Winterthur

Wie die Stadt in Zeiten des Klimawandels cool bleiben will

Winterthur heizt sich auf, jetzt plant man Kühlung: mit Bäumen, Kaltluftkorridoren und frischen Ideen.

Bild: Ruedi Widmer

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Segelflieger wissen es: Über einem zubetonierten Parkplatz herrscht Thermik, Aufwind. Dort ist die Luft einiges wärmer als über fetten Wiesen oder Wäldern.

Auch Tössfeldgänger wissen es: Der Junimorgen mag noch kühl sein, doch wenn man bei Sonnenschein zur Fassade der Hochschulbibliothek an der Kesselschmiede kommt, zieht man sofort die Jacke aus.

Ab 2040 wird es in Winterthur mehr als doppelt so viele Tropennächte in Winterthur geben wie heute.


Hier ist es schon um halb neun fast so heiss wie im Hochsommer. Die immer dichter bebauten Städte werden zu Wärmeinseln, auch Winterthur. Messungen zeigen, dass es in Sommernächten in diesen Hitzeinseln sieben bis acht Grad wärmer ist als in den kühlsten Zonen der Stadt.

Die Stadt heizt sich tagsüber so stark auf, dass die Nacht nicht reicht, um sie wieder runterzukühlen. Und: ab 2040 wird es in Winterthur mehr als doppelt so viele Tropennächte in Winterthur geben wie heute. Eine Folge des Klimawandels.

Luftkorridore freihalten

Nun intensiviert die Stadt ihre Bemühungen, dieser Überhitzung entgegenzuwirken. Diese Woche haben Stadträtin Christa Meier (SP) und ihre Chefplaner im Zukunftsbericht 2040 erste Hinweise gegeben, gestern doppelte das Umwelt- und Sicherheitsdepartement von Barbara Günthard (FDP) mit einer Medienmitteilung nach. Darin ist von einem Grundsatzpapier die Rede, das erarbeitet wird, von Baumalleen und Luftkorridoren

Man weiss, wo kühle Luft in die Stadt fliesst, topografischen und baulichen Strukturen folgend: Der Gleisraum aus Kemptthal bis ins Stadtzentrum ist so ein Korridor, ein anderer kommt von Sennhof via Eschenberg ins Grüzefeld, ein dritter von Neuburg/Weihertal hinunter nach Wülflingen. «Hier muss man ganz vorsichtig sein», sagt Stadtbaumeister Jens Andersen: Die Ausrichtung eines Gebäudes könne grosse Folgen haben.

Viele Gedanken zur Stadtkühlung kommen auch aus dem Forum Architektur. Manche sind traditionell: Ganze Korridore mit Bäumen bepflanzen statt nur Einzelbäume. Grosse alte Bäume unbedingt erhalten, jeder ersetzt fünf Klimaanlagen, und ihre riesigen Baumkronen entsprechen hundert jungen Bäumen.

Manche Ideen sind neu: Man sollte schattenspendende Elemente an gossen flachen Fassaden verlangen. Man sollte versiegelte Verkehrsflächen aufbrechen und zumindest die Trottoirs mit vegetativen Belägen versehen. Und man sollte Parzellengrenzen aufbrechen dürfen, um Quartiere besser begrünen zu können.

Auch Selbstkritik ist aus Architekturkreisen zu hören: Zu lange habe man die Bau- und Energienormen blind angewendet, was letztlich zu einer «Hitzearchitektur» geführt habe. Der winterliche Schutz vor Kälte sei bei neuen Gebäuden mittlerweile ausgereizt, jetzt brauche der sommerliche Schutz vor Überhitzung dringend mehr Beachtung.

(Der Landbote)

Erstellt: 13.06.2019, 15:07 Uhr

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