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«Wilder»-Regisseur hofft auf Schnee

Jan-Eric Mack führte bei der Fortsetzung der Krimiserie «Wilder» die Co-Regie, ab nächster Woche dreht er die dritte Staffel, wobei ihm vor allem eine Sache Kopfzerbrechen bereitet.

Jan-Eric Mack war Co-Regisseur bei der zweiten Staffel der Krimiserie «Wilder».

Jan-Eric Mack war Co-Regisseur bei der zweiten Staffel der Krimiserie «Wilder». Bild: Marc Dahinden

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Seit dieser Woche läuft die zweite Staffel von «Wilder». Setzen Sie sich mit den vielen Kritiken und Online-Kommentaren auseinander oder gehen Sie dem allem aus dem Weg?
Jan-Eric Mack: Ich verfolge schon, was geschrieben wird. Es ist ein wichtiger Teil der Auswertung. Wir machen die Serie am Ende für Publikum, darum interessiert es mich, wie das Feedback ausfällt. Grundsätzlich wurde die erste Folge insgesamt gut aufgenommen.

Es gibt gerade Online auch Kommentare unter der Gürtellinie. Wurmt das?
Es hat jeder ein Recht auf eine eigene Meinung, dass die Serie den einen gefällt und den anderen nicht, das ist ok.

Lernen Sie etwas aus dem Feedback für den Dreh der dritten Staffel?
Filmemachen ist ein komplexer Prozess, der von sehr vielen Faktoren abhängt. Wir versuchen das Beste aus unseren Möglichkeiten zu machen, wir machen auch Fehler. Sie ein zweites Mal zu machen ist etwas, das man vermeiden soll - aber das gilt generell im Leben.

«Ich bin in Neftenbach aufgewachsen, das ist keine Berggemeinde, aber es hat dörfliche Strukturen.»

Sie hatten beim Dreh die Co-Regie an der Seite von Pierre Monnard, der schon die erste Staffel gedreht hat. Wie muss man sich diese Zusammenarbeit vorstellen?
Wir haben zusammen die Vorbereitungen gemacht und waren dann über die meiste Zeit mit zwei autonomen Filmcrews unterwegs, ich mit einer kleineren. Ich habe 20, Pierre Monnard 66 Tage gedreht. In der Postproduktion war ich ebenfalls involviert.

Die Drehlogik ist also eine rein ökonomische.
Das ist so, wir konnten nicht die Episoden untereinander aufteilen, sondern drehten achronologisch nach Motiven und Setting. Dafür mussten wir beide den gleichen Wissensstand haben, was einen intensiven Austausch verlangt, aber immer super funktioniert hat.

Wer hatte das letzte Wort, wenn Sie sich uneins waren?
Er hatte die Regie und damit das letzte Wort, das war für mich im Vornherein klar, und das ist so auch nötig. Ich konnte viel von seiner Erfahrung profitieren.

«Wilder» hatte durch die erste Staffel einen festgelegten ästhetischen und erzählerischen Rahmen. Sie kamen vom Film. Fühlten Sie sich eingeengt?
Im Gegenteil, es ist einfach etwas anderes, wenn man seriell erzählt. Die dramaturgischen Bögen sind weiter. Und die Ästhetik und der Kosmos dieser Art der Geschichte haben mir gefallen.

Der Trailer zur zweiten Staffel:

War es schwierig, sich in die Bergwelt des Juras hinein zu denken? Sie sind ein Stadtmensch, haben lange in Winterthur gewohnt und leben jetzt in Zürich.
Ich bin in Neftenbach aufgewachsen, das ist keine Berggemeinde, aber es hat dörfliche Strukturen. Man setzt sich im Vorfeld eines Drehs immer sehr lange mit den Figuren und einem Ort auseinander, das bedingt viel Recherchearbeit, man muss wie die Schauspieler eintauchen, sich herantasten. Und letztendlich erzählen wir von menschlichen Mechanismen - Wünsche, Ängste, Bedürfnisse -, das hat auch etwas Universelles.

«Was «Wilder» für mich schweizerisch macht, ist die Sprache und sind die Figuren.»

Die dritte Staffel werden Sie als Regisseur verantworten, mit Samuel Perriard als Co-Regisseur. Sie soll urbaner werden. Ist das auch ihr Wunsch, das Setting und die Stimmung zu ändern?
Die Idee kommt von den Drehbuchautoren, es gibt aber zwei Umgebungen, eine auf dem Land, eine in der Stadt. Wir wollten für den dritten Teil ein neues Setting. Dabei steht der Kontrast zwischen Stadt und Land im Mittelpunkt - die Anonymität der Stadt gegenüber dem Biotop des Dorfes.

Die erste Staffel erinnerte ästhetisch stark an die neuseeländische Serie «Top of the Lake». Auch die die erzählerische Nähe zu den «Schwedenkrimis» ist gross. Ist es nötig, dass «Wilder »eigenständiger auftritt, schweizerischer wird im Ton?
Der Ton der Serie ist gesetzt, diese Atmosphäre des Verlorenen der ersten Staffel, das war ein Novum für die Schweiz. Was «Wilder» für mich schweizerisch macht, ist die Sprache und sind die Figuren. Da findet man genug Eigenheiten. Die Bildsprache wird bleiben, «Wilder »hat eine starke visuelle DNA, die die Leute kennen.

Was werden Sie in der dritten Staffel anders machen? Werden wir weiterhin viele - teils unmotivierte - Drohnenaufnahmen sehen oder ist das eher Pierre Monnards Sache?
In der zweiten Staffel sind Landschaften wichtig, dafür sind Drohnenaufnahmen ein passendes Stilmittel.

Die Drohnenaufnahmen bleiben also, gehören die auch zur visuellen DNA?
Ich denke schon. Wir werden auch Drohnen haben, sie aber anders einsetzen, auch weil wir mehr in der Stadt sind. Entsprechend wird sich die Bildsprache anpassen.

«Ein Filmdreh ist sehr intensiv, man muss seine Energie gut einteilen.»

Die Dreharbeiten für die dritte Staffel fangen nächste Woche an, wie muss man sich Ihr Leben während der Drehtage vorstellen?
Ziemlich schlaflos. Es sind sehr lange Tage. Wir haben 61 Drehtage, mit einer Woche Pause dazwischen. Das bedeutet jeden Tag zehn bis zwölf Stunden am Set, danach muss man den nächsten Tag vorbereiten.

Da kommt man an seine Grenzen?
Es ist ein Kraftakt für alle Beteiligten. Ein Filmdreh ist sehr intensiv, man muss seine Energie gut einteilen.

Was macht Ihnen im Moment am meisten Kopfzerbrechen?
Der Schnee. Wir hoffen auf Schnee. Auf das Wetter haben wir leider keinen Einfluss. Wir können bedingt darauf reagieren, das ist logistisch aber sehr aufwendig. Jetzt brauchen wir das Glück der Tüchtigen.

Hier gibt es die 2. Staffel.

Erstellt: 10.01.2020, 17:52 Uhr

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