Konflikt

Wenn beim Hundespaziergang geschossen wird

Auf der Schiessanlage Ohrbühl erschrecken sich Fussgänger, weil die Barriere, die das Gelände absperren sollte, geöffnet bleibt, auch wenn geschossen wird.

Während des Schiessbetriebs auf der 25-Meter-Anlage darf diese Barriere offen bleiben.

Während des Schiessbetriebs auf der 25-Meter-Anlage darf diese Barriere offen bleiben. Bild: Marc Dahinden

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«Es war, als ob ich mitten im Krieg gelandet wäre», erzählt Rentnerin Eva P.. Sie hatte eben mit ihrem Dackelmischling das Areal der Schiessanlage Ohrbühl in Oberwinterthur betreten. Die Barriere, die den Feldweg hinter dem Zielbereich absperrt, war offen gestanden. Ohne Vorwarnung ertönte das ohrenbetäubende Knallen von mehreren Waffen. Der kleine Dackel der 72-Jährigen rannte panisch in Richtung Seenerstrasse. Sich in Lebensgefahr wähnend, tat es die Rentnerin ihrem Hund gleich.

Jahrelanger Konflikt

Eva P. sei nicht die erste, die ihn angerufen habe, sagt ihr der Standwart Jakob Gut, rund zwei Mal pro Jahr habe er ähnliche Beschwerden. Ihm seien aber die Hände gebunden, denn der Bauer, dem das Feld hinter dem Schiessplatz gehöre, habe keine Lust immer vom Traktor zu steigen, um die Barriere zu öffnen und wieder zu schliessen. Er spricht von einem jahrelangen Interessenkonflikt: «Der Bauer hat sich durchgesetzt.»

Das besagte Feld gehört dem Oberseemer Landwirt Werner Hess. Vom «Landboten» auf den Konflikt angesprochen, sagt er: «Sie haben keine Ahnung von Landwirtschaft.» An manchen Tagen müsse er vier- bis fünfmal an dieser Barriere vorbei.

Zuständig für die Sicherheit auf Schiessanlagen ist die eidgenössische Schiesskommission, im Falle der Anlage im Ohrbühl der Schiessoffizier Franz Walker. Das Gespräch mit ihm zeigt, die Sache ist komplex: Wird im Ohrbühl auf 300 Meter geschossen, bleibt die Barriere zum Schutz von Passanten immer geschlossen. Doch auch am besagten Morgen, als Eva P. mit ihrem Dackel unterwegs war, verlief alles nach Vorschrift.

«Wenn in der 25-Meter-Anlage geschossen wird, bleibt die Barriere oben», erklärt Walker. Diese befinde sich nämlich in einer Senke, und man laufe auch bei offener Barriere nie Gefahr, von einem Querschläger erwischt zu werden. «Deshalb entschied ich vor ein paar Jahren zugunsten des Bauern.» Zudem werde bei jeder laufenden Schiessübung ein gut sichtbarer Warnsack aufgehängt.

Es soll ein Warnschild geben

Dass uneingeweihte Spaziergänger von dieser Art der Signalisation nichts wissen und sich fast zu Tode erschrecken können, wenn nach dem Passieren einer offenen Barriere plötzlich Schiesslärm ertönt, ist dem Schiessoffizier bewusst.

Walker versichert: «Ich nehme das nicht auf die leichte Schulter.» Er habe die Situation vor kurzem mit Platzwart Gut besprochen. Letzterer versichert, ihm sei bei der Sache auch nicht mehr wohl und verspricht, in Kürze ein Warnschild anzubringen.

Erstellt: 03.12.2019, 17:11 Uhr

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