Weltmeisterschaft

Wie ein Spickzettel für die Fussball-WM

In einem dicken Führer hat der Winterthurer Oliver Akeret Wissenswertes zur WM in Russland zusammengetragen – das ideale Heft, um an der Fussballparty zu glänzen.

Aus einem Bubenprojekt ist ein professionelles Heft geworden: Der Winterthurer Oliver Akeret bietet mit seinem WM-Magazin ein Konzentrat an Informationen und Geschichten über die Teilnehmer der WM-Endrunde.

Aus einem Bubenprojekt ist ein professionelles Heft geworden: Der Winterthurer Oliver Akeret bietet mit seinem WM-Magazin ein Konzentrat an Informationen und Geschichten über die Teilnehmer der WM-Endrunde. Bild: PD

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Spätestens, wenn in der Firma das Fussballtippspiel startet, fallen einem die eigenen Wissenslücken auf. Am 28. Juni zum Beispiel spielt Panama gegen Tunesien. Zum ersten Mal gibt es diese Affiche in der Fussballgeschichte. 2:1, 0:3, 0:0? Wer weiss ernsthaft, was da zu tippen wäre? Abhilfe gegen diese Ahnungslosigkeit bietet das «WM Magazin, der alternative Turnierführer» von Oliver Akeret. Zum sechsten Mal schon hat der Winterthurer vor einem Fussball-Grossturnier Geschichten, Daten und Fakten zusammenzutragen und jede teilnehmende Mannschaft portraitiert.

Was 2008 noch ein naiv anmutendes Projekt eines 17-jährigen war, ist unterdessen zu einem 155 Seiten langen Magazin in professioneller Aufmachung gereift. Für die Illustration hat Akeret mit dem «Tschutti-Heftli» zusammengearbeitet, der Schweizer Alternative zum Panini-Album. Sonst hat der 27-Jährige, der als freischaffender Journalist auch schon für diese Zeitung tätig war, fast alles selber gemacht.

Lektoriert von der Mama

Eineinhalb Jahre dauert die Recherche normalerweise. Diesmal musste es wegen eines Auslandaufenthaltes schneller gehen. Das meiste habe er in drei Monaten erledigt, sagt er, neben seiner Masterarbeit an der Universität St. Gallen, die bisweilen etwas zurückstehen musste.

Noch immer ist das Heft ein Familienprojekt. Seine Mutter hat es lektoriert, sein Vater hat es vermarktet. Und doch wirkt der Führer nicht hausbacken. Unterdessen sind fast alle 1400 Exemplare verkauft. Sie kosten 25 Franken. Ein grosses Geschäft macht Akeret damit nicht. Das ursprüngliche Ziel, die Kosten wieder einzuspielen, habe er aber übertroffen.

Formal ist Akerets WM Magazin von alternativen Fussballtiteln wie «11 Freunde» oder «Zwölf» inspiriert, obschon er viele Infos auch aus konventionellen Fussballpublikationen wie «Kicker» und «Sport-Bild» zusammengetragen hat. Er habe keine exklusiven Informationen, sagt Akeret offen. Aber sein Heft bietet ein Konzentrat, eine Übersicht. Jede Mannschaft erfährt gleich viel Aufmerksamkeit. Auf vier Seiten wird der Weg durch die Qualifikation nachgezeichnet, werden Schlüsselspieler portraitiert, Statistiken zitiert und Geschichten erzählt.

Akeret wagt auch immer eine Prognose. Die mutigsten: Deutschland scheitert im Viertel-, für Argentinien und Spanien ist im Achtelfinal Schluss. Konventionell fällt sein Tipp für die Schweiz aus: Er rechnet mit einer Niederlage gegen Deutschland im Viertelfinal.

66 Tore und 16 gelbe Karten

Am meisten Spass aber machen jene Informationen, die für den Turnierverlauf bedeutungslos sind, mit denen man beim Fussballabend mit Freunden aber wunderbar auftrumpfen kann. Hätten Sie etwa gewusst, wer in der Qualifikation durchschnittlich mit den kleinsten Spielern angetreten ist? Es war Saudi-Arabien, mit einer Durchschnittsgrösse von 176,2 cm. Erst dann folgt die japanische Mannschaft mit 178,1 cm. Jenes Saudi-Arabien hat in der Qualifikation in Osttimor ein glattes 10:0 abgeliefert. Das klingt rekordverdächtig, es geht aber noch eindrücklicher. Australien bestritt anno 2001 in der WM-Qualifikation in nur sieben Tagen vier Spiele und schoss 66 Tore. Unterdessen tritt das Land in der Asiengruppe an, um in der Qualifikation echte Konkurrenz zu haben. An der Seitenlinie der «Aussies» steht Bert van Marwijk, der Niederländer hätte eigentlich mit Saudi-Arabien nach Russland reisen sollen, seinen Posten nach der erfolgreichen Qualifikation aber kurzfristig und im Zwist räumte.

Kurzum: Der Turnierführer ist ein Steinbruch, in dem Gelegenheitsfans viel Neues entdecken und Fussballkenner Erinnerungen aufleben lassen. Wie etwa an jenes Spiel zwischen Kamerun und Deutschland 2002, in dem der Unparteiische 16 Gelbe und 2 Rote Karten zeigte. Oder jenes einzigartige Elfmeterschiessen, bei dem eine Mannschaft kein einziges Tor erzielte. Sie erinnern sich: Es war die Schweiz. (Landbote)

Erstellt: 13.06.2018, 17:43 Uhr

Infobox

Wenige Exemplare des WM Magazins sind noch erhältlich, sie können im Winterthurer Geschäft «Jugglux» gekauft oder via oliver.akeret@gmail.com bestellt werden.

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