Wirtschaft

Wo Reisepässe im Altkarton landen

In Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung PwC Winterthur präsentierte die Maag Recycling AG ihren Betrieb – wobei so manche kuriose Geschichte ans Licht kam.

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Die Firma Maag kennen fast alle in Winterthur. Doch wie auf dem engen, rund 20 000 Quadratmeter grossen Areal an der Werkstrasse geschrottet, sortiert, gepresst und jährlich rund 60 000 Tonnen Recyclingmaterial verarbeitet wird, weiss kaum jemand so genau. Am Dienstagabend gab die Maag Recycling AG rund 60 Personen einen Einblick in ihre Arbeit und Geschichte. «Als mein Vater den Familienbetrieb einst von meinem Grossvater übernahm, hat er zuerst einmal Schulden gemacht», sagt Geschäftsführerin Judith Maag. Er habe das heutige Firmenareal mit Gleisanschluss an den Bahnhof Grüze erworben und den Betrieb ausgebaut.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Gesichtspunkte» der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) konnten die Besucher jeden Winkel des Maag-Areals erkunden. «Wir wollen lokalen KMU die Möglichkeit geben, sich vorzustellen», sagte Eduard Hotz, Partner und Leiter der PwC Geschäftstelle Winterthur. Dazu gehörte im Falle der Maag AG auch eine Unternehmensführung vom Recycling-Hof über die PET-Flaschen-Presse bis zum tonnenschweren Schrott-Zerkleinerer.

Prüfung auf Radioaktivität

In sechs Gruppen aufgeteilt konnten die Anwesenden entdecken, was Recycling in der Praxis bedeutet. Auf dem Recyclingareal der Maag werden eintreffende Lastwagen zuerst einmal verwogen und auf ihre Radioaktivität geprüft. «Falls diese Prüfung positiv wäre, müssten wir das Gebiet sofort absperren und die SUVA benachrichtigen», sagt der Stellvertretende Geschäftsführer Fabio Tonarelli. Dies sei aber zum Glück noch nie nötig gewesen.

«Als mein Vater den Familienbetrieb einst von meinem Grossvater übernahm, hat er zuerst einmal Schulden gemacht.»Judith Maag, Geschäftsführerin

Kleinere Unfälle gebe es beim Recyclen jedoch immer wieder, vor allem in der Privatannahme. «Einmal hat eine Familie ihre Ausweise, Flugtickets und rund 600 Franken Bargeld aus Versehen mit ihrem Altkarton bei uns abgegeben», erinnert sich Tonarelli. Es seien rund sieben Personen vorbeigekommen, um die Reiseunterlagen stundenlang in der Kartonpresse zu suchen – erfolglos.

Kostspieliger Kompost

Nebst Karton kann man bei der Maag Recycling AG auch alle anderen recyclebaren Stoffe abgeben. Schwierig werde es lediglich bei gemischten Kunststoffen. «Es gibt zum Beispiel Pet-Verpackungen, die sich gross damit brüsten, dass sie zu 30 Prozent aus Bio-Kunststoff bestehen», sagt Judith Maag. Aufgrund der verschiedenen Materialien seien die Flaschen allerdings nicht mehr recyclebar und somit sogar schädlicher für die Umwelt.

«100 Prozent schaffe auch ich nicht.»Judith Maag 

Ein weiteres Problem der Recyclingbranche seien die tiefen Margen auf dem Markt. Die Preise der an der Börse gehandelten Rohstoffe schwanken stark. Auch Verunreinigungen schmälern die Gewinne: «Wenn uns zum Beispiel ein Lastwagen Karton vorbeibringt, in dem sich auch entsorgte Mandarinenschalen befinden, bedeutet das für uns einen grösseren Sortieraufwand und einen Preisverlust für den Weiterverkauf», erklärte Maag in einem kurzen Podiumsgespräch mit Jakob Bächtold, Stv. Chefredaktor des «Landboten». Diese Verluste gebe man aber an die Verursacher weiter – nicht zuletzt dem materialgerechten Recycling zuliebe.

Mit ihrer Rolle als weibliche Geschäftsführerin hat Maag keine Probleme. «Ich muss ab und zu beweisen, dass ich gewisse weibliche Stereotype nicht erfülle, gewisse männliche dafür schon», sagt sie. Zum Schluss verriet Judith Maag auch noch, wie genau sie selbst ihren Abfall in Wertstoffe sortiert: «100 Prozent schaffe auch ich nicht.» 95 Prozent seien es aber schon. (Landbote)

Erstellt: 11.07.2018, 16:23 Uhr

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