrumentierungskünstler, ohne seine Hilfe wäre das «Mächtige Häuflein», dem er angehörte, vor allem aber Modest Mussorgsky an der fehlenden Orchestererfahrung gescheitert.

Die «Scheherazade» ist denn auch wie ein Solo-Stück für das ganze Orchester. Farbenreich werden die Geschichten aus «1001 Nacht» erzählt, stilisierte Exotismen werden treffend eingesetzt, und das Thema der Scheherazade, das Primgeiger Robert González Monjas bis in die höchsten Töne lupenrein und zart in den Saal strömen liess, verbindet die «Geschichten» mit verführerischem Schmelz.

Das Musikkollegium war gefordert, die Holzbläser am Fagott, an der Oboe und der Klarinette «erzählten» ihre Soli sehr musikalisch, und der Gesamtklang war transparent und hatte doch einen gewissen Schmelz. Dazu kam der rhythmische Drive, die eine prägnante Kraft offenbarte. Welche Wonne, welche Lust!

Erstellt: 12.09.2019, 14:43 Uhr

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