Valentinstag

«Zusammenhalten» – «Bescheiden bleiben»

Was tun, damit die Liebe hält? Wir haben ein Winterthurer Paar gefragt, das seit 55 Jahren verheiratet ist.

Josefa und Melchior Odermatt sind seit 56 Jahren ein Paar. Den Valentinstag feiern sie nicht. Foto: Madleine Schoder

Josefa und Melchior Odermatt sind seit 56 Jahren ein Paar. Den Valentinstag feiern sie nicht. Foto: Madleine Schoder

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Josefa und Melchior Odermatt, 81 und 89 Jahre alt, haben über 50 Jahre im Mattenbachquartier gewohnt. Seit vier Jahren sind sie im Alterszentrum Adlergarten, im siebten Stock, mit Blick auf ihr altes Zuhause.

Frau Odermatt, was freut Sie mehr, Blumen oder Pralinen?
Josefa Odermatt: Lieber Blumen.

Feiern Sie den Valentinstag?
Josefa Odermatt: Nein! (sie lacht) Den haben wir noch nie gefeiert. Das ist erst in den letzten 20 Jahren aufgekommen. Ich sage immer, das ist einfach ein Tag für Blumenfachleute, damit die ein gutes Geschäft machen.

Wann haben Sie das letzte Mal von Ihrem Mann Blumen bekommen?
Josefa Odermatt: Wahrscheinlich an der goldenen Hochzeit. Danach weiss ich von nichts mehr. (beide lachen) Mein Mann hat mit Blumen nicht viel im Sinn.

Romantik, ist das etwas für junge Leute?
Josefa Odermatt: Unsere Beziehung ist nicht so romantisch wie auch schon. Mein Mann sitzt ja im Rollstuhl und braucht Pflege. Wenn wir zusammen am Tisch sitzen oder abends fernsehen, ist das gemeinsame Zeit, aber ob das romantisch ist, müssen Sie selbst entscheiden.

Im Alterszentrum sind Sie als Paar eher die Ausnahme. Gibt es manchmal Neid oder wehmütige Blicke von den Mitbewohnern, die alleine sind?
Josefa Odermatt: Nein. Die freuen sich alle, dass es uns gut geht.

Kennen gelernt hatten sich die beiden im Jahr 1963. Damals dominierten die Beatles die Hitparade mit Songs wie «She Loves You», oder «I Want to Hold Your Hand». Das interessierte die Odermatts wenig. Sie mögen Volkstümliches. An ihrer Hochzeit tanzten sie Walzer. Kennen gelernt hatten sie sich ein Dreivierteljahr früher, ebenfalls an einer Hochzeit.

Melchior Odermatt: Das war im Allgäu, wo sie herkommt. Ein Cousin heiratete. Wir sassen vis-a-vis am Tisch und hatten uns nie zuvor gesehen. Wir haben unter dem Tisch «gefüsselt». (beide lachen) Es hat gefunkt.

Josefa Odermatt: Er kam jedes Wochenende raus, in seinem VW Käfer.

Musste er um Sie kämpfen?
Josefa Odermatt: Nein, nicht gross. Ich kannte vorher niemand anderen. Es war also die erste Liebe!

Nach der Hochzeit fand er eine Wohnung an der Salomon-Bleuler-Strasse. Er arbeitete fast 50 Jahre in der Schleife in der Vorbehandlung von Textilien, kochte Stoffe ab und bleichte sie. Sie blieb zu Hause, zog die drei Kinder gross.

Irgendwann lässt die ­Verliebtheit nach.
Josefa Odermatt: Ja, es ist natürlich nicht mehr wie am ersten Tag.

Was braucht es, dass man trotzdem zusammenbleibt?
Also erstens, dass man einander gernhat. Und dann muss man bescheiden bleiben, nicht so anspruchsvoll wie viele Frauen heute. Wir hatten ein einfaches Leben, haben 52 Jahre in der gleichen Wohnung gelebt, und Urlaub gab es nur bei meinen Eltern im Allgäu.

Melchior Odermatt: Wir verstehen uns einfach.

Josefa Odermatt: Das Häfeli hat sein Deckeli gefunden.

Welche Ansprüche meinten Sie?
Josefa Odermatt: Heutige Frauen sind oft berufstätig. Ein Mann muss auch kochen können und sich um die Kinder kümmern. Geld spielt für viele eine grosse Rolle. Ich finde, man muss zufrieden sein mit dem, was man hat, und zusammenhalten.

Melchior Odermatt: Bis jetzt hat es bei uns gefunkt.

Josefa Odermatt: Das soll auch bis zum Lebensende so bleiben.

Was war die längste Zeit, die Sie in den letzten 55 Jahren getrennt waren?
Josefa Odermatt: Als ich drei Wochen nach Brasilien ging, die Familie der Schwägerin besuchen. Das hat ihn nicht interessiert.

Gingen Sie sich nach der Pensionierung jemals auf die Nerven, weil Sie sich plötzlich viel mehr sahen?
Josefa Odermatt: Mein Mann ging schon früher nach der Arbeit in die Pünt und hat die Hühner und Kaninchen versorgt. Nach der Pensionierung hatte er noch mehr Zeit dafür. Nach dem Frühstück ging er los, kam zum Mittagessen zurück, machte dann jeweils gerne ein Schläfchen und war am Nachmittag wieder draussen. Es war nicht so viel anders als damals, als er noch arbeiten ging.

Sie haben sieben Enkel und zwei Urenkel. Wären Sie selbst gerne noch einmal jung?
Josefa Odermatt: Nein. Ich möchte das nicht alles nochmals wiederholen.

Welchen Ratschlag würden Sie sich als jungem Paar geben, im Rückblick?
Melchior Odermatt: Zusammenhalten.

Josefa Odermatt: Bescheiden bleiben.

Und wie sieht denn nun Ihr 14. Februar aus?
Josefa Odermatt: Ein ganz normaler Tag. Vielleicht kaufe ich eine Schokolade. (Der Landbote)

Erstellt: 13.02.2019, 23:45 Uhr

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